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25.05.2001 - 

Jetzt beginnt das große Aufräumen

British Telecom reißt das Ruder herum

MÜNCHEN (CW) - Für den ehemaligen Staatsbetrieb British Telecom (BT) wird die Luft immer dünner. Neben der allgemeinen Krise am TK-Markt kämpft das Unternehmen auch mit hausgemachten Problemen. Skeptiker bezweifeln, ob die nun beschlossene Aufspaltung des Konzern die Lösung aller Probleme sein wird.

Nachdem schon seit längerem Kritik an der Strategie des Unternehmens laut geworden war, reagierte der Konzern im März und wechselte den Aufsichtsratsvorsitzenden: Iain Vallance gab mit Wirkung vom 1. Mai seinen Sitz an den Medien-Manager Christopher Bland ab. Erst zwei Wochen im Amt, gab dieser nach der Privatisierung 1984 die wohl einschneidendsten Maßnahmen für das Unternehmen bekannt: die Zerschlagung des Schlachtschiffes der englischen TK-Szene in zwei eigenständige Unternehmen. Auf der einen Seite bleibt das Mobilfunkgeschäft als BT Wireless, auf der anderen die Aktivitäten im Festnetzbereich, jetzt BT Future.

Die Vorwürfe, die sich BT gefallen lassen muss, richten sich in erster Linie an das Management. Zwar schuf sich der Konzern früh ein Netz internationaler Minderheitsbeteiligungen in fast allen EU-Ländern, versäumte jedoch, rechtzeitig die Kontrollmehrheiten zu erwerben. Außerdem entwickelten die Briten alle möglichen Hightech-Gerätschaften - und vergaßen darüber, die Digitalisierung und den Breitbandausbau des Telefonnetzes im Heimatmarkt voranzutreiben. Auch startete das Unternehmen früh in das Mobilfunkgeschäft und machte es in der Folge Konkurrenten leicht, die Qualität zu überbieten. So steht BT über seine hundertprozentige Mobilfunktochter Cellnet lediglich auf Rang zwei im heimischen Markt hinter Vodafone. Last, but not least gründete BT mit AT&T das Großkunden-Joint-Venture Concert, das als verlustbringend gilt und über dessen Zukunft derzeit verhandelt wird.

Investoren überzeugen und Kreditwürdigkeit bewahrenVon der nun beschlossenen Aufspaltung des Unternehmens versprechen sich Bland und sein CEO Sir Peter Bonfield eine Steigerung des Unternehmenswertes. Hintergrund der radikalen Maßnahme dürfte sein, dass BT auf der Beobachtungsliste der Ratingagenturen steht. Bereits im Sommer vergangenen Jahres wurde die Bonität der Briten von Standards & Poors herabgesetzt, was eine Verteuerung der Kredite bedeutete. Nun besteht die Gefahr, weiter herabgestuft zu werden, was nach Ansicht von Analysten die Zinslast des Riesen um bis zu 600 Millionen Mark steigen lassen könnte. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Netto-Zinszahlungen von umgerechnet knapp 350 Millionen Mark auf rund eine Milliarde Mark erhöht.

Und nicht nur das Vertrauen der Anleger setzt BT unter Druck, auch die Schuldenlast selber macht den TK-Riesen handlungsunfähig. Erklärtes Ziel ist es, bis Ende des laufenden Jahres die Verbindlichkeiten von rund 94 Milliarden Mark um ein Drittel zu schmälern. Bis vor kurzem hatten die BT-Verantwortlichen noch an einen erfolgreichen Börsengang der Töchter Wireless und Yell geglaubt, und sich auch von dem misslungenen Börsenstart der France-Télécom-Tochter Orange nicht davon abbringen lassen. Noch im Februar zitierte das "Wall Street Journal" Bonfield mit der selbstsicheren Aussage, die Franzosen seien zu optimistisch gewesen, er hingegen rechne eher konservativ.

Doch mittlerweile hat Bonfield eingelenkt und den Börsengang der Wireless-Sparte ad acta gelegt. Um dennoch an Geld zu kommen, hat man sich nun durchgerungen, wie bereits im vergangenen Jahr erwogen, die Zahl der Aktien zu erhöhen. Die Ausgabe von Bezugsrechten soll knapp 19 Milliarden Mark in die Kasse der Briten spülen.

Aktivitäten konzentrieren sich wieder auf den Alten KontinentAußerdem setzt BT den bereits begonnenen Ausverkauf ausländischer Unternehmensanteile fort. Bisher versilberte der Konzern seine Anteile an Japan Telecom, an der spanischen Airtel sowie der malaysischen TK-Gesellschaft Maxis. Zusammen mit der Veräußerung von Immobilien konnten damit bereits umgerechnet 17,4 Milliarden Mark eingenommen werden. Weitere 9,5 Milliarden Mark könnte der Verkauf der Datenbanktochter Yell bringen, über den derzeit verhandelt wird. Ebenfalls zur Disposition könnten Anteile an dem IT-Dienstleister Syntegra und dem französischen Telefonkonzern Cegetel stehen. Auch für den Anteil an der kanadischen Firma Rogers Cantel wurde ein Käufer gesucht.

Mit den Verkäufen wird auch klar, dass der Konzern seine Aktivitäten wieder auf den Alten Kontinent konzentriert. Die in den vergangenen Jahren global ausgerichtete Strategie dürfte damit vorerst gescheitert sein.

Abb: BT-Umsatzentwicklung

Nicht nur die Schulden drücken: Dem Umsatz aus dem Geschäftsjahr 2000/01 stand auch noch ein Verlust von knapp 3,7 Milliarden Mark gegenüber. Quelle: BT