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26.02.1988 - 

E. F. Hutton installiert weltweites Informationssystem:

Brokerhaus setzt auf dezentrale DV

NEW YORK (pi) - Ohne Plan und Ziel darf ein unternehmensweites Informationsystem nicht wachsen, Mitte der 70er Jahre begann das Brokerhaus E. F. Hutton & Co., sein Informationsnetz zu planen. Heute läuft die Sprachkommunikation via Satellit an 404 Standorten weltweit.

Das Unternehmen wollte ein einziges Netz für den Informationsfluß schaffen, das allen 18 000 Mitarbeitern Zugriff auf die für ihre Arbeit wichtigen Daten ermöglichen sollte. Es war keine schrittweise Lösung, sondern eine langfristige Struktur gefragt. Außerdem sollte die Produktivität der Kontakter innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent steigen.

Um Klarheit über den langfristigen Bedarf zu erhalten, wich das Unternehmen von den gängigen Meinungen ab und setzte Ausschüsse ein Gruppen, bestehend aus Benutzern und Experten für Informationssysteme. Durch den Informations- und Meinungsaustausch zwischen relativ unerfahrenen Benutzern und spezialisierten Profis hoffte E. F. Hutton, daß die Hardware zum Zeitpunkt der Installation nicht bereits veraltet sein würde - eine Situation, die man in der temporeichen Welt von Wall Street um jeden Preis vermeiden wollte.

Die Empfehlungen der Ausschüsse betonten vor allem, man müsse so flexibel sein, daß man jede neue technologische Möglichkeit nutzen könne. Erforderlich war also ein umfassendes System, in dem die Benutzer - gleich an welchem Ort - einen Echtzeitzugriff auf möglichst viele Daten hätten.

Mit ein oder zwei Tastendrucken mußten Daten wie Online-Börsenkurse, Finanznachrichten, analytische Modelle und Forschungsberichte verfügbar sein. Außerdem hatte das System eine Vielzahl von Aufgaben der Büroautomation auszuführen, wie Textverarbeitung und elektronische Post für Führungskräfte und sonstige Mitarbeiter.

Mehr Kontrolle zur rechten Zeit

E.F. Hutton hatte das Ziel, dem Management bessere Möglichkeiten an die Hand zu geben, eine straffere Kontrolle über die Aktiva des Unternehmens auszuüben und die Durchführung der verschiedenen Finanzdienstleistungen für die eigenen Kunden zu überwachen.

Da ein großer Teil der Erträge von, einzelnen, nicht von institutionellen Anlegern stammt, ist die Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Faktor. Die von Maklern angebotenen Finanzdienstleistungen werden immer vielfältiger und schließen offene Investmentfonds, Kommunalobligationen und Geldmarkteinlagen ein; dadurch ist der Konkurrenzkampf um den einzelnen Anleger schärfer geworden. Das bedeutet, daß E. F. Hutton und alle Unternehmen der Branche gezwungen sind, ihre Broker mit den Vorteilen der Automation auszustatten.

E.F. Hutton erstellte nun eine vierstufige Hardware- und Software-Umgebung, die durch ein private erdgebundenes Netz und ein Satelliten-Kommunikationssystem integriert wurde. Die Hardware besteht aus IBM Großrechnern 3080 und 3090 an unterschiedlichen Aufstellungsorten, aus Minicomputern der Eclipse-MW-Familie von Data General in den Regionalbüros und Zweigstellen und aus IBM-PC-kompatiblen Arbeitsplatzrechnern, die die unintelligenten Terminals aus früheren Jahrzehnten ersetzen.

Die Arbeitsplatzrechner werden für 10 000 Broker und Kontakter regionale Verarbeitungsmöglichkeiten bieten. Für das fertige Projekt wird E. F. Hutton insgesamt 100 Millionen Dollar ausgeben: Arbeitsplatzrechner, Satellitensystem, Büroautomationssoftware für die Zweigstellen, Softwarelizenzen und Systempflege.

1978 verfügte E. F. Hutton bereits über IBM-Großrechner in einem Rechenzentrum mitten im New Yorker Finanzdistrikt, und schon damals suchte das Unternehmen nach Möglichkeiten, seinen Regionalbüros mehr Verarbeitungskapazität zur Verfügung zu stellen, ohne die Kapazität der Zentrale zu schwächen.

Das Unternehmen installierte Data-General-Systeme in seinen 20 - heute 40 - Regionalbüros. Dies war damals das erste verteilte EDV-System in Wall Street.

Anfang 1984 dezentralisierte E. F. Hutton das EDV-Potential noch weiter durch die Aufstellung von MW-Systemen und der Büroautomationssoftware CEO von Data General. Unter der Bezeichung "Branch Information Processing System" (BIPS) ermöglichen die Rechner dort Büroautomation und allgemeine EDV-Dienste.

Die verschiedenen Rechnersysteme sind über eine Standleitung miteinander verbunden. Über das Netz "Compass" haben Broker und Kontakter Realtime-Zugriff auf Wertpapierkurse, eine Vielzahl technischer Wertpapieranalysen, Portfolio-Erfolg, Kundenkontendaten und die eigenen Finanznachrichten von E. F. Hutton sowie auf den Dow Jones News/Retrieval Service.

Aus Sicherheitsgründen stehen die von jedem Büro von E. F. Hutton zu bearbeitenden Daten nur diesem jeweils zur Verfügung. Die Arbeitsplatzsysteme, denen man den Namen AWE (Advanced Workstation for the Executive) gegeben hat, ermöglichen die grafische Darstellung von Börsendaten, und erlauben Brokern den Zugriff auf

Informationen wie die Notierungen der SEC zum Insider-Handel, was früher technisch nicht machbar war.

Keine Einflüsse von den Sonnenflecken

Interessant ist auch die Installation des eigenen Satelliten-Kommunikationssystems, mit dem die Sprach- und Datenübertragung an die 404 Standorte in der ganzen Welt bewerkstelligt werden soll.

Sprache und Daten werden über C-Band übertragen, eine Bandbreite, die nicht von Sonnenflecken und atomsphärischen Einflüssen gestört wird. Die Brokerfirma benutzt Spread Spectrum, eine Datenverschlüsselungstechnik, die es Computer-Piraten unmöglich macht, ausgesandte Signale zu entschlüsseln oder zu stören.

E.F. Hutton rechnet damit, daß sich das Satelliten-Kommunikationssystem nach sechs oder sieben Betriebsmonaten amortisiert hat. Zu der über Satellit laufenden Kommunikation gehören der "Morning Market Letter" von E. F. Hutton, der die Broker auf den aktuellen Stand der Börse bringt, sowie "Profitline, ein Gespräch über Absatzstrategien und Wirtschaftslage". Mit 48 Kilobit pro Sekunde klingt die Stimme über "Profitline" nicht mehr nach Mickymaus.