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01.03.1996 - 

Britische Unternehmen telefonieren um 18 Prozent billiger

BT wirft Telekom Argumentation mit alten OECD-Statistiken vor

Hintergrund der Kritik ist eine Anzeige des Bonner Carriers, die vor rund zwei Wochen in mehreren deutschen ueberregionalen Tageszeiten lief. Neben der dort aufgestellten Behauptung, dass das Telefonieren in Deutschland preisguenstiger als in den beiden Telecom-politischen "Vorbildlaendern" USA und Grossbritannien sei, wird BT zufolge ein direkter Vergleich von Telekom- und BT-Tarifen fuer unterschiedlich lange Ortsgespraeche gezogen, bei dem die deutsche Seite ueberwiegend besser abschneidet.

Bei dieser Gegenueberstellung versaeume aber die Telekom, wie es in London heisst, darauf hinzuweisen, dass etwa dreiminuetige Ortsgespraeche am Wochenende verglichen mit den Tarifen in Deutschland nur die Haelfte kosten. Nicht erwaehnt wurde auch, dass bereits fuer eine Zuzahlung von zwei Pfund Sterling monatlich ein Rabatt von 15 Prozent gewaehrt werde. Zudem gebe es einen Nachlass von fuenf Prozent fuer maximal fuenf ausgewaehlte Rufnummern und damit ein Service-Portfolio, das die Telekom nach gegenwaertigem Planungsstand erst Ende 1996 wird anbieten koennen.

Die Darstellung der Telekom zeige ueberdies nicht, dass BT im nationalen und internationalen Fernsprechverkehr in den meisten Faellen wesentlich preisguenstiger als die Telekom sei, kritisieren die Briten weiter. Als besonders fragwuerdig wird in London in diesem Zusammenhang die Tatsache empfunden, dass sich das ehemalige deutsche Postunternehmen fuer den in der Anzeige in Ansaetzen dargestellten Tarifvergleich auf Zahlenmaterial der Organisation fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom 1. Januar 1994 beruft, wonach Privatkunden im Vereinigten Koenigreich durchschnittlich drei Prozent mehr fuer ihre Telefonate bezahlen muessen als die Bundesbuerger.

Die OECD habe aber laut BT bereits Zahlen bezogen auf den Preisstand 1. Januar 1995 vorgelegt. Dabei verschiebe sich das Bild in gleicher Prozenthoehe zugunsten des britischen Marktes. Wuerden Auslandsgespraeche sowie die genannten Aenderungen durch Kundenrabatte einbezogen, seien es nach Berechnungen britischer Analysten sogar neun Prozent, heisst es in BT-Kreisen selbstbewusst. Zudem verschweige die Telekom-Anzeige, dass auf der Basis der in Bonn verwendeten OECD-Daten von 1994 britische Unternehmen in der Regel um 18 Prozent geringere Telefonkosten aufweisen als ihre deutschen Wettbewerber.

Auf die geharnischte Kritik aus London angesprochen, reagierte ein Telekom-Sprecher gegenueber dem Wirtschafts-Informationdienst "vwd" zurueckhaltend. Man wolle die BT-Aeusserungen analysieren und zu einem spaeteren Zeitpunkt kommentieren, lautete die offizielle Stellungnahme. Weitaus auskunftsfreudiger zeigte sich der Sprecher bezueglich der ersten nachpruefbaren Auswirkungen der zu Jahresbeginn eingefuehrten Tarifreform beim Telefondienst. Diese hat, so die Telekom, die privaten Haushalte im Durchschnitt nicht staerker belastet, sondern der Mehrheit sogar Vorteile gebracht.

So ergab eine in Zusammenarbeit mit Infratest Burke und dem Roland Berger Institut fuer Markt- und Systemforschung vorgenommene repraesentative Stichprobe bei 5000 Telefonanschluessen (davon entfielen 2200 auf private Haushalte), dass 38 Prozent der Telefonkosten auf sogenannte City-Gespraeche, und dementsprechend 62 Prozent des Gebuehrenaufkommens auf Fern- und Auslandsgespraeche entfielen. Gerade in diesem Segment seien aber, so das gaengige Argument der Mannen um Telekom-Chef Ron Sommer, "drastische" Preissenkungen erfolgt.