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21.06.1985 - 

Rechtsanwalt prüft Geschäftspraktiken des Marktführers:

Broker ziehen gegen IBM-Leasing zu Felde

HAMBURG - Auf eine juristische Offensive gegen die IBM haben sich die in der European Computer Leasing and Trading Association (Eclat) zusammengeschlossenen Broker geeinigt. Die Vereinigung beanstandet die Ihrer Meinung nach wettbewerbswidrigen Praktiken des Marktführers im Leasinggeschäft.

Die Marschroute des Mainframe-Riesen präsentierte Bernhard Dorn, Vertriebschef der IBM Deutschland GmbH, seinen Legionären auf einem Kick-off-Meeting Anfang März in Frankfurt. "Wer", hieß dessen Losung nach Angaben von Eclat-Mitgliedern sinngemäß, mit anderen Leasinggebern als der IBM zusammenarbeitet, gefährdet seinen Arbeitsplatz. "

Kunden und Mitbewerbern zeigt die IBM damit eine neue Variante ihrer "We-want -the-whole-world" -Strategie. Der Einstieg der IBM ins lukrative Leasinggeschäft hatte denn auch schon vor einiger Zeit die Kritik von Leasinggesellschaften in den USA heraufbeschworen.

Die Branche beklagt kräftige Markteinbußen zugunsten der IBM Credit Corp. In den Krisengesang ihrer amerikanischen Kollegen stimmen jetzt auch die europäischen Computer-Leasinggesellschaften ein. Die jahrelang treuen Vasallen der IBM-Expansionspolitik sehen sich zunehmend ausgebootet. Die Devise "Not schweißt zusammen" unterstrich das Eclat -Meeting am Freitag vergangener Woche in Hamburg. Erstmals seit Bestehen des Zusammenschlusses stimmten alle Anwesenden Mitglieder den Entschlüssen in Sachen IBM-Leasing zu. "Wir wollen einen fairen Wettbewerb im Sinne des Kunden", erklärte Horst

Gruhlke, Sprecher der deutschen Eclat-Gruppe und Geschäftsführer der Wiesbadener Universal Computer Leasing GmbH (UCL).

Anwesend waren in der Hansestadt neben den Vertretern von 36 Eclat -Mitgliedsfirmen der Europa-Präsident der Organisation, Phil Coussens, sowie ein Rechtsanwalt. Dieser sei laut Gruhlke mit der Erstellung eines Rechtsgutachtens betraut, das Aufschluß geben soll, ob die IBM mit ihrem Leasinggebaren noch auf legalem Boden steht.

Die Eclat-Mitglieder geben sich zuversichtlich. Sie hoffen, daß es bei einem juristischen Scharmützel bleiben wird und ein "schnelles Resultat" zu erzielen ist. "Unsere Überprüfung", formulierte Ulrich Schröder, Boß der Hamburger Leasinggesellschaft ICC die Bemühungen um eine Einigung mit dem DV-Giganten "könnte die IBM zu der Feststellung veranlassen, daß sie nicht nur gegenüber Eclat, sondern auch gegenüber den Anwendern künftig ihren Standpunkt, ändern muß."

In den Reihen der europaweiten Eclat-Organisation ist man davon überzeugt, die IBM wisse genau, daß ihre Art, Geschäfte zu machen, eine marktbeherrschende Position nach sich ziehe. Den Brokern sind nach eigenem Bekunden allein zwölf Fälle bekannt, bei denen die deutsche IBM-Tochter die Blauäugigkeit der Kunden zum eigenen Vorteil ausgenutzt habe. Dem Marktprimus wird nachgesagt, auch vor dem Mittel der Erpressung nicht zurückzuschrecken. Gruhlke: "Diese Politik treibt die Anwender über kurz, oder lang in die Arme der Hersteller kompatibler Geräte."

Stein des Anstoßes seien etwa die von Big Blue im hausinternen Jargon mit "White Papers" bezeichneten Schreiben. Auf einem Blanko-Briefbogen fordere die IBM Anwender auf, als Ergänzung zu einem schon unterschriebenen Miet- oder Leasingvertrag, eine Zusatzklausel zu akzeptieren. Der Adressat werde höflichst gebeten, die bereits auf dem White Paper von der IBM vorformulierte Bedingung auf firmeneigenes Briefpapier zu übertragen und signiert nach Stuttgart zurückzuschicken. Die Erstfassung, so ersuchten die Herren in Blau ihre Kunden, sei natürlich aus verständlichen Gründen zu vernichten. Die von der IBM diktierte Bedingung werde damit zu einer Willenserklärung des Kunden, über dessen Tragweite er sich oftmals erst im klaren werde, wenn er über Vertragsveränderungen verhandle.

Unproblematisch, wissen die Eclat-Broker, laufe das Geschäft für den Kunden mit der IBM, wenn er beispielsweise für 48 Monate eine Maschine miete, ohne sie während dieser Zeit hochzurüsten. Nach Ablauf der vier Jahre nehme der Branchenleader den Rechner zu einem internen Buchwert zurück - ein freilich unrealistischer Fall, da der Bedarf an Rechnerleistung ständig wachse. Diese Konditionen dienten der IBM lediglich als Lockangebot.

Aus dem Schlaf gerüttelt werde der IBM-Kunde spätestens bei einem Finanzierungsleasingvertrag (Full pay out). In einer von IBM fix und fertig diktierten und vom Anwender zu unterzeichnenden Absichtserklärung heißt es: "Wir beabsichtigen, uns die Möglichkeit des Erwerbs der in der Anlage zum Finanzierungsleasing-Vertrag aufgeführten Maschinen nach dem Modell des Finanzierungsleasings zu sichern. Uns ist bewußt, daß Finanzierungsleasing in wesentlichen Punkten von der Miete nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch abweicht."

Daß die IBM sich mit diesem Text von Anwendern offensichtlich bescheinigen lassen will, den Leasingerlaß zu umgehen, fiel der Eclat zufolge immerhin einem Betroffenen auf: Er annullierte kurzerhand bei der IBM einen Millionenauftrag.

Während Leasinggesellschaften im allgemeinen vor Ablauf der Vertragslaufzeit ausgediente Computer einem Dritten zum vereinbarten Restwert andienen, geht die IBM beim Finanzierungsleasing eigene Wege. Grundsätzlich, kritisieren die Eclat-Broker, mache die IBM den Erstanwender andienungspflichtig. WoIle der Benutzer also vorzeitig den Vertrag lösen, weil er mehr Rechnerpower benötige, unterbreite die IBM ihm ein Angebot, das er im wahrsten Sinne des Wortes nicht ablehnen könne: Der Preis setze sich aus den Restleasingraten und dem nach IBM-Gusto intern gebuchten Restwert zusammen.

Umgehen könne der Leasingnehmer diesen, Knebelvertrag nur dann, wenn er während der vereinbarten Leasingdauer nicht auf einen größeren Rechner umsteigen wolle. Dann ende der Vertrag für ihn ohne Abschlußzahlung. Doch auch bei diesem denkbaren Fall, geben Branchenkenner zu verstehen, lege die IBM Daumenschrauben an. Ordere

der ahnungslose Kunde zum Ende des Vertragszyklus eine neue Maschine, hieße es: Derzeit nicht lieferbar. Als Lohn für das oftmals mehrmonatige Warten müsse das Unternehmen zudem noch einen höheren Preis bezahlen. Mit dieser Taktik, beklagte der Eclat, wolle die IBM den Rhythmus des Rechneraustausches bestimmen. Dabei gestalte sie den zeitlichen Ablauf so, daß stets vor Vertragsablauf eine neue Maschine im Rechenzentrum stehe.

Zudem müsse der IBM-Anwender, rüstet er innerhalb der Vertragslaufzeit auf, tiefer in die Tasche greifen, als er geahnt hat. Angelockt von den günstigen Leasingraten, lese er oftmals nicht das Kleingedruckte. Es offenbare aber einen plötzlich unerwarteten Anstieg seiner Kosten bei einer Aufstockung der Rechnerleistung. Die Eclat: "Das Kleingedruckte ist zu klein und damit unseriös." Der gutgläubige Gefolgsmann des DV-Imperiums zahlt nun eine wesentlich höhere Leasingrate und, da er nach IBM-Recht vertragsbrüchig geworden ist, auch einen höheren Restwert.