Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.12.1976

Branchensoftware-doch vom Kollegen?

Software vom Kollegen - diese kostengünstige Lösung setzt sich in Deutschland nicht durch. Der Versuch, vor einigen Jahren über die Logon-Software-Börse Anwender zu motivieren, den Konkurrenzgedanken endlich fallenzulassen und die Kosten von selbstentwickelten Branchen-Paketen durch Verkauf wieder hereinzubekommen, erstickte bereits im Ansatz. Gründe hierfür waren auch unzureichende Dokumentation, Zeit- und Personalprobleme. Also wird wieder weitergestrickt. Mit einigen wenigen Ausnahmen: Bei genauem Durchblättern des ISIS-Software-Reports finden sich Standard-Branchen-Pakete, die von Kollegen an Kollegen verkauft werden. CW erkundigte sich bei vier Anwendern nach deren Erfahrungen mit Software-Verkauf. hö

Bruno Arndt, Mitglied der Geschäftsleitung und EDV-Organisator, Schiffko GmbH, Hamburg

Schiffko bedeutet Schiffkonstruktion und -entwicklung. In den letzten 15 Jahren hat die Schiffko für ihre Arbeiten ein Programmsystem aufgebaut, das zum Teil auch für andere Branchen interessant ist, zum Beispiel Stahlbau und Baggerbau.

Die Basis einiger Programme, die wir heute unseren Kollegen zum Kauf anbieten, entstammen dem Lehrstuhl von Professor Wendel, TU Hannover, wo ich sie seinerzeit zur Durchführung von Forschungsarbeiten verwendete. Diese Programme standen später eigentlich der Allgemeinheit zur Verfügung. Außer uns hat sie kaum jemand angegriffen. Wir haben sie für die Belange der Praxis ergänzt und im Laufe der Zeit wesentlich erweitert. Die Werkzeuge, die wir dadurch zur Verfügung hatten, sollten auch unseren Kollegen zugänglich gemacht werden.

Der "Idealismus des Ingenieurs" spielte bei der Idee, Software zu verkaufen, eine wesentliche Rolle. Der Erlös aus den Programmverkäufen wird natürlich nicht verschmäht, denn Programm-Entgen müssen ja finanziert werden.

Auch in unserer Branche verhält sich die Situation oft ähnlich wie in anderen Zweigen der Wirtschaft: Hat einer eine gute Software entwickelt, hält er sie fest, damit der gewisse Vorsprung vor den Konkurrenz-Unternehmen gesichert ist. Hier sollte man Abhilfe schaffen. Unser Ziel ist nicht, durch die Programme Routinearbeiten in größerem Umfang an uns zu ziehen, sondern Spezialaufgaben durch das Hilfswerkzeug EDV lösen zu helfen.

Für alle allgemein interessierenden Programme unseres Systems gibt es Benutzerhandbücher und Dokumentationen.

Neben verschiedenen Minirechnern und einer NC-Zeichenanlage gibt es in unserem Hause ein Terminal mit einer Standleitung zur Cyber-Anlage des CDC-Rechenzentrums in Frankfurt. Über eine Wahlleitung können auch andere Rechenzentren des CDC-Datenservice angesprochen werden. In Frankfurt wurden von uns erstellte, allgemein interressierende Pakete in die Software-Bibliothek eingefahren. Als wesentliche Vertriebsunterstützung gibt es ein Informationsprogramm, das bei Aufruf einen Ausdruck mit dem Aufbau des Kartendecks für die jeweiligen Rechenvorgänge liefert. Werden unsere Programme von Benutzern aufgerufen, erhalten wir von jeder Sekunde Rechenzeit einen Lizenzanteil. Die Gelder aus unseren Software-Verkäufen gehen wieder in die Entwicklung von Programmen.

In den letzten Jahren konnten wir sogar etwas Unterstützung vom BMFT zur Weiterentwicklung bekommen. Dennoch sind und bleiben unsere Interessen weiter bei der Schiffkonstruktion und nicht in Richtung Software-Haus.

Hans-Jörg Burgath, Kaufm. Leiter, Bruderhaus Maschinen GmbH, Reutlingen

Vor ungefähr sechs Jahren hatten wir die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein branchenorientiertes Software-Paket für die Kostenrechnung in unserem Hause zu entwickeln. Natürlich war diese Entwicklung - wie jede Investition - mit relativ hohen Kosten verbunden. An einen Software-Verkauf dachte aber zu dieser Zeit noch niemand. Der Anstoß hierzu kam eigentlich von außen: Wir vermieten an unsere Kunden Rechenzeit in unserem Rechenzentrum. Durch das Interesse, das diese Kunden für unser Software-Paket zeigten, ergaben sich die ersten Möglichkeiten, die Software auch anderen zu überlassen und anzubieten. Als das Interesse immer mehr zunahm, haben wir einen Kooperationsvertrag mit einer EDV-Unternehmensberatung geschlossen, die sich speziell mit dem Vertrieb für Software-Pakete befaßt. Wir sind eine Maschinenfabrik und wollen es auch schwerpunktmäßig bleiben. Diese Software selbst zu verkaufen, geht über die Grenzen unserer Kapazität. Die Wartung der Pakete übernehmen wir noch selbst, denn die Benutzer sollen natürlich auch ständig die neueste Version erhalten.

Durch die zusätzlichen Mittel, die uns der Software-Verkauf einbringt, konnten wir die Erstinvestition erheblich ausgleichen, der Rest des Geldes fließt in das Gesamtunternehmen. Wir benutzen diese Mittel also nicht, um noch weitere verkaufsverdächtige Software zu entwickeln.

Erhebliche Mehrlast hatten wir durch den Weiterverkauf unserer Software nicht, die Dokumentation der Programme war von vornherein so gut, daß ein fremder Benutzer ohne Schwierigkeiten damit arbeiten kann.

Georg Franz, EDV-Organisator, Städt. Sparkasse, Bayreuth

In unserem Hause wurde ein Software-Paket für den Depotverkehr entwickelt, zuerst in einer reinen Lochkarten-Version. Bis vor einem halben Jahr lief diese Anwendung auf der Bandanlage HB 400, heute steht in unserem Rechenzentrum eine HB 6620, ein Band/Platte-System. Für beide Systeme wurde das Depot-Paket jeweils modifiziert und angeglichen. Durch Publikationen in verschiedenen Branchenzeitschriften, bei Besprechungen und Organisationstagungen wurden befreundete Unternehmen auf unser Paket aufmerksam und zeigten Interesse, eine ähnliche Lösung in ihrem Unternehmen zu realisieren. Die Übergabe brachte uns keine Probleme, denn das Paket ist komplett dokumentiert.

Einige Institute übernahmen von uns lediglich die organisatorische Form des Depotverkehrs, andere kauften das komplette Programm. Um den Vertrieb des Paketes zu erleichtern, erstellten wir eine sogenannte Arbeitsanweisung bezüglich der Handhabung, angefangen bei der Schaltertätigkeit über die manuelle Eingabe bis zu den Schlüsselverzeichnissen und Vordruckmustern.

Dann erhielten wir das Angebot, unser Software-Paket im ISIS zu veröffentlichen. Heute können wir bereits Anfragen aus dem Ausland verzeichnen.

Die Wartung der Software übernehmen wir, allerdings war das bisher nur in einem Fall notwendig. Die Institute, die das Paket einsetzen, konnten kleine Änderungen und Anpassungen an die jeweilige Organisationsform leicht selbst vornehmen.

Die Gelder aus dem Software-Verkauf gehen bei uns in die Gewinn- und Verlustrechnung ein, als Einzelunternehmen haben wir keine Kontingente für künftige Projekte, also auch nicht für spezielle Software-Entwicklung. Der Vertrieb des Paketes bringt keine Probleme mit sich, wir würden ein zweites Programm - falls ein Bedarf vorhanden ist - jederzeit wieder anbieten, solange unser EDV-Team nicht über den normalen Rahmen hinaus beansprucht wird.

Otto Steg, Leiter der EDV, Textilla AG, Laufen/Schweiz

Wir bieten mehrere Pakete für die Bekleidungsindustrie an, von der Lohnabrechnung bis zur Produktionssteuerung. Natürlich erfordert der Vertrieb solcher Pakete, die eigentlich für den Eigenbedarf entwickelt wurden, einen gewissen Mehraufwand. Wichtigste Voraussetzung ist die wirklich komplette Dokumentation der Programme. Da dies aber in unserem Haus ein Muß ist, konnten wir die Pakete problemlos anderen Firmen anbieten, Es gibt leider heutzutage sehr viele Unternehmen, die ihre Eigenentwicklungen vor der Konkurrenz streng geheim halten. Schade, denn solche Entwicklungen, in die ja sehr viel Geld investiert werden muß, sollten weiterverkauft werden, um dadurch auch die eigenen Kosten wieder hereinzubringen. Natürlich überlegt man sich den Verkauf doch gründlicher, wenn ein direkter Konkurrent sich für das Paket interessiert, aber auch in der Bekleidungsindustrie ist nicht jeder unbedingt gleich Konkurrenz.

Der Verkauf der Software-Pakete läuft "unter anderem" - er muß nebenher bewältigt werden können, damit nicht wieder zusätzliche Kosten entstehen. Wir haben ein EDV-Team, das sich gleichzeitig mit dem Vertrieb und der Einführungsunterstützung beschäftigt. Die Wartung der Programme wird von uns für ein Jahr übernommen.

Gelder, die wir durch den Software-Verkauf zusätzlich erwirtschaften, fließen wieder zurück in die Software-Entwicklung.

Wir bieten unsere Pakete seit 1973 an, sehr gute Erfolge konnten wir mit der Lohnabrechnung verzeichnen, denn hier bringt oft die Akkordarbeit in der Nähindustrie große Abrechnungsschwierigkeiten.