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12.11.1998 - 

Deutsche Anwender fahren in der Regel zweigleisig

Browser sind für Firmen kein strategisches Produkt

CW-Bericht Frank Niemann Netscape und Microsoft, die führenden Hersteller im Web-Browser-Markt, haben die Funktionen ihrer Software angeglichen. Da zudem beide Firmen ihre Programme kostenlos abgeben, stellt sich die Frage, ob die Internet-Software in Anwenderunternehmen noch Gegenstand strategischer Überlegungen ist.

Teilweise treffen Unternehmen die Entscheidung für einen Browser emotional. Nach den Erfahrungen von Petra Vogler, Gründerin des Kompetenzzentrums Intra- und Internet an der Universität St. Gallen, lehnen einige Microsofts Internet-Tool ab, da sie die ohnehin große Dominanz des Softwarekonzerns nicht gutheißen. Bei anderen Firmen ist die Hinwendung zu einem Browser mit der Server-Strategie gekoppelt, erläutert die Intranet-Expertin. Wer Netscapes Web-Server verwendet, installiert auf den Desktops meist auch den Client der kalifornischen Softwareschmiede. Das empfiehlt auch Anke Hoffmann, Consultant für Internet und Electronic Commerce bei der Meta Group.

Einen anderen Eindruck vom Verhalten deutscher Anwender hat Thomas Schaeben, Geschäftsführer der Internet-Consulting-Firma US Web Innomate aus Düsseldorf. Seiner Meinung nach treffen im Gegensatz zu den USA die Unternehmen hierzulande keine strategischen Entscheidungen in Sachen Browser. Vielmehr machten sich die IT-Verantwortlichen Gedanken über die geeignete Server-Technik.

Tendenziell scheinen sich Unternehmen bevorzugt für den Internet Explorer zu entscheiden, wenn sie hauptsächlich Softwareprodukte von Microsoft einsetzen. Der Web-Client wird mit Windows ausgeliefert und ist zudem eng mit dem Betriebssystem sowie der "Office"-Suite verknüpft. Aus diesem Grund verwenden beispielsweise die Mitarbeiter des Einrichtungshauses Möbel Walther AG das Web-Programm des Software-Anbieters. Technische Vorteile haben dabei, so IT-Leiter Dietmar Herrmann, keine Rolle gespielt.

Volkswagen dagegen empfiehlt seinen Anwendern den Net- scape-Browser. Trotzdem verbietet der Autohersteller seinen Mitarbeitern nicht, auch mit anderen Web-Clients zu surfen, erläutert Michael Metzner, der Verantwortliche für die Informationssysteme im Bereich After Sales. Der User-Support hat sich mit der Situation abgefunden und leistet Hilfestellung für beide Web-Clients.

In erster Linie nutzt Volkswagen sein Intranet zum Verbreiten von Informationen. Mehr und mehr will der Autobauer aber dialogorientierte Anwendungen der Mainframes Web-fähig machen. Hierbei setzt das Unternehmen auf Java. Metzner ist davon überzeugt, daß diese Programmier- und Ablaufumgebung von Netscapes Web-Client besser unterstützt wird als durch Microsofts Browser.

Dennoch wird das IT-Management nach Meinung von Metzner wohl nicht umhinkommen, auch die Kompatibilität mit dem Microsoft-Produkt unter Beweis zu stellen. "Wir können nicht gegen die Marktmacht argumentieren", meint der VW-Manager. Schließlich seien die Mitarbeiter in der Lage, sich über das Internet den Browser zu laden, den sie wollen. Dies ließe sich nur verhindern, wenn VW den Internet-Zugang sperren würde.

Im Gegensatz zu Volkswagen dürfen die Anwender bei der Lufthansa nur mit dem Browser von Netscape arbeiten. Die Entscheidung fiel bereits vor etwa vier Jahren, so Diaz Rohr, Leiter Informations-Management im Unternehmensbereich Passage. "Wenn jemand trotzdem den Internet Explorer installiert und seinen Rechner dadurch lahmlegt, gibt es Ärger", warnt der IT-Manager. Die rund 4000 Browser-Benutzer der Abteilung greifen mit dem Web-Client unter anderem auf Mainframe-Daten zu. In Zukunft will Rohr die Software von einer zentralen Stelle aus auf die PCs verteilen.

Wie die Lufthansa hat auch National Semiconductor den Net- scape-Browser standardisiert. Die Vorgabe kam aus dem kalifornischen Headquarter und gilt für alle Niederlassungen des Halbleiterherstellers. Zwar sind im Gegensatz zur Lufthansa andere Web-Clients nicht verboten, der User-Support hilft den Anwendern allerdings nur beim Navigator weiter. Weltweit greifen rund 7000 Mitarbeiter auf das Intranet zu, erläutert Wolfgang Paché, Director Information Services Europe bei National Semiconductor in Fürstenfeldbruck.

Die Situation bei VW und National Semiconductor spiegelt sich in einer Untersuchung der Meta Group wider. Das Marktforschungsunternehmen befragte Anfang des Jahres große und mittelständische Firmen in Deutschland, welchen Browser die Mitarbeiter nutzen. Die Analysten ließen dabei Mehrfachnennungen zu. Demnach liegt Netscapes Erzeugnis in der Gunst der Großunternehmen leicht vorn. 61 Prozent von 231 befragten Firmen gaben an, ihre Angestellten würden mit dem Navigator surfen. Gleichzeitig sagten jedoch 52 Prozent, sie würden parallel dazu Internet Explorer verwenden. Große Firmen wie die Lufthansa, die andere Browser ausschließen, dürften eher zur Ausnahme gehören.

Im Mittelstand scheint dagegen Microsoft die Nase vorn zu haben. Von den 37 Unternehmen, welche die Meta Group befragte, bekennen sich 49 Prozent zum Web-Browser aus Redmond, 43 Prozent zum Netscape-Erzeugnis.

Zwar verfügen die beiden führenden Browser über nahezu die gleichen Funktionen, doch heißt dies noch lange nicht, daß sie auch untereinander kompatibel sind. So verhalten sich die Web-Programme bei der Verarbeitung von statischem HTML nahezu gleich, bei dynamischen Seiten weichen die Konzepte jedoch stark voneinander ab.

Erschwerend kommt hinzu, daß nicht alle Anwender die aktuelle Browser-Version nutzen. Dies gilt sowohl für firmeneigene Intranets als auch im Internet. Deshalb programmieren die Web-Entwickler bei Sinner & Schrader Interactive Marketing aus Hamburg für ihre Kunden ausschließlich solche Web-Seiten, die von Browsern ab der Version 3 verarbeitet werden können. Dies ist auch nötig, denn eine Auswertung der Log-Dateien des hauseigenen Web-Servers bei Sinner & Schrader ergab, daß immerhin noch 25 Prozent der Besucher einen älteren Web-Client verwenden.

"Wir setzen sehr sparsam Javascript ein und verwenden Java nicht auf dem Client, sondern lediglich auf dem Server", erklärt Geschäftsführer Matthias Schrader das Vorgehen seines Unternehmens. Ebenso verzichtet der Web-Dienstleister auf Microsofts Active X und den Einsatz von Plug-ins. Selbst für transaktionsorientierte Sites reicht der Funktionsumfang von HTML völlig aus, gibt sich Schrader überzeugt. Als Beispiele nennt er die kommerziellen Homepages von Dell und Amazon.com.

Wer dennoch nicht auf dynamische Web-Seiten verzichten möchte, muß einige Anstrengungen unternehmen, um beide Browser-Lager gleichermaßen zu bedienen. Arge Unterschiede gibt es laut Thomas Lansing, Leiter Information Services and Technology bei US Web Innomate, vor allem beim Verarbeiten von Javascript. So definierten beide Hersteller Events und Objekte, die im jeweils anderen Produkt nicht vorkommen.

Die Kontrahenten haben auch das Document Object Model (DOM) unterschiedlich implementiert. Dabei handelt es sich um ein Applications Programming Interface (API) zur Handhabung von Dokumenten und Daten durch eine Programmiersprache. Hier ist jedoch baldige Besserung in Sicht: Das World Wide Web Consortium (W3C) hat jüngst eine DOM-Spezifikation als Standard verabschiedet.

Um die größten Klippen zu umschiffen, fügen Web-Designer beim Programmieren Abfragen ein, die automatisch ermitteln, mit welchem Browser der Anwender die Site besucht. Kritische Teile des Codes werden für den jeweiligen Web-Client getrennt geschrieben. Nach Meinung von Experten erhöht dies allerdings den Aufwand für das Entwickeln von Web-Seiten um 25 Prozent.

Flash läuft auf beiden Browsern

Laut Lansing sei es aber mit der "Flash"-Technik des Web-Publishing-Experten Macromedia möglich, dynamische Seiten zu erstellen, ohne Inkompatibilitäten befürchten zu müssen. Flash ist Bestandteil der beiden führenden Browser und unterstützt alle Windows-Derivate sowie Macintosh-Rechner. Web-Designer müssen ihre Internet-Anwendungen somit nur einmal entwickeln. Das Konzept scheint große Beachtung zu finden. Nach Angaben von Macromedia haben seit 1997 etwa 40 Millionen User weltweit die Flash-Software geladen.

Was die Zuverlässigkeit ihrer Web-Software anbetrifft, bekleckern sich beide Anbieter nicht mit Ruhm. Fast jede Woche entdecken Sicherheitsexperten neue Sicherheitslücken.