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25.10.2002 - 

Unternehmenssoftwareanbieter haben ihre Kosten im Griff

Branchenkrise trifft SAP geringer als die Konkurrenz

MÜNCHEN (CW) - Obwohl die großen Anbieter von Unternehmenssoftware ihre Umsatzprognosen nicht erfüllen, sind die Analysten mit den Gewinnen von SAP und Peoplesoft zufrieden. Nur Siebel muss einen dramatischen Umsatzeinbruch und einen Verlust hinnehmen.

SAP gewinnt Marktanteile - aber nur, weil die Konkurrenz keine gute Figur macht. Um drei Prozent sank der SAP-Lizenzumsatz im abgelaufenen Quartal (Ende: 30. September) gegenüber dem Vorjahr auf nun 435 Millionen Euro. Der Lizenzumsatz ist bei den Softwareherstellern eine wichtige Größe, weil die Verkäufe später Service- und Wartungsumsatz nach sich ziehen. Besonders wichtig ist daher auch das Neukundengeschäft: Immerhin 23 Prozent des Lizenzumsatzes hat SAP im vergangenen Quartal mit Unternehmen gemacht, die zuvor keine Kunden waren.

Dagegen verblassen die Quartalszahlen der Konkurrenz: Der Lizenzumsatz von Peoplesoft sank um 20 Prozent auf 121,6 Millionen Dollar. Der CRM-Spezialanbieter Siebel musste gar einen Rückgang um 34 Prozent auf 126,8 Millionen Dollar hinnehmen. Oracle, dessen letztes Quartal am 31. August zu Ende gegangen ist, büßte beim Umsatz mit seiner Anwendungssoftware 24 Prozent ein und verkaufte Softwarelizenzen im Wert von 110,8 Millionen Dollar.

Von den drei schärfsten Konkurrenten konnten sich die Walldorfer also absetzen. Am dramatischsten ist dabei die Entwicklung für Siebel, denn im Bereich Kundenbeziehungssoftware verbuchte SAP einen Zuwachs von 19 Prozent beim Softwarelizenzumsatz auf nun 93 Millionen Dollar.

Hinzu kommt, dass es den Deutschen durch einen rigiden Sparkurs gelungen ist, den Gewinn über Erwarten zu verbessern. Das operative Ergebnis liegt bei 336 Millionen Euro. Das Nettoergebnis beträgt 202 Millionen Euro, während die Analysten im Schnitt von 124 Millionen Euro ausgegangen waren. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal leicht um drei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Dass SAP nicht kopflos die Kosten reduziert, zeigt sich unter anderem an den Stellenkürzungen. Um 445 auf 28909 ist die Zahl der Mitarbeiter gegenüber dem zweiten Quartal zurückgegangen. Dabei haben die Walldorfer aber zirka 630 Stellen in Verwaltung, Marketing und Vertrieb sowie Service und Support gestrichen. Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten dagegen rund 180 Mitarbeiter zusätzlich.

Kein Wunder also, dass die Analysten das deutsche Softwarehaus einhellig loben. "Das sind sehr gute Zahlen", sagt David Clayton von Credit Suisse First Boston. Und Coleen Kaiser, Analystin bei Lehman Brothers, sieht die Mitbewerber in Schwierigkeiten: "Das hebt die Latte für die Konkurrenz. Da tut sich eine Lücke auf zwischen den Marktführern und den Verfolgern."

Das wird SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann gerne hören. Der hat nämlich die Umsatzprognose von plus fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgezogen und will nun gar nicht mehr sagen, wie viel sein Unternehmen in diesem Geschäftsjahr insgesamt einnehmen soll. Stattdessen konzentriert er sich auf Gewinnmarge und Marktanteile. Mit beiden Kennzahlen will er zulegen: Bei den Marktanteilen hat er sich nur das Ziel gesetzt, weitere Anteile der Konkurrenz abzunehmen. Beim Gewinn hält Kagermann am Anfang des Jahres ausgegebenen Ziel fest, das operative Ergebnis auf 21 Prozent zu steigern - ein ehrgeiziges Vorhaben. Um das zu schaffen muss SAP im laufenden vierten Quartal eine Marge von 28 Prozent erzielen.

Aber auch die Konkurrenz hat die Erwartungen für das kommende Quartal heruntergeschraubt. Siebel will nur noch einen Softwarelizenzumsatz zwischen 135 Millionen und 165 Millionen Dollar erzielen. Analysten waren bislang von rund 160 Millionen Dollar ausgegangen. Aber schon im abgelaufenen dritten Quartal ist Siebel am unteren Ende der Erwartungen geblieben. Der Gesamtumsatz erreichte 357,2 Millionen Dollar - 18 Prozent weniger als im Vorjahresquartal und nur knapp im selbst gesteckten Zielbereich von 355 Millionen bis 400 Millionen Dollar.

Mit dem Umsatz ist Firmenchef Tom Siebel nicht zufrieden: "Wir hätten ohne Frage mehr verkaufen können und müssen." Den Vertriebschef hat das schon die Stelle gekostet. Der ehemalige Executive Vice President of Worldwide Sales Operations, William McDermott, ist mittlerweile als CEO zu SAP America gewechselt.

Kein Wunder, dass der Gewinn unter der schlechten Performance zu leiden hatte. 154,7 Millionen Dollar beträgt der operative Verlust - Restrukturierungskosten von 109,4 Millionen Dollar eingerechnet. Netto bleibt noch ein Minus von 92,1 Millionen Dollar.

Gewinn trotz Umsatzrückgangs

Peoplesoft hat dagegen zumindest die Kosten im Griff. Obwohl der Umsatz um 9,5 Prozent auf 471,2 Millionen Dollar zurückging, reduzierte sich der Nettogewinn nur um elf Prozent auf 44,6 Millionen Dollar. Damit sind die Analysten zufrieden. "Das Quartal war solide", zeigt sich Mark Verbeck, Analyst bei Think Equity Partners, eher zurückhaltend. Und beim Ausblick auf das vierte Quartal, in dem Peoplesoft beim Lizenzumsatz mit 125 Millionen bis 135 Millionen Dollar nur ein wenig gegenüber den in diesem Quartal erzielten 121,6 Millionen Dollar zulegen will, wirkt Verbeck sogar skeptisch: "Normalerweise gibt es im vierten Quartal einen höheren Ausschlag, als sie ihn jetzt erwarten." (mo)

Kommentar

Über die Quartalszahlen der SAP jubeln die Analysten - allerdings zu früh. Denn die Kennzahlen aus Walldorf sind zwar gut für die Kunden, aber schlecht für die Investoren. Die Kunden dürfen sich freuen: Der Marktanteil von SAP steigt. Im Kampf der Giganten im ERP-Markt können sie sich sicher sein, auf das richtige, weil zukunftssichere Pferd gesetzt zu haben. Wer sich dagegen von Siebel versprochen hat, ein Produkt vom Marktführer gekauft zu haben, schaut wohl spätestens in einem Jahr dumm aus der Wäsche. Es ist absehbar, dass das Unternehmen im Kampf mit SAP unterliegen wird.

Doch der Umkehrschluss der Analysten, dass Marktanteilsgewinne und große Sparanstrengungen langfristig gute Gewinne versprechen, ist falsch. Auch wenn die Konkurrenz schwächelt: SAP befindet sich in einem Wettbewerbsmarkt. Die Kunden achten auf die Kosten und werden den Preis der Software drücken. Es ist blauäugig von SAP, die Gewinnmarge erhöhen zu wollen. Irgendwann wird SAP die Preise reduzieren müssen. Schon jetzt, so munkeln Insider, ist die Preisliste bei den ERP-Anbietern Makulatur. Es ist also absehbar, dass der Gewinn über kurz oder lang schrumpft - bei SAP, Oracle, Peoplesoft und allen anderen. Anleger sollten das bedenken - und Analysten die Anleger warnen.

Martin Ottomeier

Abb.1: ERP-Lizenzumsatz

Peoplesoft kommt im dritten Quartal ins Straucheln. Quelle: CW

Abb.2: CRM-Lizenzumsatz

Siebel befindet sich auf dem Weg zur Nummer zwei. Quelle: CW