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23.05.1997 - 

KPMG wendet Novell Replication Services an

Brainshare: Novell treibt Client-Network weiter voran

Einen Blick in die Zukunft der Netzwerkbranche wagte in Nizza Glenn Ricart, Executive Vice-President und Chief Technology Officer bei Novell, mit seiner Vision vom Client-Network-Computing. "Der Standort eines Servers in einem Netz verliert immer mehr an Bedeutung", skizzierte Ricart die Basis der Idee. Nicht der Server stehe im Vordergrund, sondern die Tatsache, mit einem Netz verbunden zu sein und Zugriff auf verschiedene Dienste zu haben, sei wichtig. Damit gehe auch ein Wandel von einem Server-zentrierten Konzept zu einem Services-Modell einher.

Um diese Vision in die Praxis umzusetzen, benötigt der Anwender Ricart zufolge drei Dinge: einen universellen Client, ein universelles Netz und universelle Dienste. Unter einem universellen Client versteht der Netzexperte einen Web-Browser, ergänzt durch Java-Technologie. Das universelle Netz basiert auf dem Intranet beziehungsweise Internet und stellt dem User entsprechende Services bereit. Aus Sicht der Netzwerk-Company gehören beispielsweise die "Novell Directory Services" (NDS) dazu, die auf der Brainshare vorgestellten Border Services sowie die NRS.

Die Replication Services dienen zur Softwareverteilung und Datensynchronisation und sind als Betaversion sofort verfügbar. Sie erlauben es, selektiv Gruppen von Dateien zu replizieren, womit Novell zufolge die Verteilung von Informationen über das WAN erleichtert wird. Das Management erfolgt über die NDS. Ohne NRS müßte ein Netzwerkadministrator ein Script- oder Batch-File schreiben, um Informationen von Server zu Server zu kopieren. Diese Vorgehensweise erscheint wenig intuitiv. Die Verifikation des Transfers kann dann einige Stunden in Anspruch nehmen, da geänderte Dateien bislang per Hand gesucht werden mußten. Die Betaversion des neuen Produkts findet sich unter http://www.novell.com/home/pubbeta/nrs. NRS 1.0 soll Ende Mai 1997 verfügbar sein, NRS 1.1 innerhalb von 90 Tagen.

Das Beratungsunternehmen KPMG ist eines der ersten Unternehmen, das die Replication Services bereits einsetzt. KPMG hatte Probleme mit dem zuverlässigen und rechtzeitigen Transfer von Daten und spezifischen Applikationen an Server innerhalb des Corporate Networks und entschied sich deswegen für NRS. Bisher sind vier NRS-Server installiert (die Open-Beta-Version 5) - ein Master-Server und drei Replikations-Server in Großbritannien, die bald auf sieben Replicas aufgestockt werden sollen. Im Endausbau will man zusätzlich die Desktop-Umgebung replizieren. Dann werden 6000 Clients und 10 000 PCs im KPMG-Netz unterstützt. Darüber hinaus prüfen die Consultants außerdem den Einsatz des Produkts für Document-Sharing, Remote-Office-Backup und Web-Replikation.

Während die Replication Services das unternehmensinterne Netz betreffen, schlagen die Border Services eine Brücke zwischen dem Corporate Network und dem Internet. Bestandteile der Border Services sind Proxy-Cache, Firewall-Services, Virtual-Private-Network-(VPN-)Dienste und Protokoll-Gateways.

Die Proxy-Cache-Technologie verringert die Zugriffszeit auf das Internet. Dazu werden häufig benötigte World-Wide-Web-Seiten oder andere Dokumente gespeichert, so daß der Proxy-Server Anfragen beantworten kann, ohne Seiten aus dem Internet herunterzuladen.

Den Gedanken der VPNs verwirklicht Novell durch eine Kombination aus IP-Tunneling und Verschlüsselung. Damit eignen sich Virtual Private Networks für einen vergleichsweise sicheren remoten Zugriff sowie zum Electronic Commerce über das Internet. "Sicherheit ist im Internet sogar noch wichtiger als die Per- formance", unterstreicht Denice Gibson, Senior Vice-President and General Manager Internet Products Group, den Stellenwert des VPN-Features innerhalb der Border Services. "Solange das Internet nicht sicher ist, rühren es die Anwender nicht an", fährt sie fort.

Ein weiteres Puzzlestück für das Client-Network-Computing bildet Novells Clustering-Technologie mit dem Codenamen "Wolf Mountain". Damit wagt sich die Company auf komplett neues Terrain. Wenn ein Server im Cluster ausfällt, werden die dort laufenden Applikationen automatisch von einem anderen Knoten übernommen. Wolf Mountain soll Microsofts "Wolfpack" Paroli bieten.

Nach Angaben von Novell unterscheidet sich die Novität allerdings in zweierlei Hinsicht von Microsofts Konkurrenzprodukt: Die eigene Technologie clustere mehr als die acht Server, die Wolfpack 1997 unterstützen soll. Ihre Behauptung untermauerten die Netzwerker mit einer Demonstration, die auf zwölf Servern lief. Darüber hinaus kann Microsofts Wolfpack lediglich Windows-NT-Cluster bilden, während Wolf Mountain Windows-NT-, Unix- und Intranetware-Rechner in einem Cluster zuläßt. Glenn Ricart schätzt den Markt für Wolf Mountain als "sehr weitgefächert" ein, zumal die Clustering-Technologie auch unter Java entwickelte Netzdienste unterstütze.

Als weiterer Beleg für die Java-Umorientierung läßt sich auch die Ernennung von Eric Schmidt zum CEO der Company deuten. Davor hatte er die Position des Chief Technology Officer bei Sun bekleidet und dort die Java-Entwicklung mitgeprägt. Eine zu große Abhängigkeit Novells vom Erfolg von Java sieht Denice Gibson nicht. "Java braucht noch zwei Jahre, um sich durchzusetzen", schätzt sie im Gegensatz zu optimistischen Sun-Vertretern, die davon ausgingen, daß Java sich in Jahresfrist durchsetzen werde. Pessimisten sprechen von vier Jahren. Neben der Aufgabe, Novell auf Java-Kurs zu trimmen, werde Schmidt sich bemühen, das Marketing von Novell zu verbessern, äußerte Gibson als Sprachrohr für den CEO, der es bislang nicht für nötig befand, Europa - den zweitwichtigsten Markt Novells - zu besuchen.