Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

18.10.1996 - 

Analyst irritiert DEC-Kunden

Bringt Digital seine letzten VAX-Systeme auf den Markt?

DEC hat die Einstiegs-, Desktop- sowie Industriegehäuse- (Rack-)Modellreihen der Open-VMS-VAX-Rechner um drei Maschinen erweitert. Diese bieten größere Arbeits- sowie Massenspeicher und beanspruchen dabei weniger Stellfläche.

Die Modelle "88" und "98" der Micro-VAX-3100-Linie sowie das VAX-Modell "400" sind weltweit ab Mitte November beziehungsweise Ende Dezember 1996 erhältlich. Sie ersetzen die Modelle "85", "96" und "VAX4106A".

Sonderlich spektakulär wären all diese Meldungen nicht, würden nicht Äußerungen des US-amerikanischen Analysten Terry Shannon, Herausgeber des Newsletters "Shannon Knows DEC", für gewisse Irritationen sorgen: "Ich denke, diese Ankündigung ist der letzte Anlauf, den DEC mit der VAX-Architektur macht." Angesichts der Tatsache, daß bereits ein ganz wesentlicher Teil der VAX-Kundenbasis auf andere Plattformen gewechselt sei, dürfte das Ende der legendären Midrange-Rechnerfamilie allerdings keine allzu großen "Ängste" hervorrufen, meinte Shannon weiter.

Jim Barbagallo, in DECs US-Zentrale weltweit verantwortlicher Pressesprecher für die Systems Business Unit (SBU), dementierte gegenüber der COMPUTERWOCHE Shannons Aussage: "Dies ist die Meinung eines Analysten. Sie gibt nicht Digitals Standpunkt wieder sie ist nicht richtig."

Barbagallo sagte, man werde den VAX-Systemen über das Jahr 2000 hinaus "Leistungssteigerungen" ermöglichen. Allerdings machte er keine Aussagen dazu, welcher Art diese Fortschritte seien. Er betonte lediglich: "Dies sind nicht die letzten VAX-Systeme. Wir haben keineswegs das Ende der VAX-Architektur angekündigt."

Der Unternehmenssprecher bestätigte zwar - was nicht überraschen kann -, DEC erwarte "strategisches Wachstum" künftig von den Alpha-Maschinen. Dennoch verfüge man immer noch über einen sehr großen VAX-Kundenstamm. Nach wie vor seien weltweit rund 400000 der Klassiker im Einsatz. Analyst Shannon errechnet demgegenüber, daß sich nur noch 250000 VAXen in Betrieb befinden.

Im Vergleich hierzu hat DEC nach den Worten von Barbagallo von den vor über drei Jahren eingeführten RISC-basierten Alpha-Systemen bisher etwa 200 000 Stück ausgeliefert.

James Garden, Analyst der Technology Business Research Inc., geht davon aus, daß DEC heute nur mehr fünf Prozent seines gesamten Konzernumsatzes mit der - wie ein Mitglied der Decus-Benutzergruppe es ausdrückte - "veralteten Technologie" erwirtschaftet. Barbagallo stimmte dieser Angabe im wesentlichen zu: "Das kommt der Realität sehr nahe."

Eine weitere Aussage, die aus unternehmensnahen Quellen in Deutschland stammt, wollte der US-Amerikaner nicht direkt bestätigen. Danach erzielt das Unternehmen mittlerweile gut 50 Prozent seiner Einkünfte aus dem Angebot von Dienstleistungen. Man breche die Umsatzergebnisse nicht auf die einzelnen Geschäftsdivisionen herunter, sagte Barbagallo. Richtig sei nichtsdestotrotz, daß die Servicemannschaften einen "sehr, sehr wesentlichen Beitrag zum Gesamtergebnis" beisteuerten.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen ist die Frage trotzdem berechtigt, wie lange es sich DEC noch leisten kann, zwei Hardware-Architekturen zu fahren, von denen eine als nicht mehr zeitgemäß gilt.

Insbesondere auf den zukunftsträchtigen Märkten der Mehrprozessor-Systeme für kommerzielle Anwendungen hat DEC mit einem deutlichen Bekenntnis zugunsten seiner Alpha-Maschinen auf Basis von Windows NT die Weichen gestellt.

Auch DEC-Anwender sehen ihre Zukunft, wenn überhaupt beim selben Hersteller, dann in der Alpha-Welt. Doch der technisch-wissenschaftliche Bereich ist längst keine Domäne von Digital mehr. Eine Reihe von Anbietern aus dem Unix-RISC-Lager bedienen diese Klientel sehr erfolgreich. Auch die Intel-Fraktion zielt mit leistungsstarken PC-Servern zunehmend auf diesen Markt.

Bei kommerziellen Aufgaben - typischerweise etwa dem Einsatz der SAP-Standardsoftware R/3 - haben sich zum anderen ohnehin bereits die Großen der DV-Szene breitgemacht, die sich selbst mit Intel-NT-Maschinen und Unix-basierten Servern Konkurrenz machen. Zu nennen wären hier beispielsweise HP, IBM, NCR, SNI, Data General, Bull, Sequent und Intergraph. Digital bietet im SAP-R/3-Umfeld mit Alpha-Servern und "Prioris"-Maschinen unter NT gleich zwei Alternativen an.

Für die VAXen sieht es angesichts der starken Konkurrenz nicht gut aus. DV-Manager müssen sich zudem fragen, ob die von Analysten immer wieder angeführten ständig steigenden Kosten für den Unterhalt dieser sogenannten Legacy-Systeme und für die Schulung von Mitarbeitern noch gerechtfertigt sind. Zu überlegen wäre auch, wie konkurrenzfähig VAXen in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu den aktuellen Rechnertechnologien sind.

Genau wegen dieser Zweifel glauben Fachleute auch nicht an einen Erfolg von DEC-Gründer Ken Olsen, der sich von seiner VAX-Vergangenheit offenbar nicht lösen kann. Der Computerpionier, der im Oktober 1992 nicht ganz freiwillig Robert Palmer Platz machte und Digital verließ, gründete in Acton, Massachusetts, die Advanced Modular Solutions Inc. (AMS). Mit High-end-VAX-Clones will Olsen insbesondere VAX-Kunden gewinnen, die mit ihren Maschinen an Leistungsgrenzen gestoßen sind.

AMS-Manager Dave Nesbit erklärt, die neue Olsen-Company werde davon profitieren, daß sich Digital allzu schnell von der VAX-Architektur abwende. Für deren Anwender entstehe so ein Vakuum. AMS hofft, mit seinen Clones den DEC-Kunden aus der Bredouille zu helfen - und eine Menge Geld zu verdienen.

Nicht jeder ist von Olsens Strategie überzeugt: "Es gibt einfach einen Punkt, an dem Anwender sagen, es reicht jetzt", meint Analyst Garden. Sei man erst einmal so weit, dann bleibe nur noch ein Weg: weg mit den Legacy-Systems.

Innenleben

-Massenspeicher der Tisch- und Rack-Versionen:19,2 GB intern, extern 60,2 GB

Beim VAX-4000-System max. 335,4 GB.

-Betriebssystem: Open VMS, Version 6.2 (rückwärtskompatibel zu Open VMS 5.5.2).

-Maximaler Arbeitsspeicher

(SIMM): 256 MB.