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05.10.1990 - 

Carrier liebäugelt mit Betreiberlizenz für Funkrufdienste

British Telecom versucht sich in globaler Datenkommunikation

LONDON/ESCHBORN (CW) - Der Carrier British Telecom drängt mehr und mehr ins internationale Netz-Geschäft. Das Unternehmen stellte jetzt die "Global Network Services" für das Company-eigene weltumspannende Netz "Tymnet" vor. Damit wollen die Briten unter anderen in Konkurrenz zu den Netzen von IBM und General Electric treten.

Als erster der europäischen Carrier hat British Telecom den Sprung ins internationale Netz-Business gewagt. Das seit 1984 mehrheitlich in Händen privater Aktionäre befindliche Unternehmen legte im November letzten Jahres den Grundstein für sein globales Netz. Damals kauften die Briten für 355 Millionen Dollar von McDonnell-Douglas die Abteilung Network Systems und damit das X.25-Netz Tymnet. Die Absicht war klar: British Telecom hatte zwar weltweit als Anbieter von Voice-Diensten einen Namen, im Markt der globalen Datenvermittlung aber keine Bedeutung.

Mit dem Deal schlug das Unternehmen mehrere Fliegen mit einer Klappe. Neben einem nahezu flächendeckenden Netz in den USA übernahm British Telecom von den Amerikanern Netzknoten in zahlreichen Ländern der Welt sowie die Manpower und das Know-how für die Datenvermittlungstechnik. Insgesamt belief sich die Zahl der von McDonnell-Douglas weltweit installierten Knotenrechner auf rund 3000 Stück, die von British Telecom bis heute auf 3500 ausgebaut wurden.

In der installierten Basis sieht Peter Berrie, General Manager für Tymnet in Europa, einen wesentlichen Vorteil des Netzes. Laut Berrie beinhaltet Tymnet vier landesweite Netze in den USA, Japan, Großbritannien und Australien - der Abschluß mit der australischen Infolink Group Ltd. kam erst kurz vor der Präsentation zustande - sowie lokale Knoten in 20 weiteren Ländern. Außerdem nutzen laut British Telecom 35 PTTs in ihren Staaten Tymnet-Vermittlungstechnik, weitere 65 Länder realisieren den Anschluß an das Netz der Briten über X.75-Gateways. Summa summarum deckt das Netz der Londoner Company damit weit über hundert Staaten dieser Erde ab, eine Zahl, so Klaus Vormberge, General Manager der British Telecom Deutschland GmbH, mit der kaum ein anderer Anbieter konkurrieren könne.

Stichwort Konkurrenz: Eher bedeckt gab sich Vormberge auf die Frage nach der Akzeptanz des Netzes in der Bundesrepublik: "Wo man hierzulande hinsieht, ist die Umgebung blau", umschrieb der Manager die Dominanz von IBM. Vormberge befürchtet, daß viele Unternehmen mit installiertem IBM-Equipment auch das weltweite Netz von Big Blue zur grenzüberschreitenden Datenübertragung nutzen werden. Trotzdem hoffen die Engländer, durch die volle Kompatibilität zu SNA und SAA der IBM potentielle Kunden abzusagen.

Ein scharfer Wind wird den Briten aber auch von Seiten des globalen Netz-Anbieters General Electric Information Services ins Gesicht blasen. Gegen diese nahezu übermächtige Konkurrenz wollen die Londoner neben einer großen Flächendeckung vor allem mit dem Verkaufsargument "unabhängige Datenkommunikation von Protokollen, Systemen und Organisationen" zu Felde ziehen. Dazu Europa-Manager Berrie: "Ich glaube, daß keiner unserer Wettbewerber in so vielen Ländern die Bandbreite an Protokoll- und Zugangsdiensten bereitstellt wie wir."

Multinationale Konzerne bilden die Zielgruppe

Zu den "Global Network Services" gehören neben der Unabhängigkeit von Protokollen ein einheitlich verwalteter Mehrwert-Dienst, elektronische Nachrichtenübertragung, Electronic Data Interchange, Informationsbeschaffung, ein integriertes Statistik-Management sowie eine weltweite Hot-Line für Fehlerdiagnosen und Problemlösungen mit Support. Gesteuert wird Tymnet durch das Netz-Management-System Concert von der amerikanischen Zentrale in San Jose.

Als Zielgruppe haben die Marketing-Manager von British Telecom multinationale Unternehmen im Auge, die in der End-to-End-Kommunikation nach individuellen Lösungen suchen und spezielle Dienste benötigen. Als Beispiele nannte Berrie hybride Datennetze, die Bereitstellung der vom Kunden gewünschten Systeme sowie Vereinbarungen über den Nutzungsgrad bestimmen Services. Ferner will der Carrier Kunden ködern, indem alle Dienstleistungen aus einer Hand angeboten werden.

BT mietet Kapazitäten bei Privaten und PTTs

Mit Tymnet will British Telecom, so Vormberge, jedoch keineswegs nationale Interessen der PTTs tangieren. Der Manager: "Wir können und wollen mit unserem GNS keine Konkurrenz zu Datex-P auf nationaler Ebene sein. Unser Interesse liegt einzig und allein in der weltweiten Kommunikation." Der ehemalige Nixdorf-Mann räumte bei dieser Gelegenheit ein, daß British Telecom für Tymnet auch Kapazitäten von PTTs und anderen privaten Anbietern angemietet hat.

Die weltweite Ankündigung von GNS nutzte der Chef der seit zwei Jahren bestehenden Deutschland GmbH auch, um erstmals die Ziele des Carriers in der Bundesrepublik zu skizzieren. Außer mit Tymnet, beabsichtigt British Telecom hier mit dem Vertrieb von Systemen für Finanzmakler sowie internationalen Sprach- und Datenkommunikationswegen Geschäfte zu machen.

Besondere Erwartungen setzt Vormberge aber auch in die mobile Kommunikation: "Wir möchten zusammen mit lokalen Partnern Netzbetreiber für Funkrufdienste werden, sind aber auch stark an anderen Netzen interessiert." Obwohl indirekt die Konkurrenz von British Telecom, nämlich das Ministerium für Post und Fernmeldewesen über die Netzbetreiber befindet, gibt sich Vormberge optimistisch, weil sich die Entwicklung der mobilen Netze in den nächsten Jahren auf Europa ausdehnen werde.