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Gastkommentar/


03.05.1996 - 

Breitband-Internet: Alte Probleme trotz spannender Perspektiven

Klemens Gaida, Consultant bei Eutelis Consult GmbH, Ratingen

Die Wanderung von Online-Diensten ins Internet, die enttaeuschenden Ergebnisse der weltweiten Pilotversuche mit Interactive TV (ITV) hinsichtlich technischer Machbarkeit und vor allem Nutzerakzeptanz sowie die hohen Kosten bei Betieb und Wartung von Client-Server- Systemen und -Software haben zur Herausbildung diverser Produkte, Angebote und Ideen gefuehrt, die einen gemeinsamen Nenner haben: Sie waeren auf eine breitbandigere Internet-Technologie angewiesen, als sie heute zur Verfuegung steht.

Unternehmensweite Netzwerke in World-Wide-Web-(WWW-)Technologie, sogenannte Intranets, versprechen eine Reihe von Vorteilen. Sie funktionieren aber nur dann, wenn ausreichende Uebertragungskapazitaeten zur Verfuegung stehen. Bei der Koppelung von LANs treten bereits Flaschenhaelse auf, und in oeffentlichen Netzen sind die Kapazitaeten voellig unzureichend.

Die fuer den unternehmensinternen Einsatz konzipierten Intranet- Technologien werden auch fuer oeffentliche Netze interessant. Ein Beispiel dafuer ist das interaktive Fernsehen. Neben den ITV- Diensten sollen Internet- und auch Telefonservices durch die Verbindung von wahlweise PC oder TV-Geraet mit Kabel oder ADSL- Modem (ADSL = Asymmetrical Digital Subscriper Loop) und deren Anschluss an breitbandige Internet-Protocol-(IP-)Netze realisiert werden. Hier sollen also mit Intranet-Equipment Multimedia-Dienste oeffentlich angeboten und genutzt werden.

Mit der Verbindung von WWW- und Java-Technologie wird der Einsatz von Netzwerk-Computern moeglich, wie sie seit einigen Monaten in der Diskussion sind und nun auch als Oracle-Prototypen existieren. Sie beziehen die Anwendungsprogramme und Dateien vom Zentralrechner, und zwar nur dann, wenn sie der Nutzer auch tatsaechlich benoetigt. Network-Computing ist vor allem in Breitbandnetzen und somit bei kurzen Transferzeiten interessant. Es besteht also auch von dieser Seite Bedarf an hohen Uebertragungsraten.

Internet und Intranets bilden auch die technische Basis fuer verschiedene neue Audio-Video-Produktentwicklungen zum On-demand- und Live-Fernsehen. Im Internet fuehren die niedrigen Uebertragungsraten bisher zu erheblichen Maengeln, insbesondere was Bildaufloesung und Farbtiefe betrifft. In Intranets koennen Audio- und Tonstroeme hingegen bereits in Stereo- beziehungsweise Videoqualitaet uebertragen werden, wohlgemerkt auf IP-Basis. Bandbreite bringt also auch hier Qualitaet.

Letztendlich erhebt sich wieder einmal die alte Frage: Wie lassen sich die benoetigten Uebertragungsbandbreiten fuer Multimedia-Dienste und Network-Computing auf IP-Netzen im Endanschluss- und Backbone- Bereich einrichten? In Kabelnetzen erreicht man mit der kostenguenstigen Auf- und Verteilung von Datenstroemen an alle Teilnehmer, wobei jeweils ein Teilnehmer nur einen Datenstrom kontrolliert und zu seinem Endgeraet durchschaltet, alles in allem keine Breitband-, sondern Mittelbanduebertragungsraten. Die vollstaendige Umruestung der Kabelnetze in virtuelle Vermittlungsnetze mit geschalteten Datenstroemen ist jedoch teurer als der Einsatz der ADSL-Technik in Telefonnetzen, die jedem Teilnehmer hohe Bandbreiten zur Verfuegung stellt. Werden die Komprimierungsverfahren schnell genug entwickelt, koennten die Mittelbandleistungen der pragmatischen Kabelverteiltechnik auch im Regelbetrieb fuer Internet-Dienste ausreichen. Andernfalls ist man wieder auf dem Diskussionsstand wie zu Beginn der ITV- Pilotversuche: Glasfaser-Ko- axialkabel-Hybrid- oder ADSL- Anschlussnetze?

Und dann ist da noch die Frage der Finanzierung, die anscheinend immer erst am Ende einer Euphoriewelle gestellt wird. Wer bezahlt das alles? Ob pragmatische oder technologisch avancierte Infrastrukturaufruestung, woher kommen die Gelder? Das Internet, seine Dienste und Anwendungen haben den Durchbruch allenfalls im nichtkommerziellen Bereich geschafft, das Online-Marketing konnte seine eigene Notwendigkeit noch nicht beweisen. Der Nutzer zahlt nichts, bekommt er doch bisher fast alles gratis, die Werbung im Netz erreicht nicht das gewuenschte grosse Publikum. Oder lassen sich die Nutzer doch in Massen bekehren, die Werbegelder steigern und alles zum "Guten" wenden?

Beim Breitband-Internet erscheinen also die alten Multimedia- Probleme noch einmal, was technische Realisierbarkeit, Finanzierbarkeit und Nutzerakzeptanz beziehungsweise Kommerzialisierung betrifft. Diese Schwierigkeiten wurden bereits vor drei Jahren anlaesslich der ersten Pilotversuche mit interaktivem Fernsehen diskutiert. Man darf gespannt sein, ob auf diese Fragen aus der Internet-Euphorie heraus hilfreiche Antworten gefunden werden oder ob 1997 das naechste Schlagwort fuer die alten Sachverhalte Mode wird.