Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.12.1992 - 

Internationale Standardisierung kommt allmählich voran

Breitbandnetze befinden sich noch im Entwicklungsstadium

Claus Cornehl, Stefan Scholl und Professor Dietrich Seibt arbeiten am Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation (Bifoa) an der Universität Köln.

Efektive multimediale Unternehmenskommunikation ist auf Breitbandnetze angewiesen. Claus Cornehl, Stefan Scholl und Dietrich Seibt geben eine Übersicht über den Stand der Entwicklungen und zeigen, daß aus Anwendersicht noch viele Wünsche offen sind.

Durch die Fortschritte in der Computer- und Kommunikationstechnologie entstehen neue Produkte und

Anwendungspotentiale in kurzer Folge. Mit dem europäischen Binnenmarkt und der zunehmenden Internationalisierung von Unternehmen ergibt sich ein Trend zur stärkeren Dezentralisierung bei gleichzeitiger Erhöhung des Bedarfs an Kommunikation und an Unterstützung der Arbeit in kooperierenden Gruppen und Unternehmen. Immer mehr Menschen an verteilten Standorten müssen sich abstimmen und zusammenarbeiten.

Neue Formen des Arbeitens im Team

Der Schlüsselbegriff in diesem Zusammenhang ist Computer

Supported Cooperative Work (CSCW). Dabei geht es nicht nur um erheblich verbreiterte Kommunikationsflüsse, sondern auch um neue Formen des zeitgleichen (synchronen) und zeitversetzten (asynchronen) Arbeitens im Team. Allerdings hat CSCW heute noch seine Grenzen. Technische Teillösungen zur Unterstützung der multimedialen, über Breitbandnetze realisierten Kommunikation sind bereits verfügbar. Aber es gibt noch viele Probleme und Engpässe:

- Videokonferenzen werden zwar schon seit längerem erfolgreich eingesetzt. Sie sind aber meist in speziell dafür eingerichteten Studios untergebracht und lassen sich nicht vom Arbeitsplatz aus benutzen, obwohl das Arbeiten im Team einen hohen Bedarf an Desktop Conferencing generiert.

- Zwar sind Workstations und auch PCs als integrierte Multimedia-Stationen mit ausgereifter Technik nutzbar. Jedoch ist der größte Teil der verfügbaren Software nur auf den einzeln arbeitenden Benutzer ausgerichtet. Allenfalls stehen im LAN-Bereich einzelne Netzwerksoftware-Produkte zur Verfügung, die das kooperative Arbeiten unterstützen, aber größtenteils nur asynchrone Kommunikation ermöglichen.

- Wird CSCW als Multiuser-Szenario für das synchrone Arbeiten verstanden, so besteht ein großer Bedarf an Lösungen, die auch Kontrollmechanismen für das gemeinsamen Sehen (Joint-viewing) und das gemeinsame Verändern von Objekten auf dem Bildschirm (Joint-editing) sowie für das Multi-point-conferencing beinhalten. Solcherlei Hard- und Software existiert zur Zeit lediglich als Prototyp oder im Labor.

- Es besteht eine riesige Vielfalt an Vernetzungsmöglichkeiten. Jedoch werden für CSCW - insbesondere für Multi-point-conferencing - schnelle und leistungsfähige Netze benötigt. Die heute schon mögliche Lösung des Problems sind Breitband-Netze. Nur erweisen sich Breitbandlösungen wie B-ISDN-VBN (Vermittelndes Breitbandnetz) und ATM (Asynchron Transfer Mode) mit Übertragungsraten über 2Mbit/s als technisch aufwendig und mit hohen Anschlußkosten und Nutzungsgebühren verbunden.

Mehrpunkt-Verbindungen sind außerdem nur in speziellen Anwendungssituationen erforderlich. Kritiker fragen daher, ob sich der hohe Aufwand und die Kosten für diese hohe Übertragungs-Bandbreite lohnen oder ob nicht auch das schmalbandige ISDN mit 64 KBit/s, bei dem sich bis zu 30 Kanäle im Primärmultiplex-Verfahren parallel schalten lassen, ausreicht oder sogar das Bildtelefon. Grundsätzlich wird dennoch eine ausreichend flexible Infrastruktur und ein anpassungsfähiges Netzwerk-Management benötigt. In Deutschland und Europa existiert bisher kein flächendeckendes Breitbandnetz. Das VBN mit bis zu 140 Mbit/s Übertragungsrate ist noch zu teuer.

- Forschung und Industrie in Europa arbeiten in großen Kooperationsprojekten, zum Beispiel im Race-Programm der EG, an den Standardisierungen von Konferenzprotokollen (CCITT T.12x-Serie) und der Kompression von Video (CCITT H.261) und Audio (CCITT G.722). Gerade bei der Übertragung von Bewegtbildern mit synchroner Sprachübermittlung ist die Datenkomprimierung mit Hilfe von Codecs (Codierung und Decodierung) der entscheidende Faktor.

Hier gibt es neue Ansätze der Normierung. Für Digitalvideo werden gegenwärtig JPEG- und MPEG-Algorithmen erarbeitet und erprobt. Die Anwendung der JPEG-Norm ist im Standbildbereich und für die Bewegtbildaufzeichnung zu sehen. Bei der im Entwicklungsstadium der Normierung befindlichen MPEG-Norm wird unterschieden zwischen MPEG-1 (1,2-1,5 Mbit/s Übertragungsrate) und MPEG-2 (7-8 Mbit/s Übertragungsrate, Studioqualität), die auch für den Audiobereich geeignet sind. Dabei ist eine wesentliche Verbesserung der Qualität zu erwarten. Die Bildgüte des MPEG-1-Standards liegt zwischen VHS und S-VHS, wobei das Klangniveau nahezu

an die Audio-CD heranreicht. Die Standardisierungsbemühungen laufen, weltweite Kompatibilität wird aber nicht so einfach zu erreichen sein.

- Ein wesentliches Problem aus Sicht zukünftiger Benutzer von breitbandgestützten Multimedia-Systemen sind die zu erwartenden Eingriffe in gewohnte Arbeitsabläufe rund, Arbeitsmethoden. Es besteht die Gefahr, daß die neuen Systeme nicht ohne weiteres akzeptiert werden. Nötig sind daher systematische Implementierungs- und Einführungsleitfäden, die die Erfahrungen aus den Pilotprojekten verarbeiten.

Ähnliches gilt auch für Analysen der Wirtschaftlichkeit. Anschaffungspreise, schnellere Abstimmung von Entscheidungen und Terminen, einfacherer Zugriff auf Unterlagen und Spezialistenwissen, Verbesserung der Arbeitsergebnisse sowie der Wegfall von Reisezeiten, -kosten und -risiken sind wichtige Kriterien für die User. Systematiken, die die Produktauswahl erleichtern sollen, werden nur dann Praxisrelevanz erreichen, wenn sie die Ergebnisse von Pilotprojekten und Testläufen aus Anwenderunternehmen verwerten.

Alles in allem gibt es für Teilprobleme des CSCW zwar schon Lösungsmöglichkeiten. Die verfügbaren Komponenten führen aber nur zu Insellösungen beziehungsweise zu prototypischen Stand-alone-Konfigurationen. Für die Multimedia-Unternehmenskommunikation - insbesondere auf Breitbandbasis - ist die stabile Integration der drei Grundfunktionalitäten Video Conferencing, Group Working und Datenaustausch in einem System unverzichtbar. Insbesondere für das audiovisuelle Konferieren mit mehreren Partnern bei gleichzeitiger Verfügbarkeit aller heute gewohnten PC-gestützten Utilities und Werkzeuge fehlen praktikable Anwendungen noch weitgehend. Für zukünftige User solcher Systeme ist schon heute der Zeitpunkt gekommen, sich mit den aufgeworfenen Fragen beziehungsweise den schon verfügbaren Teillösungen zu beschäftigen. Schon im nächsten Jahr rechnen Fachleute mit erheblich günstigeren Ausgangsbedingungen für breitbandgestützte betriebliche Multimedia-Systeme.

Coolegem, K.; Anstötz, K.:Multipoint Communication and Group Working for Business Applications, Goals and initial results of the MIMIS project (RACE II Program) (zur Veröffentlichung angenommen 1992).

Die skizzierten Probleme und Entwicklungsziele werden in mehreren großen kooperativen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in Europa beziehungsweise in Deutschland von renommierten europäischen und deutschen Computerherstellern, Softwareproduzenten und Forschungsinstituten verfolgt.

Einige dieser Projekte sollen in kommenden COMPUTERWOCHE-Ausgaben detaillierter vorgestellt werden. Große Bedeutung kommt dabei insbesondere dem Programm Race II der Europäischen Gemeinschaft zu. Bifoa selbst ist an zwei Race-Projekten beteiligt.