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13.03.1981 - 

OCG-Vorstoß zu neuem Berufsbild EDV-Ziviltechniker:

Brauchen wir einen Computertreuhänder?

WIEN (eks) - Profilierungssorgen plagen Österreichs Informatiker. Die Österreichische Computergesellschaft findet, daß die im Ziviltechnikergesetz beschriebenen Aufgaben auch für das Fachgebiet der Informatik zutreffen. Sie fordert die Einführung des "Zivilingenieurs für EDV". Nachdem sich die Informatik als Studiengang auf praktisch allen österreichischen Universitäten etabliert hat, wollen die Absolventen auch ihren "Adler".

Das Bundeswappen dürfen Osterreichs Ziviltechniker (Architekten, Ingenieurkonsulenten und Zivilingenieure) auf Visitenkarten und Briefpapier führen. Auch sonst haben sie beachtliche Vorteile zu erwarten.

Ein freier Beruf ist im Gegensatz zu gewerblicher Tätigkeit nicht gewerbesteuerpflichtig, ein nicht unbeachtlicher Wettbewerbsvorteil. Außerdem genießen Ziviltechniker (ZT) den Schutz einer Tarifordnung, die ihnen die Peinlichkeit einer Begründung der Honorarhöhe erspart.

Eine "Anhebung des qualitativen Niveaus" erwartet sich die OCG, die auch meint, "Qualität könnte sich im Wettbewerb gegen Quantität durchsetzen". Der Wettbewerb würde allerdings eingeschränkt, denn Ziviltechniker genießen Konkurrenzschutz bei einen vorbehaltenen Tätigkeiten. Such Ausschreibungen könnten sie genüßlich hinter dem Schreibtisch erwarten, ohne eigene Aktivitäten entwickeln zu müssen.

Zampano mit der Bildschirmmaske

Als weiteres wichtiges Pro-Argument wird das Informationsgefälle zwischen Anbieter und Anwender genannt. Besonders ausgeprägt sieht die OCG diesen Effekt bei benutzerfreundlichen Systemen ohne besonders ausgebildetes Personal. Die so entstehende Bindung zwischen Anwender und Anbieter erschwere die freie Wahl.

Schließlich erhofft man sich einen Abbau von Angst und Mißtrauen in der Bevölkerung gegen eine ständig wachsende Informationstechnologie. Ob allerdings staatlich befugte und beeidete Fachleute die "qualifizierten Hände" sind, in welche "das Verwalten und Transparentmachen größerer Informationsmengen gehört", muß doch bezweifelt werden. So schrieb das britische Fachmagazin "information privacy" vor einiger Zeit, daß "Fachleute ihre Autonomie eher für ihre eigenen Interessen einsetzen".

Aus dem Wunsch nach größerer Transparenz spricht übrigens ein gesundes Mißtrauen der OCG gegenüber denjenigen, die heute (hauptsächlich wohl im staatlichen Bereich) große Datenmengen kontrollieren.

Die Diskussion bewegte sich schließlich auch noch um Wert und Unwert des Informatikdiploms. Dies könnte ein Haupteinwand gegen die Schaffung einer neuen ZT-Befugnis sein. Noch dürfte die Informatik zu weit von einer Ingenieurwissenschaft entfernt sein; die Ergebnisse zum Beispiel eines Systementwurfs seien nicht wirklich reproduzier- und überprüfbar. Da das Ergebnis der Umfrage allerdings überwiegend ein Pro ergab, wird sich die OCG nun auf den Amtsweg zu Kammern und den zuständigen Behörden machen.

Informationen ("pro"): Dipl. Ing. Dr. Nagler, Institut für Informationssysteme der TU-Wien, 1040 Argentinierstraße 8/13.