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09.05.1975 - 

Mit dem neugewählten IG-EDV-Vorsitzenden Klaus G. Nimbs sprach CW-Redakteurin Gaby Raimondi

Braucht die Branche eine Pressure Group?

- Warum eigentlich eine Interessengemeinschaft EDV?

Den Hauptgrund für die Gründung einer Interessengemeinschaft sehe ich darin, daß im Bereich Service und Anwendung die wenigsten unserer Kollegen bisher einer Gewerkschaft angehören.

- Glauben Sie, daß diese nichtorganisierten Kollegen jetzt auf einmal mit fliegenden Fahnen zur IG-EDV eilen werden?

Natürlich nicht mit fliegenden Fahnen, denn die Vorurteile gegenüber den bestehenden Gewerkschaften sind nicht zu übersehen. Diese Arbeitnehmer haben bisher eine wirkliche Interessenvertretung vermißt.

- Was die IG Metall beziehungsweise der DGB strikt bestreiten.

Die Anzahl der Mitglieder, die diese Gewerkschaften aus dem EDV-Bereich haben, ist recht unbedeutend.

- Die IG Metall wirft Ihnen vor, als IG Metall-Mitglied ein enttäuschter Abtrünniger zu sein und wider besseres Wissen Ihre Mitglieder irrezuführen, weil es nach Meinung der IG Metall nichts bringt, wenn "Zwerge",- sprich eine Splitterorganisation wie die neugegründete IG-EDV - in Arbeitnehmer-Politik machen.

Enttäuscht ist richtig. Ich konnte seit meinem Beitritt zur IG-Metall vor etwa drei Jahren von einer Interessenvertretung nicht viel verspüren. Daraus ergibt sich für mich jedoch nicht sofort die Konsequenz, daß die IG Metall keine Interessenvertretung für Arbeitnehmer darstellt. Ich bin allerdings der Meinung, daß eine wirkungsvolle Vertretung nur dann stattfinden kann, wenn diese von den betroffenen Arbeitnehmern selbst getragen wird.

- Welche Betroffenen?

Das sind bei Herstellern und Anwendern Systemberater, Programmierer, Techniker, Operatoren, die zwar einer Gewerkschaft angehören sollten, zum Beispiel Handel und Banken. IG Metall oder IG Druck und Papier, die aber in diesen Gewerkschaften keine Vertretung ihrer Interessen zu finden glauben.

- Wer sind eigentlich die Initiatoren, wer die Geldgeber der neugegründeten IG-EDV?

Die Initiatoren sind in der Hauptsache Betriebsratsmitglieder aus den Herstellerfirmen, zum Beispiel von Univac, Control-Data, MDS, Nixdorf und andere. Von Geldgebern kann keine Rede sein. Bisher haben wir alles aus eigener Tasche finanzieren müssen.

- Hoffen Sie, in Zukunft Geldgeber zu finden?

Wir hoffen, unsere Ausgaben, wie es in der Satzung vorgesehen ist, aus unseren Mitgliedsbeiträgen finanzieren zu können.

- Diese Mitgliedsbeiträge betragen aber bisher nur DM 10, - monatlich. Das ergibt bei gegenwärtig 81 Mitgliedern genau DM 810, - pro Monat; keine umwerfende Summe.

DM 10, - monatlich bedeutet pro Mitglied DM 120, - im Jahr. Wenn Sie davon sprechen, daß wir erst 81 Mitglieder sind, dann müssen Sie dabei bemerken, daß wir heute erst gegründet haben und kann betrachte ich das schon als eine ganz beachtliche Zahl.

- Warum haben Sie sich nicht bisher in der IG Metall beziehungsweise im DGB-Arbeitskreis Datenverarbeitung für die von Ihnen postulierten Ziele eingesetzt?

Das habe ich getan, der Grund für meinen Beitritt in die IG Metall war der, daß ich mich für diese Aufgaben einsetzen wollte. Leider konnte ich in dieser Zeit meiner Mitgliedschaft in der IG Metall nichts davon erfahren, daß es diesen Arbeitskreis gibt. Ich habe jeden Monat meinen satzungsgemäßen Beitrag bezahlt und am Ende des Jahres eine Quittung bekommen. Das war alles, was ich von der IG Metall an Informationen in dieser Zeit erfahren habe.

- Die IG Metall, beziehungsweise ihr Dachverband, der DGB, sind der Meinung, daß die IGEDV als elitäre Standesorganisation nicht tariffähig werden kann, weil sie zum einen keine repräsentative Mitgliederzahl als Legitimation vorweisen kann und zum anderen, weil ihr die wirtschaftliche Grundlage fehlt, um eine streikfähige Kampforganisation zur Durchsetzung ihrer Forderungen zu sein.

Was die Tariffähigkeit unserer Interessengemeinschaft betrifft, so möchte ich diese Frage der Zukunft überlassen.

- Warum warten? Es war doch klar in der heutigen Diskussion zu bemerken, daß dieser Punkt eine sehr wichtige Rolle für die zukünftige Mitgliedschaft weiterer Datenverarbeiter spielt ?

Tariffähig sind wir natürlich erst in dem Augenblick, wo wir die entsprechende Mitgliederzahl haben. Man wird einer Interessengemeinschaft nicht vorwerfen können, daß sie nicht tariffähig ist, wenn sie sich im Gründungsstadium befindet. Ob die IG-EDV eine elitäre Standesorganisation wird, liegt wohl wahrscheinlich auch an dem Verhältnis, das sie zu den übrigen ArbeitnehmerOrganisationen schaffen wird.

- Wollen Sie denn eine Kampforganisation werden? Wenn ja, wie steht es mit der finanziellen Unterstützung Ihrer Mitglieder?

Wie wir aus anderen Modellen wissen, gibt es Arbeitnehmergruppen, die durchaus in der Lage sind, sich für Eventualitäten zu versichern. Die IG-EDV hat nicht vor, Streikgelder zu einem Vermögen anzuhäufen, um es dann in einem eventuellen Notfall austeilen zu müssen. Wir sind eher der Meinung, daß wir nach dem Vorbild einer Versicherung für unsere Mitglieder später eine Streikversicherung aufbauen könnten.

- Der DGB macht Ihnen zum Vorwurf, daß die Zielsetzungen der IG-EDV im wesentlichen denen der Gewerkschaft nachempfunden sind?

Natürlich, denn wir leben nicht in einer eigenen Welt, und wir wollen das Rad nicht neu erfinden. Wir wollen nur, daß für unsere Arbeitnehmer die gleichen Möglichkeiten bestehen, wie für andere Gruppen, die von den bestehenden Gewerkschaften entsprechend vertreten werden.

- Sie reiten immer wieder auf dem Vorwurf herum, daß die IG Metall die Interessen der EDV Beschäftigten nicht vertreten hat. Bringen Sie doch einmal einige sachliche Beispiele dafür.

In Hessen haben wir von der IG Metall Tarifverträge, die bei ca. DM 2500, - aufhören. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer von denen ich spreche und die nicht organisiert sind, haben jedoch ein Gehalt, das mit diesen Tarifverträgen nicht mehr abgedeckt wird. Die Konsequenz ist die, daß sie jährlich einen Einzelkampf ausfechten müssen, um eine Gehaltserhöhung herauszuholen, die ihren Lebensstandard erhalten kann.

- Mit anderen Worten, Sie treten nur für die höher verdienenden EDV-Fachkräfte ein.

Das ist nicht richtig. Denn wenn ich hier davon spreche, daß die bestehenden Tarifverträge bei einer gewissen Grenze aufhören, bedeutet das nicht, daß wir nur die Gehälter abdecken wollen, die darüber liegen. Im Gegenteil. Aber dieses Prinzip, in unseren Unternehmen keine Tarifverträge zu verwenden, führt mit sich, daß auch Arbeitnehmer, die eventuell noch im Tarifvertrag stehen könnten, als außertarifliche Angestellte eingestellt werden, um von der Unternehmerseite her eine einheitliche Gehaltsstruktur zu erhalten.

- Die IG Metall behauptet, daß der Gesetzgeber bisher ihre Bemühungen auf Festlegung von EDV-Berufsbildern unterwandert hat. Was die Abschaffung der nächtlichen Test- und Wartungszeiten betrifft, so vertritt die IG Metall die Meinung, daß die Arbeitgeber in diesem Punkt nicht voll nachgeben werden. Woher nehmen Sie eigentlich den Optimismus, daß es ausgerechnet der IG-EDV gelingen wird, diese Hürden erfolgreich zu überwinden?

Einfach aus der Kenntnis der Materie. Wir sprechen im übrigen nicht von der Abschaffung der nächtlichen Test- und Wartungszeiten, sondern vom Abbau dieser ungünstigen Arbeitszeitverlagerung. Wenn man untersucht, warum diese Test- und Wartungszeiten nächtlich stattfinden, stellt man fest, daß es hierbei um eine Ausnutzung wirtschaftlicher Möglichkeiten geht, von denen bis heute nur die Arbeitgeberseite profitiert.

- Das behaupten ja auch die IG Metall und der DGB. Da wären Sie sich ja einig?

Natürlich sind wir uns in diesen Dingen einig, und ich versuche ja zu erklären, daß es nicht darum geht, sich auf Vorwürfe gegen die Gewerkschaften zu konzentrieren, sondern um die Notwendigkeit einer IG-EDV, die nur im Rahmen einer Gesamtarbeitnehmer-Bewegung zu sehen ist.

- Wenn Sie sich laut Satzung die Tür für einen späteren Beitritt zum DGB offen lassen wollen, warum eigentlich vorher diese separatistischen Bestrebungen? Damit hat doch der DGB recht, wenn er behauptet, daß Zersplitterungen die Position gegenüber den Arbeitgebern nur schwächen könne?

Natürlich würden wir die Arbeitnehmer-Bewegung schwächen, wenn wir versuchen würden, separatistische Bewegungen zu unterstützen. Wenn wir nach unserer Satzung den Beitritt zu den bestehenden Gewerkschaften vorgesehen haben, dann doch nur deswegen, weil wir dieses Problem erkannt haben. Als IG-EDV werden wir aber in der Lage sein, auch die Arbeitnehmer als Mitglieder zu gewinnen, die heute noch außerhalb der Arbeitnehmer-Bewegungen stehen.

Klaus G. Nimbs (35)

fing 1966 als Wartungstechniker bei Sperry Univac an, wurde später Hardware-Instruktor im Technischen Außendienst. Beim Control Data Institut in Frankfurt diente er als Hardware-Software-Instruktor. Danach wechselte er zu MDS, wo er zuletzt Bereichsleiter Mitte für Systemberatung war.

1974 kehrte er als Software-Spezialist (Großrechner) zu Sperry Univac zurück, ließ sich erstmals bei Betriebsratswahlen aufstellen und ist seitdem freigestellter BR-Vorsitzender.

Nimbs gehört seit 1970 der SPD und der IG Metall an.