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BT wagt Spagat zwischen Netz und IT

15.07.2005
Ein starker IT-Fokus soll BT Global Services als Dienstleister für multinationale Konzerne qualifizieren und das schwindende Festnetzgeschäft kompensieren.

An dem vermeintlich lukrativen Geschäft mit multinational agierenden Großkunden haben sich schon viele Anbieter die Finger verbrannt. Einer davon ist British Telecom - heute kurz BT genannt. Der Konzern musste teuer für die Ambitionen der einstigen Vorstände Iain Vallance und Peter Bonfield bezahlen, als Global Player aufzutreten und diese Zielgruppe so zu bedienen. Ihre Expansionsstrategie schlug fehl. Sie gipfelte in dem missglückten Übernahmeversuch des US-amerikanischen Netzbetreibers MCI sowie dem gescheiterten Joint Venture Concert. Das Gemeinschaftsunternehmen hatte BT mit AT&T gegründet, um international agierende Unternehmen weltweit mit TK- und Outsourcing-Services zu versorgen. Doch Concert schrieb rote Zahlen und trug mit zu dem gewaltigen Schuldenberg bei, der sich im Jahr 2000 angehäuft hatte.

Um den Konzern zu retten, wurde der Bereich "Gelbe Seiten" verkauft und die Mobilfunksparte BT Wireless zum heutigen Anbieter mmO2 ausgegründet. Auch im Geschäft mit internationalen Großkunden musste der Netzbetreiber kleinere Brötchen backen und konzentrierte sich mehr auf Westeuropa.

Es erscheint fast als Ironie des Schicksals, dass die Konzernsparte BT Global Services heute wieder der große Hoffungsträger der Company ist. Geht es nach dem Willen von CEO Ben Verwaayen, soll das Geschäft mit Weltkonzernen wesentlich dazu beitragen, die schrumpfenden Umsätze im Festnetzmarkt (BT Retail) sowie im Minutengeschäft mit Carriern (BT Wholesale) aufzufangen. Ziel von Verwaayen ist es, bei nationalen wie auch internationalen Großunternehmen mit dem Angebot von "Networked IT-Services" zu punkten. Mit anderen Worten: Kunden sollen ihre IT-Welten - vornehmlich Data Center - durch die Nutzung der IP-basierenden BT-Netzinfrastruktur effizienter gestalten beziehungsweise konsolidieren.

BT Global Services bewegt sich damit, wie Verwaayen im Gespräch mit der computerwoche ausführt, "zwischen Netzwerk und IT". Der Konzern will sich dabei weiter auf seine Kernkompetenzen - das Angebot von WAN-Services sowie den Netzbetrieb als Outsourcer - konzentrieren. Allerdings analysiert BT in Projektgesprächen auch die bestehenden IT-Konstellationen des Kunden und erarbeitet Lösungsvorschläge, die über Änderungen der Infrastruktur hinausgehen. So hat die deutsche Landesgesellschaft für den Pay-TV-Sender Premiere zwar den Betrieb der Call-Center-Infrastruktur auf Basis von Voice over IP übernommen, aber dessen Kapazitätsprobleme nicht nur durch Netztechnik gelöst. Gemeinsam mit dem Kunden und dem Anbieter Wicom wurden die zwölf Call-Center zu einem virtuellen zusammengefasst, das die Ressourcen bei Premiere besser auslasten soll.

Dass der Carrier sich nun auch als IT-Dienstleister versteht, ist der stärkeren Einbindung des lange isolierten Systemintegrators Syntegra in die Konzernstruktur zu verdanken. Darüber hinaus wurden 1500 IT-Spezialisten abgeworben, weitere 800 sollen folgen.

Obwohl BT stark in IT-Know-how investiert, will sich Verwaayen nicht mit Spezialisten wie IBM Global Services, EDS, HP oder Accenture anlegen. Die Idee ist vielmehr, dass BT mit seiner IT-Qualifizierung bei Großaufträgen als Networking-Provider und Konsortialpartner eher Berücksichtigung findet. Umgekehrt kann der Netzbetreiber bei Ausschreibungen IT-Partner ins Boot holen.

Der jüngste Deal der Briten mit dem niederländischen Brauereikonzern Inbev zeigt, dass dieses Geschäft auf Gegenseitigkeit funktioniert. In dem auf sieben Jahre befristeten Outsourcing-Auftrag übernimmt BT das Management der weltweiten Datennetz- und Kommunikationsinfrastruktur, während IBM für den Betrieb der Rechenzentren und der Desktops verantwortlich ist.

Um auf seine globale IP-Infrastrukturplattform "21 th Century Network" IT-Services unterschiedlichster Kategorie aufsetzen zu können, hat BT bereits Kooperationsabkommen getroffen. So arbeiten die Briten auf Infrastrukturebene mit Cisco, Nortel und Intel zusammen. Im Sektor der Anwendungen und der Application-Management-Services greift das Unternehmen auf die Dienste von Microsoft, Siebel und Computacenter zurück. Outsourcing und Managed Services werden durch Anbieter wie Oracle, CSC und Network Appliance abgedeckt. Für die Business Transformation Services (BTS) ist Accenture der Ansprechpartner. HP kooperiert in allen Bereichen mit BT, mit Ausnahme der BTS.

Trotz des Partnerkonzepts wird es für BT Global Services aber nicht leicht, das Konzernwachstum zu sichern. Die Sparte wies in den letzten zwölf Quartalen zwar eine positive Umsatzentwicklung aus, schrieb im Ende März abgeschlossenen Fiskaljahr aber lediglich einen operativen Gewinn von zehn Millionen Euro. Immerhin setzte Verwaayen damit den Aufwärtstrend fort und führte den Bereich von einem 800-Millionen-Euro-Minus im Jahr 2001 nun in die Profitzone. Insgesamt erwirtschaftete BT Global Services im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und steigerte sich damit gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent.

Laut Verwaayen hat der Konzernbereich in den vergangenen drei Jahren ein Auftragsvolumen in Höhe von 25 Milliarden Euro erreicht. Der CEO ist davon überzeugt, dass sich die zahlreichen Projekte für BT Global Services aus zwei Gründen rechnen. Zum einen, weil es dem Unternehmen in der Regel gelingt, sein Bestandskundengeschäft durch die Verlängerung auslaufender Verträge zu halten. Für Wachstum sorgen, so kalkuliert Verwaayen, die neu hinzugewonnenen Abschlüsse wie zum Beispiel mit Unilever oder Inbev.

Der CEO ist ferner davon überzeugt, die Position von BT Global Services durch die Akquisition von Infonet, Albacom und Radianz zusätzlich gestärkt zu haben. Unter dem Gesichtspunkt, Großkunden weltweit TK-Dienste sowie den Netzbetrieb anzubieten, ist die Akquisition von Infonet am höchsten einzuschätzen. Das US-Unternehmen stärkt die Präsenz der Briten insbesondere in den USA sowie im asiatischen Raum. Außerdem brachte Infonet 1800 Firmenkunden mit in die Ehe, darunter Volkswagen.

Das gesamte Marktvolumen, das BT Global Services mit seinem Portfolio adressieren kann, beziffert der Carrier derzeit auf rund 500 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Bis 2008 soll sich das Geschäft, so die Prognose, auf über 700 Milliarden Euro ausweiten. Gute Chancen, sich ein Stück von dem Kuchen abzuschneiden, werden BT dabei im Bereich der WAN-Services eingeräumt. Durch den Kauf von Infonet rückt BT im Ranking von Forrester Research nach oben. Die Analysten stufen den Netzbetreiber hinter Equant und AT&T an dritter Position ein. Diese drei Anbieter werden Forrester zufolge in den kommenden drei Jahren den internationalen WAN-Markt anführen und zusammen über ein Drittel des Umsatzes auf sich vereinen.

Bezogen auf das IT-Engagement gibt es aber auch mahnende Stimmen. "IT-Services waren erneut der Wachstumsmotor von BT. Es ist jedoch fraglich, wie lange dieses Business das hohe organische Wachstum liefern kann, das BT benötigt, um seine schrumpfenden Geschäfte im Festnetzmarkt auszugleichen", warnt Ovum-Analyst Samad Masood.