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26.03.1982

Btx-Chancen szunächst in geschlossenen Benutzergruppen

Dr. Hans Friderich

Vorstandssprecher der Dresdner Bank

Wenn die Bundesrepublik bei den Informations- und Kommunikationstechnologien noch einen deutlichen Nachholbedarf hat, so gilt das sicher nicht für Bildschirmtext. Hier haben wir ein zukunftsweisendes und kostengünstiges Informations- und Kommunikationssystem, bei dem die Bundesrepublik Deutschland technologisch in der Führungsgruppe ist. Dabei war es unbestritten der Verdienst der Deutschen Bundespost, die Vorteile - vor allem die der Dialogfähigkeit - dieses neuen Mediums erkannt und konsequent weiterverfolgt zu haben. Inzwischen sind Länder wie Belgien und Holland direkte Lizenznehmer der Bundespost und auch England als Pionierland des Bildschirmtextes hat über Prestel die Rechte für die weitere Vermarktung des Rechnerverbundes erworben.

Rechnerverbund-interessiert

Wie richtig die Einschätzung der Post war, zeigt die wachsende Zahl der am Rechnerverbund interessierten deutschen Unternehmen.

Daß darunter bereits jetzt acht Banken sind, entspricht dem Wunsch von rund 80 Prozent der derzeitigen Bildschirmtextteilnehmer, einen Teil ihrer Bankgeschäfte über einen häuslichen Fernseher zu tätigen. Ich bin zuversichtlich daß ein Großteil der Banken diesem Bedarf trotz des hohen Investitionsvolumens entsprechen wird.

Beim Stichwort "home banking" wird gelegentlich vermutet, daß sich Kunden und Nichtkunden über Bankdienstleistungen künftig nur noch zu Hause informieren und Aufträge elektronisch an die Bank geben, daß Mitarbeiter durch Computer ersetzt und die Geschäftsstellen - da funktionslos - letztlich aufgelöst werden. Hier gehen die Meinungen über die Konsequenzen von Bildschirmtext weit auseinander. Aber sind die häuslichen Terminals, Bildschirmtext- und Bankcomputer wirklich ein Ersatz für persönliche Bedienung und Beratung?

Ich meine für die absehbare Zukunft, nein. Bildschirmtext ist sicher dazu geeignet, den Service für Privat- oder Firmenkunden weiter zu verbessern. Wir erleichtern den Zugang zum Konto, damit die Bildschirmtextbenutzer zu jeder beliebigen Tageszeit Umsätze abfragen und Banktransaktionen vornehmen können. Bildschirmtext bietet sich für die normierbaren Dienstleistungen an. Damit sind meines Erachtens aber auch die Grenzen dieses Systems aufgezeigt. Eine Überweisung über Bildschirmtext zu veranlassen ist die eine Seite, eine zielgerechtere Beratung, die die individuellen Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt und die Möglichkeiten des Cross-Selling für die Bank aufzeigt, die andere. Wir sind davon überzeugt, daß unsere Kunden trotz der Informationsvielfalt erkennen, wo die Grenzen des standardisierbaren Geschäfts liegen und wo die individuelle Betreuung beginnt - wobei das Fundament hierfür unsere Geschäftsstellen sind.

So wird eine Bank als klassischer Dienstleistungsbetrieb auch künftig auf ein Filialnetz mit einer Vielzahl hochqualifizierter Mitarbeiter nicht verzichten können, auch wenn ein verändertes Anforderungsprofil langfristig Auswirkungen auf die Struktur der Belegschaft haben wird. Neue Informations- und Kommunikationstechniken sind - wie ich schon sagte - eine Entlastung von Routinearbeiten. Sie ermöglichen damit einem Kreditinstitut mehr Zeit für die Betreuung und Beratung. Diesem Ziel dient Bildschirmtext auch als kostengünstiges innerbetriebliches Informations- und Kommunikationssystem. Die innerbetrieblichen Anwendungen unterstützen vorhandene Informationsmittel und -wege entscheidend und reichen von der aktuellen Anlageempfehlung über den Abruf interner Mitteilungen und Rundschreiben bis hin zu Ausbund Weiterbildung von Mitarbeitern. Gerade diese letzte Anwendungsmöglichkeit eines internen Systems bietet schon jetzt mit mehreren tausend Seiten die britische Barclays Bank, mit der wir in der internationalen Abecor-Gruppe zusammenarbeiten.

Nach meiner Meinung wird Bildschirmtext gerade in der Form der geschlossenen Benutzergruppe der zunächst größte Anwendungsbereich sein, wenn durch ein umfangreiches Netz und aufgrund billiger Datenstationen auch kleinere Betriebseinheiten sich dieser Informations- und Kommunikationstechnik bedienen können.

Schließlich bleibt zu hoffen, daß nun auch die politischen Rahmenbedingungen für die bundesweite Einführung von Bildschirmtext so schnell wie möglich geschaffen werden. Der Markt ist da - wobei man an dieser Stelle noch einiges zur Aussagekraft subventionierter Feldversuche anmerken möchte - , und die Post hat mitgeteilt, die technischen Voraussetzungen bis zum Herbst nächsten Jahres schaffen zu können. So verbleibt noch die Einigung auf der politischen Ebene. Bund und Länder sollten sich schnell auf ein einheitliches Vorgehen einigen. Die Definition von Bildschirmtext als Massenkommunikation oder als ein Telefongespräch mit anderen Mitteln sollte da kein unüberbrückbares Hindernis sein.

Positiv werte ich dabei die Bereitschaft der Länderregierungen, eine Einigung über die publizistisch relevanten Inhalte von Bildschirmtext ebenfalls bis zu diesem Termin erzielen zu wollen.

Die Ära der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien hat begonnen. Ihre Vorteile sind so offensichtlich und gewaltig, daß Restriktionen außerhalb der Technik nicht zur Debatte stehen sollten. Der "Club of Rome" stellt in seinem jüngsten Bericht über die Chancen und Gefahren der Mikroelektronik fest: "Die Mikroprozessor-Revolution bietet letztlich so gewaltige Aussichten auf eine Vermehrung des Wohlstandes, eine bessere Nutzung der Ressourcen und eine allgemeine Verbesserung der Lebensqualität, daß es unmöglich ist, sie zurückzuweisen".

Neue Ideen früh erproben

Und an einer anderen Stelle (Zitat): "Entweder nutzen wir die Chance und werden mit den sich daraus ergebenden sozialen Umstrukturierungen fertig, oder unsere Industriegesellschaft wird infolge von Trägheit, sozialen Schwierigkeiten und vor allem aus Mangel an Mut degenerieren" (Ende des Zitats).

Ich möchte an dieser Stelle an alle appellieren. Nutzen wir die Chancen. Nutzen wir die Vorteile der neuen Technologien. Ich wende mich an den Gesetzgeber: Bauen wir keine gesetzlichen Schranken für die Weiterentwicklung und die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Hemmen wir nicht ihre Entwicklung durch langfristig angelegte Pilotprojekte, fördern wir nach allen Kräften die Weiterentwicklung dieser Technologien, denn Innovation heißt, neue Ideen früh zu erproben und anzuwenden. Teil einer Rede, die Dr. Hans Friderichs auf dem Bildschirmtext-Kongreß der Diebold Deutschland GmbH in Frankfurt am 4. März gehalten hat.