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13.03.1987 - 

Enge Kooperation zwischen DV-Herstellern und Hochschulen:

Britisches KI-Projekt bringt erste Früchte

Eine Vorreiterposition innerhalb des europäischen Marktes für Künstliche Intelligenz hat sich Großbritannien erkämpft. Als einen der Hauptgründe für diesen Erfolg werten Branchenkenner die enge Kooperation zwischen Forschung und Industrie. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt "Flagship", das ICL und The Plessey Corporation gemeinsam mit mehreren Universitäten realisieren wollen.

Die technischen Voraussetzungen für "Flagship" sind umfangreich:

Zum deklarativen Ansatz gehören funktionelle und logische Sprachen. Sie bilden den Kern der Flagship-Arbeit, weil die softwaretechnischen Vorteile und die Möglichkeiten der Nutzung der Parallelität der Hardware davon abhängen. Lisp ist eine auf breiter Basis eingeführte Sprache mit vielen Softwarehilfen, schneidet aber im Vergleich mit modernen Konstrukten ungünstiger ab. "Hope" (funktionell) und "Parlog" (parallellogisch) gibt es jetzt in ersten sequentiellen Implementierungen; beide sind praktikable Ausgangspunkte für die Projektarbeit. Die Weiterentwicklung beider Sprachen macht Fortschritte, und es wird damit gerechnet, daß es während der Laufzeit des Projekts konvergierte Sprachen entwickelt werden. Lisp wird von "Flagship" unterstützt, weil es dafür bereits ein breites Softwareangebot gibt; das Projekt orientiert sich jedoch in erster Linie an den modernen Sprachen.

Es können Konvertierungssysteme verwendet werden, die aus einer Anweisung auf Spezifikationsebene eine Implementierung mit der erforderlichen Verarbeitungsleistung erzeugen, die garantiert die Originalbedeutung beibehält. Einfache Konvertierungssysteme gibt es bereits, aber ihre Fähigkeit zur Bewältigung umfangreicher Programme ist durch ihre eigenen Leistungserfordernisse sehr begrenzt.

Objektorientierte Techniken sind bereits als Ansätze bekannt, die die gewünschten Strukturierungseigenschaften haben. Es besteht eine starke Synergie zwischen diesen Techniken und den deklarativen Arten. Das Objektparadigma kann so erweitert werden, daß es auch die Datenbank als eine Erweiterung des Speicherraums des Objektprogramms umfaßt, wodurch der gesamte Eingabe-/Ausgabe-Apparat verdeckt wird. Ein gleichlaufendes Projekt befaßt sich mit der Weiterentwicklung dieser Techniken, die experimentiell bereits mit Sprachen der dritten Generation verwendet worden sind und gezeigt haben, daß sie die Erstellung von Anwendungen vereinfachen. Bei "Flagship" werden sie in die Software-Schnittstelle integriert und innerhalb des Kernumfeldes unterstützt.

In Erwartung einer Reihe von Sprachcompilern und Parallelmaschinen hat das Alvey-Direktorium eine gemeinsame portable Zwischensprache als wünschenswert bezeichnet. Ein gleichlaufendes Projekt hat bereits die ersten Versionen einer "Dactl"-Spezifikation und eines Übersetzers ergeben. Im Rahmen des Flagship-Projekts werden "Dactl"-Compiler sowohl für bereits vorhande Maschinen als auch für die Flagship-Maschine entwickelt.

Das Flagship-Projekt baut auf den Erfahrungen mit der am Imperial College entwickelten Reduktionsmaschine "Alice" auf, deren Prototyp bei ICL kurz vor der Fertigstellung steht sowie auf den früheren Datenflußarbeiten der Universität Manchester, die bereits vor vier Jahren zu einem funktionierenden Prototyp führten. Im Rahmen des Flagship-Projekts wird an einer erweiterungsfähigen Konstruktion gearbeitet, die sich an VLSI orientiert.

Die Zielsetzungen von "Flagship" sind die Entwicklung einer Technologie, die sich auf die Erfordernisse der Anwendungsentwicklung konzentriert, ihre schrittweise Einführung und die Schaffung von Brücken zur bereits vorhandenen Benutzertechnologie. Langfristig gesehen sollten Flagship-Systeme selbständig arbeiten können. Die mittelfristigen Entwicklungen werden sich aber auf ein übergeordnetes System (Unix und ICL Serie 39) stützen, um dem Benutzer Evolutionsmöglichkeiten zu bieten und den Aufwand für die Flagship-Entwicklungen zu reduzieren.

Die wesentlichen Zielsetzungen für die erste Phase:

Ein portabler Dactl-Compiler, der "C" erzeugt, war Ziel der Aktivitäten in 1986. Hinzu kamen die Auslieferung des Alice-Prototyps an das Imperial College, ein schneller Hope-Compiler sowie Sprach- und Architekturnormen. Dieses Jahr soll ein erweitertes Hope-System entstehen. Demonstration eines Hardwaremodells der Flagship-Maschine, gestützt auf ein System der Serie ICL 39, und Anwendungsdemonstrationen in "Hope", "Lisp" und "Parlog" sind für 1988 geplant.