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21.07.1978

Braucht der EDV-Chef eine kaufmännische Ausbildung?

Der EDV-Chef war nie weiter entfernt von der EDV als heute. Die "Hardware" braucht ihn nicht mehr und für Software- oder Betriebssystemprobleme hat er seine Spezialisten. Der "AII-Round-EDV-Chef" ist tot - es lebe der EDV-Manager. Auf die CW-Frage, welche Voraussetzungen man heute für diese verantwortungsvolle Position mitbringen muß, wurde eindeutig kaufmännisches Wissen oder betriebswirtschaftliche Ausbildung in den Vordergrund gestellt. Denn: "Ein reiner Techniker hat heutzutage keine Chance mehr, da eine Vielzahl von betriebswirtschaftlich-organisatorischen und ökonomischen Entscheidungsproblemen an ihn herangetragen wird, der er sich stellen muß", vor allem dann, "wenn der EDV-Bereich ein Profit-Center ist und der EDV-Chef ein beinahe eigenständiges Unternehmen leiten muß". So antworteten uns zwei Ausbildungsspezialisten und zwei EDV-Chefs. hö

Dr. Hans G. Klaus

BIFOA - Betriebswirtschaftliches Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln

Sicherlich wäre manche Fehlentscheidung und manches Verständigungsproblem ausgeblieben, hätte der EDV-Chef immer eine kaufmännische Ausbildung aufweisen können. Damit ist nicht gemeint, daß von ihm unbedingt eine kaufmännische Lehre oder ein abgeschlossenes wirtschafts-wissenschaftliches Studium erwartet werden muß, falls sein Schwergewicht vom Know-how her im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich liegt. Wichtig ist jedoch, daß er solide Grundkenntnisse auf den Gebieten Kostenrechnung, Personalwesen, Organisations- und Unternehmensplanung besitzt und diese von Zeit zu Zeit in Spezialseminaren auffrischt und erweitert. Werden doch eine Vielzahl von betriebswirtschaftlich/organisatorischen und ökonomischen Entscheidungsproblemen an ihn herangetragen, denen er sich stellen muß.

Dies gilt um so eher, als die EDV heute nicht mehr nur als Instrument zur Rationalisierung der verschiedenen betrieblichen Anwendungsbereiche zu sehen ist, sondern selbst im Mittelpunkt von Rationalisierungsmaßnahmen und von ökonomischen Überprüfungen steht.

Ergänzend hierzu werden dem EDV-Chef juristische Kenntnisse abverlangt, um Entscheidungsvorlagen für Kauf-, Miet- oder Wartungsverträge und die höchst aktuellen Probleme des Datenschutzes in ihrer Tragweite beurteilen zu können. Nicht zuletzt wird eine kaufmännische Ausbildung in Form von verfügbarem Wissen (aktiviert durch regelmäßige Fortbildung) die Position des EDV-Chefs in Diskussion mit der Unternehmensleitung und den Fachbereichen über die wirtschaftlichen und gesamtbetrieblichen Konsequenzen von EDV-Maßnahmen stärken.

Klaus Dieter Körber

Leiter der EDV-Abteilung, Butter-Absatz-Zentrale Niedersachsen e.G., Hannover

Kaufmännische Kenntnisse sollte ein Leiter der EDV-Abteilung auf alle Fälle haben, ich gehe aber nicht davon aus, daß er eine fundierte kaufmännische Ausbildung absolviert hat. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, daß er - dem jeweiligen Unternehmen angepaßt - eine praxisbezogene Ausbildung durchmacht. Er muß sich vor allem um die Belange kümmern, die die Fachabteilungen im Unternehmen betreffen und sich hier für die Realisierung von Anwendungen spezialisieren.

Optimal ist, wenn ein EDV-Chef eine abgeschlossene Ausbildung zum Industriekaufmann hat oder - wenn er die EDV-Abteilung einer Bank leitet - Bankkaufmann ist.

Anders bei Fertigungsbetrieben, hier müssen die Schwerpunkte im technischen Bereich liegen. Ein Hochschulstudium ist zwar sehr zu empfehlen, jedoch fehlt dabei die Praxis, die man sich im Anschluß an das Studiumsende erst aneignen muß. Wichtiger ist meiner Ansicht nach die Praxis, also Kenntnisse der Branche, in der sein Unternehmen angesiedelt ist.

Jörg Pommeranz

Hauptabteilungsleiter EDV und Org., Rudolf Oetker, Bielefeld

Der EDV-Chef muß unbedingt eine kaufmännische Ausbildung haben, vor allem aus zwei Gründen: Einmal muß, aus unserer Sicht, eine Abteilung Datenverarbeitung und Organisation als Profit-Center geführt werden, da sie ein reines Dienstleistungsunternehmen für die Fachabteilungen ist. Man muß quasi so handeln, als wäre die EDV-Gruppe ein eigenständiges Unternehmen, in dem man an seine Kunden weiter berechnet und vor allem auch Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und ähnliches durchführt.

Der zweite wichtige Grund für die Erfordernis kaufmännischer Kenntnisse ist, daß ein Leiter des Bereiches Organisation und Datenverarbeitung mit allen Fachbereichen kommunizieren können muß. Es muß ausreichend Know-how vorhanden sein, wenn er sich mit Problemen des Controlling, Marketing, Absatzförderung, der Personalabrechnung und Buchhaltung - bis hin zur Bilanzierung - beschäftigt.

Die Position des EDV- und Org.-Chefs erfordert sehr viel Eigeninitiative: Die Frage der Weiterbildung steht ständig im Vordergrund. Man muß sich nicht nur für Gespräche mit den Fachabteilungen auf dem laufenden halten - das erfordert etwa ein Drittel der gesamten Weiterbildung - sondern versuchen, ständig auf dem neuesten Hard- und Softwarestand zu bleiben.

Junge Leute, die sich heute gezielt dazu entschließen, später einmal eine solche Position einnehmen zu wollen, sollten meiner Meinung nach unbedingt eine betriebswirtschaftliche Ausbildung durchmachen. Auf dieses Grundwissen sollten sie dann aufbauen.

Betrachtet man heute die von Hochschulen ausgebildeten Informatiker, stellt man immer wieder fest, daß bei dieser Ausbildung viel zu großen Wert auf die reine Technik gelegt wird und die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu kurz kommen. Ich würde den umgekehrten Weg für besser finden: Zuerst betriebswirtschaftliche Kenntnisse und dann - eventuell durch Lehrgänge - Informatik.

Die Informatiker, wie sie heute ihr Studium beenden, sind meines Erachtens am Markt vorbei geschult. Diese Leute eignen sich fast ausschließlich für die Systemprogrammierung oder dafür, beim Hersteller zu arbeiten und Systeme zu entwickeln. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwarten wir bereits beim Anwendungsprogrammierer - wenn sie in der kommerziellen Datenverarbeitung weiterkommen wollen.

Es gibt auch heute kein Berufsbild "EDV-Leiter", Alle Kollegen, die ich kenne, haben sich diese Position durch viel Eigeninitiative und Selbstdisziplin erworben und sich die bereits genannten drei Drittel Wissen selbst angeeignet.

Von Vorteil für die Kenntnisse eines EDV-Chefs ist auch, wenn er selbst einmal zwei bis drei Jahre lang programmiert hat, um die später auf ihn zukommenden Software-Fragen besser verstehen zu können.

Hartwig Louis

Management Institut Hohenstein GmbH, Dilsberg-Neuhof

Der EDV-Chef sollte die gleiche Sprache sprechen wie die oberen Führungskräfte im Unternehmen. Er unterstützt sie bei der Planung, der Kontrolle, der Budgetierung; vor allem aber bei der Auswertung des Berichtswesens.

Für dieses Berichtswesen ist er zuständig. Er kann mit der Geschäftsleitung nur dann sinnvoll kommunizieren und sie über das betriebliche Gesamtgeschehen informieren, wenn er selber aufgrund seiner Ausbildung einen verständnisvollen Überblick über die betrieblichen Vorgänge besitzt und Arbeitsabläufe, hierarchische und funktionale Beziehungen, Kalkulationen und Kostenrechnungen, kurz, alle innerbetrieblichen Geschehnisse und Zusammenhänge in ihrer Bedeutung verstehen und bewerten kann.

Das alles setzt fundierte kaufmännische Kenntnisse voraus, erworben entweder durch ein Studium oder durch eine Ausbildung zum Industrie- oder Bürokaufmann. Letztere dürfte wahrscheinlich bei kleineren und mittelständischen Firmen genügen, sofern diese nicht von der Zusammenarbeit mit Rechenzentren intensiv Gebrauch machen. Es ist fast unvorstellbar, daß ein reiner Pragmatiker die vielfältigen Probleme bewältigen kann die heutzutage auf einen EDV-Chef zukommen.

Es sollte jedoch nicht übersehen werden, daß neben den kaufmännischen Kenntnissen die Fähigkeiten der Menschenführung, um nur ein Beispiel zu nennen, von wachsender Bedeutung sind, um eine EDV-Abteilung erfolgreich zu führen. Auf der anderen Seite sollten sich jedoch auch die anderen Führungskräfte im Unternehmen um gewisse Grundkenntnisse bemühen damit sie verstehen, was für die EDV machbar ist. Für beide Partner gibt es sicherlich noch viel zu tun.