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30.08.1985 - 

Statusbericht im Vorfeld der Funkausstellung in Berlin:

Btx-Anbieter: Noch keine Gebührenerhöhung

BERLIN (bi) - Die zum 1. Januar 1986 vorgesehene stufenweise Erhöhung der Bildschirmtext-Gebühren auf ihr endgültiges Niveau (zum 1. Juli 1986) wird vermutlich um ein halbes Jahr verschoben. Dies legt ein Papier der Btx-Anbieter-Vereinigung sowie eine Äußerung aus dem Postministerium nahe. "Mit Sicherheit", so Eric Danke, "werden dem Postverwaltungsrat am 10. Oktober entsprechende Vorschläge unterbreitet."

Mit einer derartigen Maßnahme - so hieß es in Berlin zum Stand der Btx-Dinge vor der Presse - würde die Bundespost auf die nur langsam, wenn auch kontinuierlich wachsenden Anschlußzahlen - zur Zeit zirka 32 000 - reagieren und in direktem Zusammenhang damit auf das immer noch knappe Angebot an preiswertem Equipment für den privaten Teilnehmer. Zusatzkosten deutlich unter 500 Mark für den Fernsehapparat und ein breiteres Produktspektrum in dieser Gerätekategorie erwartet Danke erst gegen Ende 1986. Auf eine Palette an mit Eurom ausgerüsteten Btx-Endgeräten hofft der Post-Promotor indes zur Funkausstellung. Von der Postseite her werde man kräftig die Werbetrommel für den Btx-fähigen Mikro, aber auch für den Homecomputer rühren, der mit zirka einer Million Geräten auch für Btx ein ergiebiges Kundenpotential darstellt. Über Spiele und Telesoftware sollen am Funkturm auch jüngere Anwendergruppen an das System herangeführt werden. Zusatzkosten zum C 64 von Commodore betragen laut Danke knapp 600 Mark.

Gegen das dennoch nach wie vor ungelöste Henne-Ei-Problem im Sektor der privaten Nutzung, "die große Misere mit den Teilnehmern und den Endgeräten" (O-Ton), setzte Danke eine Erfolgsbilanz auf dem Sektor der gewerblichen Anwendung. Hier sei es nämlich allein wichtig, daß alle Geschäftspartner erreicht werden können. Der einzige Punkt: die Beeinträchtigung der gewerblichen Entwicklung durch die negative Berichterstattung über die Gesamtteilnehmerzahlen, die jedoch für die Zweierbeziehung, zum Beispiel zwischen Groß- und Einzelhändler, ohne Relevanz sei. Präsentiert wurden in Berlin nur Anwendungen innerhalb geschlossener Benutzergruppen. Diese fielen durchwegs auf durch kurze Antwortzeiten und komfortable Benutzeroberflächen. Buchungs- und Bestellvorgänge sowie Kundeninformation und Kontoführungsanwendungen kristallisieren sich als die zur Zeit häufigsten Einsatzgebiete für Bildschirmtext heraus. Hier scheint sich der Dienst auch eindeutig zu rechnen.

Zum System selbst führte Danke aus, daß bis Ende dieses Jahres mit 20 000, bis Ende 1986 dann mit zirka 30 000 Zugängen zu rechnen sei. Das System sei inzwischen stabil, auch setze man bei der Post "alles daran, an dieser Basis nicht zu rütteln". Weitere Verbesserungen der Benutzeroberfläche sind für 1986 geplant, dabei als großer Schritt die "Regionalisierung". Mit der zweiten Ausbaustufe '86 sollen dann auch solche Erweiterungen im Leistungsprogramm vorgenommen werden, deren Realisierung bis jetzt zurückgestellt wurde, "um die neue Systemtechnik nicht von Anfang zu komplex werden zu lassen", so wörtlich. Ein wesentlicher Vorteil der Regionalisierung seien niedrigere Gebühren für regionale Angebote; ein 50-Seiten-Angebot könne für zirka 100 Mark Monatsgebühren schon bereitgestellt werden. Neu wird auch die Möglichkeit sein, unterschiedliche Mitbenutzerkennungen zu vergeben, die je nach internen Bedürfnissen unterschiedliche Berechtigungen haben können.

Ab '87 übergreifender Mitteilungsaustausch

Für die nachfolgenden Ausbaustufen sind etwa einjährige Zeiträume vorgesehen; der genaue Leistungsumfang der für Anfang 1987 geplanten dritten Stufe jedoch ist noch nicht festgelegt. Bei den Funktionen stehen unter anderem noch Rücksprungmöglichkeiten, Kostenschwellen für Warnung und Sperre beim Abbruch vergütungspflichtiger Seiten, Löschmöglichkeiten zur Werbemitteilung, Kurzwahl transparente Datenübermittlung und die Unterstützung intelligenter Terminals zur Realisierung an. Einen weiteren Zusatznutzen soll die Integration von Bildschirmtext und Telex, Teletex und dem Telebox-Dienst bringen, womit ab 1987 dann ein Diensteübergreifender Mitteilungsaustausch ermöglicht werde. Einen starken Schub für Bildschirmtext erwartet sich Danke von den Multitels. Diese multifunktionalen Btx-Endgeräte mit Komforttelefon-Eigenschaften sollen in zweierlei Status angeboten werden können: von Privaten, aber im gewissen Umfang auch von der Bundespost. Tests mit Multitels seien eingeleitet, aber außer dem ,"Bitel" von Siemens stünden noch keine weiteren Geräte zur Verfügung. Angekündigt sind mehrere für den Herbst dieses Jahres. Wenn absehbar sei, welche Stückzahlen von den Herstellern geliefert werden könnten, dann würden auch entsprechende Entscheidungen bei der Bundespost fallen.

Definitiv scheint die Eröffnung "des elektronischen Telefonbuchs" auf der Funkausstellung zu sein. Die Fernsprechbereiche Hamburg, Berlin und München werden, "so die Technik will", als erste via Btx abfragbar sein.

Weniger sicher ist "die Eröffnung des grenzüberschreitenden Btx/ Videotext-Dienstes mit Frankreich", der auf höchster Ebene vereinbart worden war. Die Technik vermag den Absichtserklärungen der Politiker nicht zu folgen, aber die britische Softwareschmiede SDL, die der Post schon einmal bei der Realisierung der Übergangstechnik zu Hilfe kam, hat sich eine Präsentation zur Sicob in Paris Ende September zum Ziel ersetzt. Allenfalls "hinter dem Vorhang", sei auf der Funkausstellung schon einmal ein unvollständiger Verbund zwischen den unterschiedlichen Systemen zu begutachten, stellte Danke in Aussicht.