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Interview: Steve Mills, IBMs Software-Manager, im Gespräch mit der "Computerworld"


14.07.2000 - 

"Braucht die Welt noch eine Programmiersprache?"

IBM unterstützt sowohl Microsofts Entwicklungsprodukte als auch die Java-Welt. Mit der Ankündigung von Microsofts neuer Internet-Strategie ist das Verhältnis zum weltweit größten Softwarehaus schwieriger geworden. Die CW-Schwester "Computerworld" befragte IBMs General Manager für den Softwaresektor, Steve Mills.

CW: IBM unterstützt Microsoft-Produkte wie Windows 2000. Werden Sie es mit dem Java-Konkurrenzprodukt C# genauso halten?

MILLS: Wir werden im Windows-Umfeld gewiss damit zu tun haben - genauso wie mit anderen Softwareprodukten, die Microsoft auf Basis seiner Betriebssysteme anbietet. Nehmen Sie die Entwicklungs-Tools: Wir benutzen sie, um Anwendungen gegen unsere Middleware, vor allem Websphere, zu schreiben.

CW: Was halten Sie von Microsofts kürzlich angekündigtem Internet-Gesamtkonzept Microsoft.Net?

MILLS: Microsoft ändert seine Architektur nicht grundsätzlich. Aber die Company legt jetzt einen Schwerpunkt darauf, ihre eigene Produktumgebung besser in die heterogene Web-Welt einzubinden. Letztendlich wird Microsoft seine Produktlandschaft auch anpassen müssen, wenn es auf die Paradigmen des Marktes Einfluss nehmen will.

CW: Microsoft.Net scheint eine Middleware zu sein, die vor allem die eigenen Produkte enger zusammenbindet. Könnte das den Zorn des amerikanischen Justizministeriums verstärken?

MILLS: Microsofts Systeme sind bereits eng miteinander verflochten, vergleicht man sie etwa mit den offenen, modularen Ansätzen, die Anbieter aus dem Unix-Umfeld verfolgen. Microsoft.Net bedeutet insofern eine Fortsetzung des bisherigen Ansatzes, eine geschlossene Systeminfrastruktur anzubieten und Entwickler mit Hilfe entsprechender Tools dazu zu bringen, in dieser Umgebung zu arbeiten. Natürlich könnte Microsoft dem Markt ebenso gut eine Kollektion von Einzelteilen anbieten und diese je nach Bedarf zu Menüs zusammenstellen.

Microsoft verfolgt künftig wie bisher den Ansatz, eine homogene Systemwelt zu offerieren, die möglicherweise deshalb Anklang findet, weil sie als besser integriert wahrgenommen wird und scheinbar eine einfachere Entwicklung ermöglicht. Aber dieses Vorgehen impliziert andere Probleme, die sämtlich auf die gigantische Menge des zugrunde liegenden Codes zurückzuführen sind. Für Microsoft wird es wegen der Verquickung seiner Produkte und der vielfältigen Interdependenzen immer schwieriger, neue Dinge auf den Markt zu bringen. Außerdem geht dieses Vorgehen auf Kosten der Performance.

CW: Sind Sie überrascht, dass sich Microsoft nicht für Java entschieden hat, um größtmögliche Interoperabilität zu erreichen?

MILLS: Meiner Meinung nach war das ein Fehler. Bei Microsoft ist Windows das System, über das der Markt gebunden und kontrolliert wird. Java gilt als Konkurrent. C# mag ein gutes Stück Arbeit sein, die entscheidende Frage lautet aber: Braucht die Welt noch eine weitere Programmiersprache? Und ebenso: Ist eine andere Interoperabilitätssprache vonnöten?

Java ist sehr gut in den Markt eingeführt. XML hat sich als ideal für das Mapping herausgestellt, obwohl es sich nicht wirklich um eine Programmiersprache handelt. XML ist aber ein brauchbarer Mechanismus, um Interoperabilität herzustellen. Die Frage ist also: Warum etwas anderes anbieten? Ich glaube, die Antwort lautet: Weil Microsoft sich grundsätzlich gegen die Verwendung von Java entschieden hat.

CW: Wir haben uns mit einer Reihe von Entwicklern unterhalten, die sich über die Aussicht ärgern, eine weitere Programmierumgebung beherrschen zu müssen.

MILLS: Ich kann mir vorstellen, dass der Windows-orientierte Entwickler C# nützlich finden wird, weil C und C++ relativ komplex sind. Für Entwickler aus der Visual-Basic-Welt ist es schließlich nicht einfach, in eine reine C- oder C++-Umgebung zu wechseln. Sie werden aber auch künftig nicht darum herumkommen, wenn sie den Übergang in eine offene Server-basierte IT mit skalierbaren Anwendungen schaffen wollen.

CW: Mit welchen Herausforderungen wird die neue Sprache C# konfrontiert werden?

MILLS: C# bezweckt die Verbesserung der Produktivität von Entwicklern, die in C-Umgebungen arbeiten. Es gibt sicher einige positive Eigenschaften - aber für jeden, der in Multiplattform-Kategorien denkt, führt kein Weg an Java vorbei. Java läuft auf NT und anderen Plattformen. Warum also sollte man C# verwenden?