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22.01.1982 - 

Krisensichere Vergangenheit kein Garant für die Zukunft:

Britische DV-Industrie muß neue Wege suchen

Das von Wirtschaftskrisen gebettelte Königreich setzt seine Hoffnungen auf die DV-Industrie. Diese wenigstens erwies sich in der Vergangenheit als relativ krisensicher. Kenneth Owen, Leiter der Innovation Research Services, Godalming, warnt allerdings, daß dies kein Garant für die Zukunft sei. Er fordert die englischen DV-Unternehmen in seinem Beitrag auf, Marktlücken zu suchen und neue Märkte zu erschließen.

In London und Südostengland befindet sich der Schwerpunkt der britischen Computerindustrie, die sich in den vergangenen Jahren als relativ krisensicher erwiesen hat. Auf dem Gebiet der Software genießt die britische Intelligenz nach wie vor hohes Ansehen. Auch wenn die britischen Software-Unternehmen nicht mit den großen amerikanischen Gesellschaften vergleichbar sind, haben sie doch einen beachtlichen Zuwachs zu verzeichnen. Auf den Gebieten Finanzen, Video und Teletext werden die Briten als führend eingestuft.

Programme für die verschiedensten Kunden zu entwerfen, ist nur ein Betätigungsfeld - allerdings unbestreitbar eines der wichtigsten im Bereich der Computer-Dienstleistungen. Andere Gebiete sind hier DV-Beratung, Datenaufbereitung, Fortbildung und Schulung, Lagerhaltung, Akquisition sowie die Entwicklung von Standard-Software und schlüsselfertigen Systemen.

Neue Märkte erschließen

Mit Interesse beobachtet die britische Computing Services Association, wie ihre Mitglieder agieren. Die Bilanz 1980/81 zeigt, daß die meisten angeschlossenen Unternehmen ihre Aktivitäten jetzt notgedrungen erweitern, um neue Märkte zu finden.

Die Computer-Industrie konzentriert sich hauptsächlich auf Südostengland. Unter den dort angesiedelten größeren Firmen mit Sitz in London befinden sich Computer Analysts und Programmers (CAP), Data Logic (gehört zu Raytheon), Hoskyns (gehört zu Martin Marietta), Logica, Scicon (Tochterfirma der Britischen Petroleum) und SPL.

In und um das Themse-Tal westlich von London gibt es ebenfalls eine größere Ansammlung von Software-Firmen. Dies gilt auch für einige Teams größerer Computer-Hersteller, beispielsweise die britische ICL und amerikanische Multis wie Hewlett-Packard oder die Digital Equipment Corporation.

Ein Grund der Firmenniederlassungen im Themse-Tal sind die Aufträge der Royal-Airforce-Niederlassung in Farnborough sowie Aufträge anderer Ministerien und Verteidigungsprojekte. Die Software Sciences in Farnborough, Leasco Software in Maidenhead, SDL in Camberley und Dataskil in Reading gehören zu den Firmenpartnern der Rüstungsindustrie.

Die Auftragswachstumsrate stagnierte im zweiten Halbjahr 1980 nach einer vorhergegangenen ansteigenden Entwicklung des Wirtschaftswachstums. Das erste Quartal 1981 hatte dann einen Zuwachs von fünf Prozent gegenüber den beiden letzten Quartalen von 1980 zu verzeichnen und - im Gegensatz zum ersten Quartal 1980 - sogar einen Zuwachs von fast 20 Prozent. "In Anbetracht der Inflation", berichtet die Industrie, "scheint die Annahme eines Aufschwungs wieder berechtigt!"

"Die Beschäftigung in der DV-Industrie" resümiert Dr. Douglas Eyeions, Generaldirektor der Computing Services Association, "bewegte sich insgesamt um ungefähr zehn Prozent nach oben und übertrifft somit nochmals die 26 000 neuen Stellen des letzten Jahres." Dies schließt Software- und Dienstleistungspersonal der Computer-Hersteller mit ein.

Merklicher Aufwärtstrend

Dienstleistungsbetriebe außer den ganz großen mit einem ausgebauten Telekommunikationsnetz, wickeln ihre Geschäfte ausschließlich im Inland ab. Der Exportanteil von Software-Häusern macht gerade 13 Prozent ihres Umsatzes aus, Beratungsfirmen haben einen Export-Anteil von etwa 26 Prozent und beim reinen Programmumsatz beträgt er um 38 Prozent.

In allen Bereichen wird das Wirtschaftsklima und seine Verbesserung als die wichtigste Aufgabe der Industrie angesehen. Mitgliedsfirmen der Interessengemeinschaft sehen drei Hauptschwierigkeiten. Die erste ist die Auswirkung der Rezession auf die Kunden, die nur sehr zögernd Entscheidungen über neue Projekte fallen. Zweitens spürt man einen zunehmenden Wettbewerb innerhalb der DV-Industrie, besonders im Dienstleistungsbereich. Drittens macht sich in dieser Wettbewerbssituation eine sehr ungesunde Tendenz, nämlich Preise zu drücken, bemerkbar.

Zwei nationale Risikofaktoren

Eines der ältesten und größten Softwarehäuser, Computer Analysts und Programmers, verzeichnete in jüngster Zeit bedeutende Verluste, nachdem es den entscheidenden und umstrittenen Entschluß gefaßt hatte, in mehr Software für den Mikrocomputer-Sektor zu investieren.

Barney Gibbens, der neue Aufsichtsratsvorsitzende von CAP, spricht von zwei nationalen Risikofaktoren, die den Fortschritt der Industrie in der näheren Zukunft bestimmen dürften.

Einer davon ist der Wechsel der Geschäftsstrategie von ICL. Finanzielle Probleme und ein neues Managementteam haben dazu geführt, daß die Geschäftspolitik von ICL ihren Schwerpunkt von großen Computern auf kleinere Computer verlegt hat. Dies könnte zur Folge haben, daß es in Zukunft mehr Programmieraufträge von ICL und ihren Kunden gibt. Im Gegensatz zu den meisten amerikanischen Firmen hat sich ICL in der Vergangenheit sehr wenig auf die Leistungsfähigkeit von unabhängigen Dienstleistungsgesellschaften gestützt.

Der zweite Faktor ist die Möglichkeit der "katalysatorischen" Initiative der neuen British Technology Group, die den Dienstleistungszweig der Computerindustrie betrifft. Diese Institution ist das Ergebnis des Zusammenschlusses von zwei regierungsgestützten Körperschaften, dem National Enterprise Board (Unternehmer) und der National Research Development Corporation (für Forschung und Entwicklung zuständig). Die erstere wurde erst kürzlich in einer Studie zur Informationstechnologie aufgefordert, ihre Aufmerksamkeit auf die Leistungsfähigkeit der Software-Industrie zu richten. Diese Studie wurde von der Beratungsfirma Pactel vorgelegt.

Wachstumsgebiete

Die Dienstleistungsbetriebe sollten sich darauf konzentrieren, den größten Teil der Software von britischen Herstellern selbst zu entwickeln, empfiehlt Pactel in der Studie. Hersteller und Dienstleistungsbetriebe müssen eine enge Zusammenarbeit in der Entwicklung von Hardware/ Software-Paketen anstreben. Kurzfristige Marktchancen für die Dienstleistungsindustrie umschlössen Mikrocomputer-Programmpakete für Standard-Anwendungen, System- und Anwendungssoftware für IBM-Computer, Expansionsbestrebungen auf dem großen deutschen Markt (wo dieser kränkelnde Dienstleistungszweig noch ziemlich schwach erschlossen ist) und das Knüpfen neuer Verbindungen zu den japanischen Hardware-Herstellern.

Logica, ein weitverzweigtes Software- und Systemberatungshaus, ist eines der Unternehmen, dessen Zuwachsrate für das Jahr 1980/81 sich mit 40 Prozent sehr zufriedenstellend entwickelt hat.

Logica-Vorstandsvorsitzender

Philip Hughes stellte vier Bereiche mit starkem Wachstum in der Softwarebranche heraus: Kommunikation/Medien, Energie und Finanzen sowie die Verteidigung. Hier war der Zuwachs verhältnismäßig stabil, auch wenn er sich nicht in den Größenordnungen der Vorjahre bewegte. Für die britische Industrie sei es eine solide Geschäftsstrategie - ganz besonders während der gegenwärtigen Rezession - neue Marktlücken auf Überseemärkten wie den Vereinigten Staaten zu erschließen.