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12.04.1991 - 

Mit geänderter Corporate Identity zu neuen Märkten

BT sucht den Erfolg verstärkt im internationalen TK-Busineß

LONDON/ESCHBORN (gh) - Die vollständige Liberalisierung des britischen TK-Marktes ist nunmehr beschlossene Sache. Das jüngste Duopol-Urteil des britischen Ministeriums für Nachrichtentechnik verfügte die endgültige Aufhebung des Monopols von British Telecom und dem Privatanbieter Mercury.

Die halbstaatliche PTT des Vereinigten Königreiches reagierte bereits mit einer weitgreifenden Unternehmensreorganisation. Gleichzeitig kündigte die britische Regierung an, große Teile oder sogar das gesamte Paket ihrer BT-Anteile veräußern zu wollen.

Intention des Duopol-Urteils ist es, in Großbritannien. weitere Netzbetreiber im Bereich Daten- und Sprachkommunikation zuzulassen und damit den Markt für in- und ausländische Anbieter zu öffnen. Handelsminister Peter Lilley kündigte bereits - vor dem Unterhaus entsprechende Gesetzesinitiativen seiner Regierung an. Noch für dieses Jahr sei vorgesehen, daß weitere Unternehmen Lizenzanträge zum Betrieb von lokalen und internationalen Telefonnetzen stellen können. Die Öffnung des TK-Marktes wird nach Ansicht des Ministers mehr Wettbewerb erzeugen und zu einer Gebührenreduzierung führen. BT kontrolliert derzeit noch rund 95 Prozent des britischen TK-Marktes, der Rest entfällt auf Mercury.

"Damit ist man auf der Insel der bundesdeutschen Entwicklung um Jahre voraus", kommentiert Klaus Vormberge, Geschäftsführer der bundesdeutschen Dependance des Carriers, der BT (Deutschland) GmbH, die veränderte Situation für sein Unternehmen. Besondere Brisanz bekommt das Urteil nach Ansicht Vormberges durch die Ankündigung der britischen Regierung, demnächst ihren Anteil von 48,6 Prozent an BT ganz oder teilweise an der Börse anzubieten. Der deutsche BT-Manager wertet die in der "Financial Times" zitierten Planspiele des staatlichen PTT-Aktionärs als "konkrete Absichtserklärung", die im Einklang mit den langjährigen Privatisierungsbestrebungen der Regierung Thatcher stünden - dies unabhängig von der Tatsache, daß "durch das Duopol-Urteil der heimische Markt für BT nicht einfacher werden wird".

Überraschend kam diese Entwicklung für den Carrier nicht, und man zeigte sich gut vorbereitet. Schon seit etwa drei Jahren ist BT bemüht, durch Kooperationen in Nordamerika, Fernost und Europa entsprechende Service-Infrastrukturen in den wesentlichen Kommunikationsmärkten zu etablieren. Dazu zählen die Gründung einer Reihe von BT-Tochtergesellschaften ebenso wie die spektakuläre Übernahme des Tymnet-Netzes von McDonell-Douglas. Auch die Gerüchte um eine Kooperation mit IBM im Bereich internationaler Unternehmensnetze sind noch nicht vom Tisch. Vormberge hierzu: "Ich kann nicht dementieren, daß wir mit guten Kunden immer Gespräche führen."

Es war nach den Worten des GmbH-Chefs schon seit längerem klar, daß "Wachstum nur noch im internationalen Busineß zu erzielen ist". Der inländische Markt auf der Insel werde zwar weiter wachsen, aber gleichzeitig auch die Zahl der Anbieter. Einige Konsortien stehen schon Gewehr bei Fuß; vor allem die British Rail, die ähnlich wie die Deutsche Bundesbahn über ein eigenes Netz verfügt, wird in absehbarer Zeit als Anbieter in Erscheinung treten. Hinzu kommt das unverhohlene Interesse ausländischer Anbieter, etwa der regionalen Telefongesellschaften der USA.

Zeitgleich und sicherlich nicht ganz zufällig mit dem Duopol-Urteil hat sich der britische Carrier nun ein neues Image und eine neue Unternehmensstruktur verpaßt. Die intern und bei vielen Kunden gebräuchliche Abkürzung "BT" wird nun offiziell als Firmennamen geführt und soll die Wandlung vom ehemaligen Staatsunternehmen British Telecom zu einem weltweit agierenden TK-Konzern dokumentieren. Das gesamte BT-Dienstleistungsangebot wurde in zwei auf die zukünftigen Kunden ausgerichtete Segmente unterteilt: den Bereich "Business Communication" für große lokale und internationale Unternehmen und den Bereich "Personal Communication", ein auf die spezifisch britischen Belange zugeschnittener Leistungskatalog für private und mittelständische Telefonkunden.

Mit dieser Reorganisation will man bei BT dem verstärkten internationalen Engagement Rechnung tragen und den Kunden weltweiten TK-Service aus einer Hand bieten. Es geht nicht darum, so Vormberge abschließend, der Telekom im bundesdeutschen Markt Konkurrenz zu machen, sondern "wir wollen intensiv daran arbeiten, in der internationalen Kommunikation zu einem Partner der Industrie zu werden".