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17.04.2007

Britische Behörde trennt sich von Atos Origin

Ein erst im vergangenen Dezember mit dem britischen Gesundheitsministerium vereinbarter Outsourcing-Deal ist offenbar gescheitert.

Das britische Gesundheitsministerium hat den erst im November unterzeichneten BPO-Vertrag (Business Process Outsourcing) im Wert von 257 Millionen Pfund (404 Millionen Euro) mit Atos Origin gekündigt. Als Grund nannte die Behörde Qualitätsprobleme - insbesondere mit der Speicherung von Patientendaten. Eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe ist angelaufen.

Capgemini schielt auf Atos Origin

Capgemini hat offenbar Interesse an einer Akquisition von Atos Origin. Presseberichten zufolge soll der größte französische IT-Dienstleister sowohl eine komplette als auch eine teilweise Übernahme prüfen. Allerdings käme ein Kauf des gesamten Kontrahenten sehr teuer. Die Marktkapitalisierung von Atos Origin beläuft sich auf rund 3,8 Milliarden Dollar. Eine Gruppe von Finanzinvestoren soll bereits vier Milliarden Euro geboten haben.

Capgemini hat bereits im Februar das US-amerikanische Beratungshaus Software Architects zu einem ungenannten Betrag übernommen, und im November 2006 rund 1,25 Milliarden Dollar für die Akquisition des indischen IT-Dienstleisters Kanbay bezahlt. Daher ist fraglich, wie ernsthaft das Unternehmen eine potenzielle Übernahme verfolgt.

Ursache der wiederkehrenden Gerüchte um einen Verkauf ist die Stellungnahme des Atos-Origin-Managements, man habe interessante Anfragen erhalten. Eine Zerschlagung ist denkbar: Probleme bereitet Atos Origin derzeit das IT-Servicegeschäft, insbesondere in Großbritannien, wogegen das in Atos Worldwide zusammengeführte Geschäft mit Transaction-Processing für die Finanzwirtschaft gut läuft und als zukunftsträchtig gilt. (jha)

Regierung in der Kritik

Damit ist ein weiteres Auslagerungsprojekt im britischen Gesundheitswesen gescheitert. Vor allem wegen der Probleme mit dem immer wieder verschobenen und kostspieligen Programm "Connecting for Health", das eine Überholung der gesamten Anwendungslandschaft und IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen vorsieht, ist die Regierung unter Beschuss geraten. Im Herbst vergangenen Jahres hatte sich Accenture aus dem Programm zurückgezogen, nachdem sich das Engagement als finanziell zu riskant erwiesen hatte.

Atos Origin versucht seit einigen Jahren, mit Geschäftsprozess-Outsourcing im Gesundheitswesen voranzukommen. Allerdings ist dieses Geschäft sehr speziell, weil mehr Branchen- als IT-Know-how gefragt ist. Nach Ansicht von Marktexperten riskiert das Unternehmen daher, sich zu sehr von seinem Kerngeschäft mit IT-Services zu entfernen. Nach dem Beschluss des Gesundheitsministeriums, den Vertrag vorzeitig zu beenden, hat dieser Vorwurf neue Nahrung erhalten.

BPO ist häufig schwierig

Die Analysten des Marktforschungsinstituts Ovum halten es allerdings für zu früh, Bilanz zu ziehen. BPO-Deals seien generell sehr komplex, und speziell in der Übergangsphase seien derartige Schwierigkeiten gang und gäbe. Wichtig sei jetzt, dass beide Seiten dafür sorgten, ihre solide und konstruktive Beziehung aufrechtzuerhalten. So müsse das Gesundheitsministerium die Missstände schnell beheben, um Patienten und Steuerzahlern keine weiteren Kosten aufzubürden. Auch für Atos Origin sei es wichtig, dass die Verhandlungen über die Vertragsbeendigung glimpflich abliefen und der IT-Dienstleister keinen Imageschaden erleidet. (sp)