Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.05.1989 - 

Am Beispiel einer konkreten Kostenrechnung:

Btx als Alternative zu Wählleitung/Modem

Btx kann durchaus mit den traditionellen Kommunikationswegen konkurrieren, wie Michael Rietschel* anhand einer beispielhaften Kostenrechnung für eine konkrete Aufgabenstellung des Datenaustausches zwischen Filialen und einer Zentrale darstellt. Dabei zeigt sich, daß in Abhängigkeit von der Zahl der Außenstellen, der zu übertragenden Datenmengen und tariflich relevanten Übertragungszeiten die Wirtschaftlichkeit eines Datenaustausches über das Btx-Netz durchaus gegeben ist.

Die Vielzahl von Protokollen, Standards, Netzwerken und Postdiensten erschwert dabei dem potentiellen Anwender die Transparenz und damit die Auswahl der für das Unternehmen oder die spezielle Aufgabenstellung jeweils effizientesten Kommunikationslösungen, die stets auch in das bestehende unternehmensindividuelle Organisations- und DV-Systemumfeld passen müssen.

Deshalb werden heute vielfach nur ausgetretene Kommunikationspfade beschritten. Dieses sind im allgemeinen Standleitungen (HfD), zum Beispiel mit dem SNA-Protokoll, Datex-P und das Fernsprech-Wählnetz der Bundespost, zum Beispiel zum File-Transfer von Dateien über Modems.

Alternative Postdienste und -Netze können in vielen Fällen erheblich investitions- und/oder betriebskostensparender verwendet werden. Am Beispiel der Anbindung von relativ kleinen, dezentralen Einheiten an eine Zentrale wird im folgenden auf Basis einer konkret geplanten Anwendung eine Kostenrechnung vorgestellt. Diese Problemstellung ist übertragbar und liegt praktisch bei allen filialisierten Unternehmen vor.

Der heutige Datenaustausch mit den Filialen erfolgt derzeit überwiegend per Telefon, Briefpost, Telex oder Telefax.

Die kalkulierte Anwendung besteht aus einem File-Transfer als Hintergrundverarbeitung, die alternativ zur Datenübertragung über das Wählnetz mit Modems verglichen wird. Die Daten umfassen Artikel- und Kassendaten und Bestellungen. Im Gegensatz zur Modemnutzung im Wählnetz liefert das Btx-Netz der Deutschen Bundespost ein komplettes Kommunikationsnetz mit entsprechender Zugangs- und Datensicherheit sowie einer durch das Protokoll gesicherten Datenübertragung.

Hinsichtlich der Endgeräte ergibt sich, daß diese vielfach vorhanden sind (PC) und nur einen Software-Decoder erfordern. Für den Endteilnehmer sind der Btx-Zugang und die Btx-Nutzung extrem preiswert.

Aufgrund dieser vielen Vorteile stellen sich sicherlich viele Leser die Frage, weshalb das Btx-Kommunikationsnetz dann noch nicht flächendeckend von allen Unternehmen der Zielgruppe kommerziell genutzt wird. Dies resultiert aus unserer Erfahrung daraus, daß Btx immer noch als Hausfrauen-EDV mißverstanden wird und die vielen fixen und variablen Kostenkomponenten bei Btx, die zudem noch zeitlich und volumenabhängig gestaffelt sind, die Kostentransparenz und damit den Kostenvergleich erschweren. Außerdem ist hostseitig im Normalfall ein höherer Kommunikationsaufwand zu treiben als bei einer reinen Modem-Lösung.

Das Kostenrechnungsprogramm berücksichtigt neben den Postgebühren und den Modemkosten die variablen Einflußparameter: Zahl der Außenstellen, zu übertragendes Datenvolumen von der Zentrale zu den Filialen, sowie von den Filialen zur Zentrale und die Arbeitstage je Monat.

Die Abbildung 1 zeigt die anfallenden DFÜ-Kosten für ein Datenvolumen von jeweils 20 kB-Daten in beiden Richtungen arbeitstäglich. Dieses Beispiel basiert auf 26 Arbeitstagen je Monat (6-Tage-Woche). Für Btx wurde vom DBT-03-Modem (1200/75 bps) mit achtmonatlichen Kosten ausgegangen. Die Btx-Anbietergebühren und Datex-P-Anschlüsse für den Host wurden berücksichtigt. Die Grafik zeigt einen Break-Even-Point bei 17 Filialen und erhebliche Einsparungspotentiale bei einer größeren Zahl von Filialen.

Die Abbildung 2 zeigt die Kostenstruktur bei der Modemlösung, bezogen auf 150 Filialen, wobei von bundesweiter Präsenz der Filialen und Telefonferntarif (Nachttarif) ausgegangen wurde. Es wird deutlich, daß die Bereitstellungskosten (Fixkosten) drei Viertel der Gesamtkosten ausmachen. Eine Optimierung des zu übertragenden Datenvolumens kann sich daher nur unwesentlich auswirken. Demgegenüber zeigt die Abbildung 3 für die Btx-Lösung einen Bereitstellungsanteil von rund einem Viertel der ohnehin wesentlich niedrigeren Absolutkosten.

In der Abbildung 4 sind die Abbildungen 2 und 3 in einer Grafik zusammen dargestellt, um die absoluten Kosten direkt vergleichen zu können. Selbst wenn die Lizenzkosten der Btx-Rechnerverbund-Software in die Rechnung einfließen, stellt sich die Btx-Lösung für 150 Filialen wesentlich günstiger dar (siehe Abbildung 5), wobei die Einmallizenz linear auf fünf Jahre abgeschrieben wurde. Der Break-Even-Punkt liegt inklusive Btx-Software bei 35 Filialen, wobei auch für die Modem-Lösung Hostsoftware erforderlich ist, die im Kostenvergleich nicht berücksichtigt wurde.

Als Fazit bleibt festzustellen, daß Bildschirmtext kostenmäßig eine sehr interessante Alternative zu andere Postdiensten darstellt. Aufgrund der Variation der Kostenrechnung wurde ermittelt, daß bei Variation des Datenvolumens kaum eine Verschiebung der Wirtschaftlichkeit stattfindet, das heißt, daß sich der Kostenvorteil von Btx im wesentlichen aufgrund der sehr niedrigen Bereitstellungsgebühren auf der Filialseite ergibt. Die variablen Kosten liegen in etwa auf dem Niveau der anderen Kommunikationswege, das heißt, auch bei wesentlich größeren Datenvolumina dominiert die Btx-Lösung.

Zusätzlich bieten beide Lösungen den zusätzlichen Nutzen eines Online-Zugriffs auf Host-Anwendungen. Hier stellt sich die Btx-Lösung als noch effizienter dar, da beim Wählnetz Fernsprechgebühren zum Hochtarif anfallen, während mit Btx zum Ortstarif kommuniziert werden kann.

Zwei weitere Aspekte machen den Btx-Dienst noch attraktiver; dies sind die von der DBP geschalteten Einwählpunkte zum Deutschen Btx-Netz, die in vielen Ländern bereits existieren und die zum Beispiel in diesem Jahr den Zugriff aus USA und China zu sehr attraktiven Zeitgebühren erlauben wird. Bereits heute existieren zwei Btx-Vermittlungsstellen, die ISDN-Anschlüsse anbieten.

Dieser Artikel sollte dazu beitragen, daß Btx endlich so gesehen wird, wie es sich in der Praxis bei noch viel zu wenigen Anwendern bewährt hat: als wirtschaftlich interessante Alternative zu anderen Kommunikationslösungen mit schon heute greifbaren Perspektiven für die Zukunft.