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17.11.2000 - 

Hohe Schuldenlast zwingt zu Restrukturierung und Verkäufen

British Telecom: Der Traum vom Global Player ist ausgeträumt

MÜNCHEN (CW) - British Telecom ist in die schwerste Krise seit Bestehen geraten. Einst als Global Player gefeiert, steht der Konzern heute ohne internationale Konzeption und mit dramatischer Schuldenlast da. Eine Rosskur und Börsengänge sollen nun die Wende bringen.

Worüber das Topmanagement von British Telecom (BT) schon im April 2000 laut nachdachte, wird nun endgültig Realität: die Aufspaltung des Konzerns in eigenverantwortliche Gesellschaften, die sukzessive zu je 25 Prozent an die Börse gebracht werden sollen. Der Vorstandsvorsitzende Peter Bonfield sieht sich zu diesem Schritt gezwungen, weil ihm das Wasser bis zum Hals steht. BT musste seinen Aktionären nämlich dramatische Gewinneinbrüche eingestehen, und außerdem drückt den Carrier eine immense Schuldenlast, die sich zu allem Überfluss noch erhöhen wird. Von der Ausgliederung diverser Unternehmensbereiche erhofft sich der Anbieter nun mehr Effizienz, und die Börsengänge sollen Geld zum Schuldenabbau in die marode Konzernkasse spülen.

Die Quartalszahlen, die Bonfield jetzt vorlegte, sind in der Tat ernüchternd. Das Traditionsunternehmen verzeichnete zwar im ersten Geschäftshalbjahr einen Umsatzanstieg von 39,5 Prozent auf rund 47 Milliarden Mark, der sich jedoch bei näherer Betrachtung deutlich relativiert. Er resultiert nämlich aus den Zukäufen und verringert sich bereinigt auf zwölf Prozent.

UMTS-Lizenzen türmen hohen Schuldenberg aufNoch schlimmer kommt es beim Gewinn. Vor Steuern sank er in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs um 5,6 Prozent, nach Steuern sogar um 43 Prozent. Das ganz dicke Ende bildet jedoch der Gewinneinbruch im letzten Quartal. Hier weist BT nur noch ein Plus von rund 961 Millionen Mark aus und muss damit im Vergleich zum Vorjahr sogar eine Einbuße von rund 50 Prozent hinnehmen. Für diesen Trend machte Bonfield den dramatischen Margenverlust im Festnetzgeschäft verantwortlich.

Doch mit dem rückläufigen Profit ist es nicht getan. Schlimmer noch dürfte für Analysten und Aktionäre die hohe Verschuldung von BT wiegen. Sie wuchs binnen des letzten Jahres von 29 Milliarden Mark auf nunmehr 74,6 Milliarden Mark - Tendenz weiter steigend. Im Frühjahr 2001, wenn die Zahlung für die Eon-Anteile der deutschen Tochter Viag Interkom ansteht, rechnen Experten sogar mit einer Schuldenlast der Briten von rund 100 Milliarden Mark. Die hohe Kreditsumme rechtfertigt das BT-Management vor allem mit den dramatischen Kosten für die UMTS-Lizenzen in Europa.

Kein Wunder also, dass Bonfield dringend Geld benötigt, um die Schulden zu reduzieren. Die Rettung in der Not sieht der BT-Chef in mehreren Maßnahmen. Erstens will er das BT-Geschäft künftig auf Westeuropa und Japan konzentrieren. Damit gibt das Unternehmen den Anspruch endgültig auf, ein Global Player sein zu wollen. Nach dieser Äußerung Bonfields gilt es als ziemlich sicher, dass die Briten ihre Beteiligungen an TK-Gesellschaften in Hongkong, Singapur, Malaysia und Indien versilbern werden. Damit könnte rund die Hälfte der 30 Milliarden Mark eingespielt werden, die der BT-Manager bis Ende 2001 zum Schuldenabbau aufbringen möchte.

Datentochter Ignite muss auf eigenen Beinen stehenDen Rest der Summe erwartet sich Bonfield aus den Börsengängen der Ausgliederungen. Den Anfang soll im Frühjahr 2001 der Geschäftsbereich "Yello" machen, der Branchenbücher vermarktet und auflegt, die hierzulande den Gelben Seiten entsprechen. Geht es nach dem Willen Bonfields, wird im Herbst die Mobilfunktochter BT Wireless ebenfalls an die Börse gehen.

Im kommenden Jahr soll ferner das gesamte britische Festnetzgeschäft unter dem Namen "Netco" in ein unabhängiges Unternehmen abgespalten werden. Netco wird nicht nur BT-Geschäftsbereiche, sondern auch Konkurrenten mit Diensten beliefern. Auf eigenen Beinen muss künftig auch die Datentochter Ignite stehen, die ebenfalls ausgegliedert wird. Ein Börsengang der beiden Unternehmen ist noch nicht beschlossen, aber wahrscheinlich.

Die negative Entwicklung von BT ist umso erstaunlicher, als der britische Markt lange als das Aushängeschild für freien Wettbewerb galt und BT als erster Konzern die Idee des Global Players ernsthaft vorantrieb. Mit der Übernahme von 20 Prozent am US-Carrier MCI schienen die Briten 1993 die Weichen erfolgreich in Richtung internationales Geschäft gestellt zu haben. Auch die Gründung von Syncordia, einer Tochter, die multinationale Konzerne weltweit mit TK-Dienstleistungen versorgt, galt als wegweisend. Doch Syncordia, das zum heutigen BT- und AT&T-Joint-Venture Concert mutierte, leidet unter dem Kompetenzgerangel der Gesellschafter und entwickelt sich nicht wie erhofft.

Nachdem den Briten von Worldcom der Partner MCI weggeschnappt wurde, ließ BT eine klare internationale Ausrichtung vermissen. Erst spät wurde eine Kooperation mit AT&T vereinbart, die sich hauptsächlich auf Concert und internationale Kunden konzentriert, aber noch nicht sehr erfolgreich ist.