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21.02.1992

Branchen-Titanic mit Kurs auf die Software

21.02.1992

Scott McNealy spielt mit dem Feuer. Der Chef des Workstation-Highflyers Sun Microsystems verhilft seinem Unternehmen mit spitzzüngigen Bemerkungen über die Konkurrenz im DV-Markt im allgemeinen und über bestimmte Konkurrenten im besonderen immer wieder zu öffentlichem Aufsehen, zu Publicity, von der man nicht weiß, ob sie nicht als Bumerang zurückkommt (Seite 1). Was der Unix-Propagandist über IBM sagt, bietet ein gutes Beispiel: Wenn es dem Leitunternehmen (McNealy: dem Dow-Jones-Index) der Branche schlecht gehe, Sun indes gut, dann sei das bezeichnend für den Wandel, der sich vollzieht - unaufhaltsam und unumkehrbar, weil er von dem Willen der Anwender getragen wird. Kein genereller Einwand, nur kann man Schadenfreude auch übertreiben: Der Tag könnte kommen, an dem McNealy über sich selber lachen muß - eine Erfolgsgarantie besitzt auch Sun Microsystems nicht.

Kein Risiko lauert dagegen in der Aussage, daß es in den kommenden vier, fünf Jahren noch einigen renommierten amerikanischen und europäischen DV-Herstellern an den Kragen gehen wird, die Betroffenen nicht einmal wüßten (ein echter McNealy), wie ihnen geschehe. Bis, dahin bleibt es komisch, mit welcher Sicherheit Branchenbeobachter auf weitsichtige Marketiers rechnen dürfen, die ihr jeweiliges Unternehmen auf dem richtigen Weg sehen: Kurs auf Software, dem paradiesischen Eiland inmitten der rauhen Hardware-See.

Kein Hardwarehersteller, der sich nicht als heimlicher Software- und Service-Champion fühlte. Die schlimmste Folge der Zwangsvorstellung, das Heil der krisengeschüttelten DV-Industrie liege in der Software, ist der Verlust an Glaubwürdigkeit. Wenn die IBM für die neue Software-Gesellschaft Sercon die Werbetrommel rührt (Seite 1), um gleichzeitig beiläufig anzudeuten, daß man über eine Erhöhung der Lizenzgebühren für VSE-Releases nachdenke (Seite 1), dann wird das Lavieren des Mainframe-Marktführers deutlich.

Nicht, daß wir die Bedeutung der Software gering einschätzen; aber wenn es einen Wandel gibt, der den Zeiger auf Null stellt, dann doch auf diesem Gebiet. Philippe Dreyfus von Cap Gemini Sogeti hat auf den Pferdefuß für die Anbieter hingewiesen (CW Nr. 7 vom 14. Februar 1992, Seite 1): Früher hätten die Anwender Software gekauft, ohne zu wissen, warum. Heute nutze der Kunde diese Ware, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen; folglich frage er bei jeder Mark, die er investiere, was er dafür bekomme. Die meisten Standardprogramme als Scheinlösungen zu entlarven, was den Punkt "Wettbewerbsvorteile verschaffen" betrifft, fällt nicht schwer - schwer vorstellbar allerdings, wie Hardwarehersteller, die bei leichteren Aufgaben versagt haben, das Dreyfus-Rätsel (Standardsoftware, ade!) lösen wollen.