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23.02.2001 - 

Verhaltener Ausblick lässt Skepsis aufkommen

Broadvision vor Bewährungsprobe

MÜNCHEN - Im Vergleich zum häufig genannten Wettbewerber Intershop konnte Broadvision seine Umsätze im vierten Quartal noch einmal kräftig nach oben schrauben. Damit dürfte aber auch für den kalifornischen Anbieter von E-Business-Software fürs erste der Zenit überschritten sein. Von Andrea Goder*

Broadvision konnte im vierten Quartal mit Rekordeinnahmen aufwarten. 136,9 Millionen Dollar erzielte das auf One-to-one-Applikationen spezialisierte Internet-Unternehmen in den letzten drei Monaten des Geschäftsjahres 2000 - dreimal so viel als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Beim Nettogewinn musste der an der Nasdaq und am Neuen Markt notierte Anbieter vor kurzem allerdings mit einem Rückgang auf 4,56 Millionen Dollar nach 8,1 Millionen Dollar im Vorjahr ein enttäuschendes Ergebnis melden.

Weitere Expansion kostete Geld

Broadvision-Finanzchef Randy Bolton begründete das unter den Erwartungen liegende Ergebnis mit expansionsbedingten Investitionen, etwa der Eröffnung neuer Büros und dem starken Personalaufbau. Im gesamten Geschäftsjahr 2000 konnte die Company im letzten Geschäftsjahr einen Gewinn von 38,7 Millionen Dollar verbuchen - 106 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter Berücksichtigung von Firmenwertabschreibungen und Akquisitionen wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 159 Millionen Dollar aus nach einem vorausgegangenen positiven Ergebnis von 18,8 Millionen Dollar. Im gleichen Zeitraum kletterten die Einnahmen auf 413,9 Millionen Dollar und konnten gegenüber 1999 ebenfalls mehr als verdreifacht werden.

Nach Umsatzsegmenten aufgeteilt, lagen die Lizenzeinnahmen in den letzten Quartalen konstant bei rund 60 Prozent. Damit entwickelten sich die Softwareverkäufe gegenüber 1999 (65 Prozent) leicht rückläufig. Parallel dazu stieg der Dienstleistungsanteil am Umsatz um 260 Prozent auf 56 Millionen Dollar. Insgesamt 107 Kunden entschieden sich im vierten Quartal 2000 für Broadvision-Produkte. Noch schneller wächst derzeit allerdings der kleinere und ebenfalls bereits profitable Wettbewerber Art Technology Group (ATG), der die Zahl seiner Neukunden im gleichen Zeitraum von 131 auf 670 steigern konnte. Wettbewerber Intershop blieb dagegen bekanntlich im US-Markt auf der Strecke. Die Softwarefirma aus Jena musste sich dort im vierten Quartal mit nur vier Millionen Euro Umsatz begnügen.

Trotz großer Expansionsanstrengungen ist aber auch Broadvision immer noch ein auf die Vereinigten Staaten fokussiertes Unternehmen, das in seinem Heimatmarkt zuletzt 60 Prozent der Einnahmen erzielte. Rund 30 Prozent der Erlöse wurden im Geschäftsjahr 2000 in Europa, zehn Prozent im asiatisch-pazifischen Raum erwirtschaftet. Lange nicht zufrieden können die Kalifornier deshalb auch mit der Geschäftsentwicklung in Deutschland sein. Noch zum Börsengang im November 1999 an den Neuen Markt gaben die Konzernstrategen aus Redwood City als Ziel aus, dass Deutschland mittelfristig zum wichtigsten Auslandsmarkt avancieren solle. Davon ist die US-Softwareschmiede derzeit noch ein gutes Stück entfernt. Erst 30 von weltweit 1169 Broadvision-Kunden setzen hierzulande auf die Produkte der Amerikaner.

Vielversprechende Produktoffensive gestartet

Punkte gutmachen konnte das Unternehmen dagegen auf der Produktseite. Die für Ende des ersten Quartals 2001 angekündigte Version 6.0 der Software "One-to-one Enterprise" basiert auf der Java-2EE-Technologie und wird mit einem Applikations-Server von Bea Systems ausgeliefert. Kritik brachte der Vorgängerversion vor allem ihre proprietäre Technologie ein, die nach Ansicht von Branchenkennern wichtige Kunden zur Konkurrenz abwandern ließ.

Abzuwarten bleibt vorerst, wie erfolgreich die Kalifornier in ihrer neuen Disziplin, der Konzeption von Online-Marktplätzen, sein werden. Mit "Marketmaker" hat Broadvision seit Herbst letzten Jahres zwar eine eigene B-to-B-Lösung im Programm und verfügt damit über eine differenziertere Produktpalette als beispielsweise Intershop. Als so genannte Architekten von Internet-Basaren müssen es die Kalifornier allerdings mit bereits etablierten Wettbewerbern wie Commerce One oder Ariba aufnehmen. Hinzu kommt, dass man durch eine im Oktober vergangenen Jahres vereinbarte Kooperation mit dem Supply-Chain-Management-(SCM-)Spezialisten I2 in das derzeitige Gerangel der beiden "Lager" der Marktplatz-Softwareanbieter, also IBM/Ariba/I2 auf der einen sowie SAP, Commerce One und Microsoft auf der anderen Seite, verwickelt ist.

Mindestens genauso spannend dürfte für die amerikanischen Softwerker in den nächsten Monaten die Frage sein, wie stark US-Konzerne aufgrund der sich abkühlenden Konjunktur ihre E-Business-Investitionen zurückfahren werden. Finanzchef Bolton gab vor kurzem einen nur verhaltenen Ausblick auf das erste Quartal 2001. Demnach werden die für diesen Zeitraum zu erwartenden Einnahmen auf dem Niveau des vierten Quartals 2000 stagnieren beziehungsweise leicht rückläufig sein. Von dieser Wachstumsdelle abgesehen halten die Kalifornier aber an ihrer Umsatzprognose von 600 bis 630 Millionen Dollar für 2001 fest. Wettbewerber wie die ebenfalls auf One-to-one-Applikationen spezialisierte US-Company Vignette Corp. haben dagegen für das laufende Geschäftsjahr ihre Umsatzerwartungen bereits um 100 Millionen Dollar nach unten korrigiert.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Broadvision

Als sehr optimistisch dürften die Broadvision-Prognosen für 2001 einzuschätzen sein. (Quelle: Broadvision/Baden-Württembergische Bank AG)