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Hohe Investitionen in Weiterentwicklung


28.02.1992 - 

BS2000: Starke Position an den Ostmärkten läßt hoffen

*AIexander Steuernagel und Karsten Prey sind Berater bei der Diebold Deutschland GmbH in Eschborn

Die DV-Welt spricht vom Downsizing, von Client-Server-Architekturen, von verteilter Datenverarbeitung etc. Alexander Steuernagel und Karsten Prey* stellen die Frage: Welche Bedingungen muß ein Mainframe-System Ó la BS2000 von Siemens-Nixdorf erfüllen, um in einer solchen DV-Landschaft zu überleben?

Trotz der grundsätzlichen Diskussion über die Zukunft und den Sinn des Einsatzes von Großrechner-Systemen behalten zentral orientierte und leistungsfähige Betriebssysteme wie BS2000 und die zugehörige Hardware eine strategische Bedeutung für die Informationsverarbeitung in großen Unternehmen. Entscheidend ist die Frage: Inwieweit wird sich der Mainframe in sich verändernde Organisationen und DV-Strukturen einfügen können?

Nach Jahren fetter Gewinne aus dem Mainframe-Geschäft, weht den Anbietern zunehmend der Wind ins Gesicht. Die "Dinosaurier" werden von allen Seiten angegriffen. Sowohl Minicomputer als auch PC-Netzwerke scheinen den Platzhirsch aus seinem angestammten Terrain vertreiben zu wollen.

Anwender profitieren vom harten Wettbewerb

Anwender halten heute aus mehreren Gründen nach IT-AIternativen Ausschau. Der Trend zu Downsizing-Konzepten und neuen IT-lnfrastrukturmodellen hat sowohl marktwirtschaftliche als auch technologische Ursachen.

Eine primär durch den PC in Gang gesetzte technologische Revolution in der Datenverarbeitung hat aufgrund der Vergleichbarkeit dieser Systeme und dem Preisverfall bei Elektronikbausteinen zu einem harten Preiswettbewerb zum Vorteil des Anwenders geführt.

Gleichzeitig ist die Prozessorleistung auf allen Rechnerebenen durch neue Technologien stark gestiegen. Das Leistungswachstum wird besonders am Beispiel der Intel-Prozessoren deutlich: Der 80486-Prozessor bietet die 30-40fache Leistung des früheren 80286. Wurde der PC anfangs noch von der zentralen DV belächelt, ist er heute nicht mehr aus den Unternehmen wegzudenken. Die hohe Leistung dieser Systeme und verfügbare Funktionen, wie zum Beispiel grafische Benutzeroberflächen und Fenstertechniken, erzwingen geradezu eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen den unterschiedlichen DV-Welten.

Marktsättigungs-Tendenzen und veränderte Marktanforderungen erfordern in den Unternehmen zukünftig immer stärkere, schlankere, dezentrale Organisationsformen, die schnell auf Veränderungen im Markt reagieren können. Hierzu werden flexible DV-lnfrastrukturkonzepte benötigt, die entsprechend anpassungsfähig sind und technologische Innovationen berücksichtigen können.

Die künftige Arbeitsteilung wird sich unter anderem in sogenannten Client-Server-Konzepten widerspiegeln, in denen die Großrechner als Datenbank-, Kommunikations- und Verarbeitungs-Server für extrem hohe Speicher- und Verarbeitungsleistungen fungieren und der PC in erster Linie Präsentationsfunktionen übernimmt.

Damit fällt dem Mainframe eine neue Rolle zu. Von den Anbietern werden hohe Investitionen und Entwicklungen in klar definierten Schnittstellenkonzepten und Software-Architekturen verlangt.

Der Großrechnermarkt ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt durch Stagnation der Absatzzahlen gekennzeichnet.

Ein harter Verdrängungswettbewerb aufgrund eines weitgehend gesättigten Marktes mit zukünftig lediglich geringem Wachstum (zwei bis drei Prozent), hat zu einer starken Konzentration, sowohl bei den einstigen "Bunch"-Anbietern (Burroughs, Univac, NCR, CDC, Honeywell Bull) als auch den PCMern (Plug Compatible Manufacturer) geführt.

Selbst Marktführer IBM hatte in den letzten Jahren Schwierigkeiten, die geplanten Absatzziele zu erreichen. Die Umsatzeinbußen konnten lediglich aufgrund einer geschickten Produkt- und Ankündigungspolitik, mit der hohen Marktakzeptanz der AS/400 sowie zunehmend mit der Unix-basierten RS/6000-Familie ausgeglichen werden.

Zur Verschärfung des Wettbewerbs im Mainframe-Markt führt außerdem das Angebot typischer Minicomputer-Anbieter. Aufgrund ihrer steigenden Leistungsfähigkeit drängen Systeme wie die VAX 9000 von Digital Equipment, die Cyclone-Rechner von Tandem oder Hewlett-Packard-Systeme der Serie 9000 in die klassische Domäne der Mainframes.

Als einer der wenigen klassischen Mainframe-Anbieter mit eigener Großrechner-Architektur, hat sich Siemens-Nixdol mit der Rechnerfamilie 7500 und dem Betriebssystem BS2000 in Europa etabliert, wobei der Schwerpunkt der Marktaktivitäten eindeutig auf den deutschsprachigen Raum begrenzt ist. Als Schlüsselprodukt war BS2000 schon für den Bereich Daten- und Informationssysteme der Siemens AG für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich.

Innerhalb der SNI AG machen die sogenannten Small Systems, darunter die Quattro als Nachfolger der proprietären Nixdorf-8870-Midrangerechner und die Unix-Systeme der Targon- und der MX-Reihe, heute den größeren Umsatzanteil mit rund 40 Prozent aus. Aber der Bereich General Purpose Computer mit BS2000 nimmt mit 35 Prozent nach wie vor ebenfalls eine dominante Stellung ein, zumal in diesem Bereich profitabel gearbeitet wird. Dies unterstreicht die strategische Wichtigkeit von BS2000 für den Anbieter.

Insgesamt 5000 Systeme der Rechnerreihe 7500 sind heute installiert. Davon stehen 65 Prozent in Deutschland. Die Rechnerpallette, die Systeme vom klassischen Mainframe-Computer mit "/370-Architektur" bis hinunter zum Bürocomputer umfaßt, deckt mit dem Betriebssystem BS2000 heute einen Leistungrsbereich von 0,5 Mips (Modell C30) bis 100 Mips (Modell H120) ab.

Investitionen werden geschützt

Einheitliche kompatible Systemschnittstellen (Application Binary Interfaces) vom kleinsten bis zum größten Computermodell garantieren die volle Portabilität von Anwendungsprogrammen im Source- und Object-Code über die unterschiedlichen Hardware-Architekturen. Dies sichert bei neuen Betriebssystem-Versionen beziehungsweise beim Systemwechsel die Software-Investitionen des Anwenders. BS2000 unterstützt 31-bit-Adressierung und hohe Sicherheitsanforderungen - und ist insofern vergleichbar mit IBMs MVS.

Um die BS2000-Attraktivität zu erhalten und die genannten IT-Bedürfnisse von Anwendern zu realisieren und damit auf relevante Markttrends zu reagieren, wurde von SNI ein Systemkonzept definiert, das den zukünftigen Rahmen für Konfigurationen und Schnittstellen - in Hard- und Software - definiert. Das Client-Server-Modell bildet im Systemkonzept die Basis für die Kommunikation zwischen Teilen von Netzwerk-Applikationen.

Der Rahmen ist durch das Schnittstellen-Architekturmodell SIA (Systems Interfaces for Applications) bezeichnet, das vergleichbar ist mit der SAA-Architektur von IBM. Innerhalb der SIA werden einheitliche Application Programming Interfaces (APls) definiert für:

- Programmiersprachen

- 4GL

- Datenbankzugriff,

- Programm-zu-Programm-Kommunikation,

- Transaktionsverarbeitung,

- Server-Zugriff,

- Präsentation.

Die APls sollen nicht nur für BS2000 und Sinix identisch sein, sondern auch wichtige externe und marktrelevante API-Welten einbeziehen, zum Beispiel

- Open Systems Interfaces (wesentlich X/Open und Posix),

- PC-APls (MS-DOS, OS/2) und

- SAA.

SIA hat damit die Verteilbarkeit von Anwendungsteilen über Systemgrenzen hinweg (Client-Server) und die Portabilität von Anwendungen primär zwischen BS2000 und Sinix zum Ziel.

Hielt man sich in der Vergangenheit generell sehr bedeckt bezüglich der IBM /360 beziehungsweise /370-Affinität der 7500-Architektur, so wird dies heute von SNI als strategischer Vorteil dargestellt. Die Nähe zur IBM-Großrechnerwelt von /370-I/O-Kanälen (Kanaltyp 2) in der Hardware bis zur 31-Bit-Adressierung des BS2000 bietet Anwendern die Möglichkeit auf eine breite Palette /370-kompatibler Peripherie zurückzugreifen.

Auch die Attraktivität und Bandbreite des von Software-Häusern angebotenen Software-Spektrums für BS2000 ist nicht zuletzt der IBM-Nähe des Systems zu verdanken. An erster Stelle ist hier sicherlich, neben anderen Software-Anbietern, SAP mit ihrer Standardsoftware R/2 beziehungsweise langfristig R/3 zu sehen, das sowohl unter MVS als auch unter BS2000 angeboten wird.

Mit der Weiterentwicklung von BS2000 plant Siemens-Nixdorf in der nächsten Version die Implementierung von /390-Architekturfunktionen, wie zum Beispiel die Unterstützung von Escon. Um den Leistungsanforderungen primär großer Kunden im oberen Leistungsbereich der 7500-Familie gerecht zu werden, lautet das kurzfristige Ziel die Systemleistung mit Multiprozessoranlagen in einem ersten Schritt auf zirka 200 Mips zu erhöhen.

Die entsprechende Ankündigung wird für das erste Halbjahr 1992 erwartet. In einem weiteren evolutionären Schritt soll die Meßlatte auf 500 Mips gelegt werden. SNI hält daran fest, das Leistungsspektrum durch das "eine" Betriebssystem BS2000 abzudecken. Um die hohen Kundeninvestitionen in Hardware und Software zu schützen und die Marktbedeutung zu erhöhen, wird SNI zukünftig pro Jahr etwa 250 bis 300 Millionen Mark in die Weiterentwicklung von BS2000 investieren. Dies zeigt die immense Bedeutung der Betriebssysteme für den Anbieter.

Bezüglich der Marktchancen mit BS2000 scheint Siemens-Nixdorf in einigen Regionen besonders gut gerüstet zu sein. Durch die politischen Veränderungen im Osten konnte SNI schon 1990 gerade in den neuen Bundesländern die installierte Basis erheblich erweitern und neue Kunden primär in der öffentlichen Verwaltung gewinnen. Der schon in den alten Bundesländern traditionell gute Zugang zu diesem Markt hat sich hier als besonders vorteilhaft erwiesen. SNI reklamiert dort nach neuesten Erhebungen sogar die Marktführerschaft vor IBM .

Auch die historisch gewachsenen Beziehungen der Firma Siemens zur ehemaligen Sowjetunion sollten eine gute Startposition für neue Märkte in dieser Region bieten. In weiteren regionalen Märkten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, hatte Siemens in der Vergangenheit große Probleme, BS2000 auch nur ansatzweise durchzusetzen.

Gründe hierfür sind einerseits die Stärke der IBM im heimischen Markt und andererseits die Fokussierung der SNI Software-Lösungsansätze auf dem deutschen (und europäischen) Markt. Ob sich dies in Zukunft ändern wird ist zweifelhaft.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg im DV-Markt ist die Umsetzung von technologischen Trends in reale Produkte, dies gilt auch für Mainframe-Betriebssysteme wie BS2000.

Mit der generell guten Kommunikationsfähigkeit im homogenen als auch heterogenen Umfeld über Transdata-, SNA und OSI-Netze bietet BS2000 gute Voraussetzungen zur Umsetzung dieser Trends. Die zügige Realisierung des Architekturmodells SIA für verteilte sowie Client-Server-Anwendungen und eine Öffnung mit Posix-Betriebssystemschnittstellen, würde die BS2000-Attraktivität weiter erhöhen. Auch durch Sinix-Unterstützung könnte SNI mit BS2000 dem Hauptwettbewerber IBM (VM-AIX-Koppelung) stärker paroli bieten, beziehungsweise Anwenderforderungen primär im öffentlichen Bereich gerecht werden. Um die zukünftige Marktposition von BS2000 beurteilen zu können, wird letztendlich auch entscheidend sein, wie Neues mit Altem verbunden werden kann.

Die künstlich aufgebaute Polarisierung Ende der 80er Jahre zwischen Online Transaction Processing (OLTP), einer Domäne von BS2000 und anderen Mainframe-Betriebssystemen und der Client-Server-Verarbeitung auf der anderen Seite ist falsch. Gerade die Möglichkeit der Verbindung von neuen Technologien mit ausgereiften Konzepten, wird die Anwender dazu in die Lage versetzen, die strategischen Anforderungen von Unternehmen in diesem Jahrzehnt zu realisieren.