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31.08.2001 - 

CEO Stefan Röver geht

Brokat: Pleite vorerst abgewendet?

MÜNCHEN (CW) - Der Ausverkauf bei der finanziell schwer angeschlagenen Brokat Technologies AG hat mit dem Verkauf des Geschäftbereiches Mobile Business einen weiteren Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig kündigte der Stuttgarter Softwareanbieter den vollständigen Rückzug aus den USA an. Mitbegründer und Vorstandssprecher Stefan Röver verlässt das Unternehmen.

Für 42 Millionen Euro verkaufen die Schwaben ihre Sparte Mobile Business an das kalifornische Softwareunternehmen E-One Global. Mitbegründer und Vorstandssprecher Stefan Röver scheidet aus dem Unternehmen aus und wird CEO einer neuen E-One-Tochter, die die entsprechenden Brokat-Aktivitäten weiterführen soll. Gleichzeitig wird Brokat auch seine US-Sparte Financial Applications an die Metavante Corp. veräußern. Der Erlös aus dieser Transaktion beträgt 21,3 Millionen Euro. Künftig wolle man sich ausschließlich auf das Kerngeschäft E-Finance in Europa konzentrieren, hieß es weiter.

Weitere Mitarbeiter gehenBeide jetzt angekündigten Deals kommen im Prinzip einer Zerschlagung des Unternehmens gleich. E-One übernimmt rund 400 Brokat-Beschäftigte, Metavante 150. Die verbleibenden Europa-Aktivitäten werden den Angaben zufolge nur noch von insgesamt rund 300 Mitarbeitern bei der Luxemburger Tochter Fernbach sowie am Firmensitz in Stuttgart bewältigt. Eine Zäsur für Brokat bedeutet auch der Rückzug von CEO Röver. E-One habe es zur Bedingung gemacht, dass er sich als CEO verpflichten lasse. Er wäre lieber bei Brokat geblieben, erklärte der Ex-Vorstandssprecher, dessen Amt bis auf weiteres Finanzvorstand Michel Janßen übernimmt. Die seit Monaten schwelende Finanzkrise respektive drohende Zahlungsunfähigkeit habe diesen Schritt jedoch offenbar unumgänglich gemacht. Zusammen mit dem Verkauf der beiden US-Beteiligungen Gemstone und Blaze Software, den Brokat erst vor knapp zwei Wochen angekündigt hat, stehen den Schwaben nun rund 100 Millionen Euro neue Gelder zur Verfügung.

Reichen 100 Millionen Euro?Dies allerdings erst, wenn die Transaktionen (bis voraussichtlich 1. November) abgewickelt sind. Um weitere Liquiditätsengpässe zu vermeiden, sorgt E-One deshalb bis dahin zusätzlich für eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 15 Millionen Euro, um die laufenden Kosten des Bereiches Mobile Business zu sichern. Ob mit dem jetzt beschlossenen Abstoßen der quasi letzten Assets die finanzielle Krise bei Brokat bewältigt ist, halten Analysten indes für nicht ausgemacht. Zuletzt hatten die Schwaben aufgrund ausufernder Personal-, Marketing- und Entwicklungskosten pro Monat rund 15 Millionen Euro flüssige Mittel verbraucht - eine Summe, die laut Finanzchef und künftigem CEO Janßen dank besagter Beschränkung auf das Kerngeschäft in Zukunft deutlich geringer sein werde.

Doch bereits Ende September könnte ein weiteres finanzielles Desaster drohen, wenn die ersten Zinszahlungen für eine 125-Millionen-Euro-Anleihe fällig werden. Erste Gespräche mit den Gläubigern, welche die Umwandlung der entsprechenden Bond-Anteile in Aktien zum Ziel haben, verliefen Janßen zufolge jedoch "kooperativ". Der Liquiditätsaspekt habe deutlich an Dramatik verloren, fügte er hinzu. Brokatgehe "gesichert in das neue Jahr"

Überwiegend skeptisch beurteilen Analysten allerdings auch die weiteren strategischen Perspektiven von Brokat Technologies, denn mit dem verbliebenen Kerngeschäftsfeld, der Vermarktung des Application-Servers "Brokat Server Technologies 4.5" (vormals "Twister"), dürfte angesichts eines zunehmend härteren Wettbewerbsumfeldes nicht mehr viel Staat zu machen sein.

Zwar wurde mit Metavante, einem auf die Finanzdienstleistungsbranche spezialisierten Softwarehaus - ähnlich wie zuvor mit Gemstone und Blaze Software - ein Lizenzabkommen geschlossen, das dem Unternehmen weiter die Vermarktungsrechte an den einschlägigen Produkten sichert. Doch mit dem Verkauf der speziell für US-Banken entwickelten Lösungen an Metavante gibt Brokat auch endgültig den Anspruch eines Global Players auf.

Ähnlich dürfte nach Ansicht von Experten auch der Abschied vom lange Zeit als zukünftiges Kerngeschäftsfeld gefeierten Mobile Business zu werten sein. Auf die Aktivitäten der künftig von Röver verantworteten E-One-Division hat man keinen Einfluss mehr, auch ein Lizenzabkommen ist nicht vorgesehen.