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Trotz Vergabeentscheidung - Österreichs Post ist sehr vorsichtig gestartet:


20.05.1983 - 

Btx-Auftrag: Siemens darf sich nicht zu früh freuen

CW-Bericht, Helga Biesel

WIEN - Vorläufig wird sich IBM am Ausbau des öffentlichen Bildschirmtext-Dienstes in Österreich nicht beteiligen. Den Zuschlag für die Projektleitung der ersten Ausbaustufe, die zunächst nur 4000 Teilnehmer umfaßt und die bereits Ende 1984 auslaufen soll, hat Siemens erhalten und zwar gegen die Mitbewerber IBM, Honeywell Bull und Digital Equipment. Die Verträge sollen allerdings, wie von Siemens selbst zu erfahren war, noch nicht unterzeichnet sein.

Offiziellen Verlautbarungen zufolge waren für die Btx-Wahl der Wiener das Preis-/Leistungsverhältnis und die Technik ausschlaggebend. Kenner der Vergabe-Usancen in der Alpenrepublik vermuten hingegen, daß das zur Zeit durch den verzögerten Start von Btx in der Bundesrepublik angekratzte Image des Marktführers einen Auftrag bereits jetzt an IBM nicht hätte opportun erscheinen lassen. Auch erinnern sich internationale Berater der österreichischen Regierung, die vor einiger Zeit einen großen ägyptischen Auftrag für die Wiener Siemens-Niederlassung vermitteln konnten, an offene "Restposten" im betreffenden Auftragsvolumen, die Siemens noch habe monieren können.

Zu solchen Spekulationen verleitet die Aussage des Generaldirektors der Post- und Telegraphenverwaltung, Dr. Heinrich Übleis, daß bereits im Frühjahr nächsten Jahres eine neue Ausschreibung des zukunftsträchtigen Systems aufgelegt werde, die dann allerdings für einen Kreis von 100000 Teilnehmern bis 1987 gedacht ist. Daß sich die Siemensianer, die für ihre umfangreiche Softwarecrew an der Donau (860 Programm- und Systementwickler) nun offenbar einen Auftrag im Wert von zirka 20 Millionen Mark an Land ziehen konnten, sich nicht allzu sicher fühlen können, auch in diesem lukrativen Folgegeschäft weiter mithalten zu können, beweist das vieldeutige Statement des Postgenerals: "Die Post- und Telegraphenverwaltung gibt vorerst nur eine erste Ausbaustufe in Auftrag, die den Bedarf bis Ende 1984 abdecken wird, um die weitere technologische Entwicklung auf diesem Gebiet, aber auch mögliche Preissenkungen abwarten zu können." Ferner hat die Post nachdrücklich darauf gedrängt, daß das System "nahtlos" in einen internationalen Btx-Verbund eingefügt werden kann.

Als eine Entscheidung, die "in Ordnung, aber wohl ein Provisorium" ist, bewerten auch burgenländische DFÜ-Spezialisten den fälligen und international mit Spannung erwarteten Entschluß, sich überhaupt schon einmal festzulegen und zum Jahresende auch öffentlich mit Btx zu starten.

Die ersten drei Btx-Zentralen sollen in Wien, Salzburg und Klagenfurt abgestellt werden, aber nicht von Siemens, sondern von der britischen GEC, die auf ihrer Hardware bereits Prestel und auch den deutschen Btx-Pilotversuch realisiert hat. Ein weiterer Kontroll- und Steuerungsrechner (Kontrollzentrum) ebenfalls von GEC soll das Basissystem von Wien aus steuern. Verbunden sind die Zentralen über Datex-P.

"Erweiterter Pilotversuch"

Der an deutschen Maßen gemessene "erweiterte Pilotversuch" soll soviel "einheimische Wertschöpfung" wie möglich berücksichtigen. So wurden denn auch schon weitere Auftragnehmer von eindeutig einheimischer Provenienz genannt: Für die Modems soll die Datentechnik Ges.m.b.H., Wien, mit eigenen Entwicklungen herangezogen werden (auch Distributor von Racal Milgo), ferner noch für weiteres Equipment die Kapsch AG, Wien, Hersteller einschlägiger nachrichtentechnischer Anlagen und Geräte, sowie die Schrack Elektronik AG, ebenfalls Wien. Last not least wird die Mupid Computergesellschaft m.b.H., Graz, profitieren. Anfragen zum Einbau ihres Decoders in Btx-Endgeräte erhält das Unternehmen dem Vernehmen nach täglich, unter anderem von Blaupunkt, Grundig und IBM. Für die Wiener DV-Messe "ifabo" war der "blaue" PC mit der Mupid-Platine schon Btx-fähig gemacht worden.

Der Anschluß eines Mupid wird nach Eröffnung des öffentlichen Bildschirmtextes nach Postinformationen 1 000 Schilling kosten, das Modem monatlich 70 und die monatliche Rate des Mupid 200 Schilling betragen.