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02.09.1983 - 

DER-Gruppe initiiert Alternative Start-Buchungssystem:

Btx für Reisebranche ruft Kartellamt auf den Plan

FRANKFURT - Die Diskussion In der Touristik-, der Btx- und der DV-Branche über eine Konkurrenz zwischen dem inzwischen klassischen Buchungssystem "Start und Bildschirmtext hat neue Nahrung erhalten: In Frankfurt wurde Freitag vergangener Woche nach einem Startzeichen des Bundeskartellamtes die "BTX-RB ReiseBeratung GmbH" gegründet Bernhard Zeller (Deutsches Reisebüro DER) und Wolfgang Niemann (Hapag-Lloyd) führen die Geschäfte der GmbH. Deren Gesellschafter sind teilweise identisch mit denen der Start Datentechnik GmbH, ebenfalls in Frankfurt, die Betreiber des Start-Netzes ist. Als Gesellschafter der neuen Btx-GmbH wirken allerdings Lufthansa und TUI (Touristik Union International) nicht mit (siehe Kasten auf Seite 4).

Nur als ergänzendes Medium zu Start wollen die frisch installierten Btx-Berater zunächst einmal ihren geplanten Btx-Service sehen. Gewehr bei Fuß steht dennoch die Start-Datentechnik, allerdings nicht um das vermeintlich konkurrierende Medium Btx "abzuschießen", wie akademische Branchenbeobachter bereits vermuteten, sondern um der neuen GmbH hilfreich (mit ihrem Vertragspartner Siemens im Hintergrund) unter die Arme zu greifen. Nach Bekunden von Start-Geschäftsführer Jürgen Bommer würde man "gerne die technische Abwicklung" übernehmen.

Ob das Kartellamt dann aber einer solchen neuerlichen Know-how- und daraus resultierenden Vertriebskonzentration der Großen im Reisebuchungsgeschäft zustimmen wird, hängt nach Aussagen des Amtssprechers Hartwig Wangemann davon ab, ob der Marktzugang auch der kleinen Reisebüros nicht durch die Dominanz der Großen in den Systemen gefährdet wird. "Man wird sich ein entsprechendes Vertragswerk sehr genau ansehen", versichert er. Die Berliner Wettbewerbshüter wollen auf keinen Fall das "rein theoretische Gebäude mit einem Persilschein versehen, zumal wir da schon einige schlechte Erfahrungen mit der Einführung von technischen Kommunikationssystemen gemacht haben". Es war die Start Datentechnik, die einen diesbezüglichen Verweis der Aufsichtsbehörde hatte einstecken müssen.

Die BTX-RB will sich vorerst noch nicht festlegen in der Wahl ihrer Mittel und Wege. Ziel der Gründung ist es einer Presseverlautbarung zufolge, "die Wettbewerbsfähigkeit der Reisebüros zu sichern". Damit angesprochen sind "expressis verbis zum Beispiel (aber) auch die TUI oder andere Veranstalter und Leistungsgeber, Hotels und Verkehrsämter, Mietwagenunternehmen etc. Möglich, daß auch die Lufthansa im System vertreten ist, nicht aber als Gesellschafter", präzisiert Pressesprecher Leidinger von DER in Frankfurt; die Gründung geht auf eine Initiative der DER-Gruppe zurück. Das künftige System werde allen touristischen Unternehmen offen stehen, ein spezieller Umbrella-Dienst hingegen nur den Reisebüros der Gruppe; sie also werden eine geschlossene Benutzergruppe bilden. Im Vordergrund der Aktivitäten stehe der Vertrieb und hierbei wiederum die "Information".

An einen Direktbuchungsservice ist nicht gedacht, im Gegenteil: Der Dienst ist gleichzeitig "Schaufenster" für den Endverbraucher; er soll über ausgewählte, aktuelle Reisen informiert werden. Zeigt der Kunde dann Interesse, so erhält er die im Umbrella-Dienst gespeicherte Anschrift des Reisebüros, das von ihm benannt oder ausgewählt werden kann. Mit Hilfe einer Anwortseite stellt er dann die Verbindung zu diesem Unternehmen her. Dort selbst könne dann verbindlich gebucht werden zum Beispiel über Start, lassen die Btx-Berater wissen.

Ein kritischer Beobachter der DER-Initiative beschreibt die nun entstandene Situation im Touristikmarkt so: "Die Zielsetzung ist natürlich ziemlich eindeutig; man versucht die Absatzmittler, sprich Reisebüros, derart in den Markt zu zementieren, daß sie von den Leistungsträgern, also den Fluggesellschaften, den Hotels, den Reiseveranstaltern nicht durch Direktbuchungen - wegen des Rechnerverbundes - umgangen werden können." Auf der gleichen Linie liegen Stellungnahmen, die im Hinblick auf die noch eigenständigen Reisebüros die Btx-Gründung der vertriebsorientierten Start-Gesellschafter wettbewerbsrechtlich "mehr als bedenklich" finden: "einfach deshalb, weil wir sowieso schon eine wahnsinnig hohe Konzentration haben, und diese Konzentration durch die Initiative des DER und ABR, die ja beide staatliche Unternehmen sind noch wesentlich kritischer zu sehen ist." Und ein unabhängiger Münchner Reisemakler vermutet, daß man jetzt versuchen werde, über eine einheitliche Technik, so wie bei Start schon vorexerziert, alle an eine breite Brust zu drücken.

Gegen eine derartige "gemeinsame Technik" hat das Kartellamt jedoch nichts einzuwenden, solange die Verrechnung der Leistungen nur getrennt erfolgt.

Zur Zeit sind nach Angaben von Start bundesweit 2100 Startterminals in zirka 900 größeren Reisebüros und Buchungsstellen installiert. Der Leistungsumfang dieses leitungsvermittelten Rechnerverbunds geht wie Kenner beider Systeme versichern, weit über den in absehbarer Zeit realisierbaren Leistungsumfang von Bildschirmtext hinaus. Insbesondere ein Buchhaltungsservice und die Möglichkeit, Dokumente ausdrucken zu lassen, seien große Vorteile neben der hohen Verfügbarkeit des Systems.

Immerhin zirka 650 Reisebüros wird zunächst einmal die Btx-Reiseberatung erreichen, das heißt, mit ihrem Umbrella-Dienst . ansprechen können. Nur sie, so steht zu vermuten, sollen die Buchungspartner der Endkunden sein, die auf die Btx-Information der DER-Gruppe reagieren. Diese Buchung wird dann bei den größeren Unternehmen mit Start-Anschluß eben in der Regel über Start erfolgen. Der Kreis der Argumentation, daß Start und Btx sich ergänzende Medien sind, würde sich an dieser Stelle schließen, wenn es nicht möglich wäre, über Bildschirmtext ebenfalls Direktbuchungen vorzunehmen: Auch auf dem Weg über eine geschlossene Btx-Benutzergruppe nämlich erwägt derzeit die TUI in Hannover mit ihrem Angebot an die kleineren Reisebüros, die sich ein Startterminal bisher nicht leisten könnten, heranzugehen. Mit einer solchen Vertriebsstrategie eines der größten Reiseanbieters in der Bundesrepublik würde Btx als Buchungssystem und nicht nur als Informationssystem dann aber auch für die DER-Leute verpflichtend, denn dann kommen die vermutlich für kleinere Unternehmen geringeren Kosten für Btx-Terminals als für die intelligenteren Start-Terminals zum Tragen.

Entscheidend für die Einführung von Bildschirmtext als Buchungssystem dürfte aber nach den Berechnungen der Reisekaufleute weniger das generelle Preis-/Leistungsverhältnis der Terminals und der je angebotenen Leistungen sein, sondern das Datenaufkommen der einzelnen Unternehmen.

Rudi Hardell, Vorstandsmitglied im Deutschen Reisebüro-Verband, zur Zeit Vorsitzender des Start-Beirats und Aufsichtsrat der neuen Btx Reiseberatung in Personalunion sowie Kufatoriumsmitglied der Btx-Anwendervereinigung erklärt dazu: "Man sollte davon weggehen zu glauben, Bildschirmtext ist besonders billig. Bildschirmtext ist teurer als Datex-P, denn Datex-P zahlen sie sowieso und haben außerdem noch die Btx-Gebühren. Bildschirmtext läßt sich aber in einem Bereich, wo nicht allzu viele Daten verarbeitet werden müssen, also für kleinere Reisebüros und besonders für kleinere Reiseveranstalter besonders günstig einsetzen." Und das sei ja auch richtig.

Die Start Datentechnik hat ihrerseits bereits vor einiger Zeit eine Ausschreibung gestartet für ein unter anderem auch Btx fähiges neues Start-Terminal. Es kann zusätzlich zu den bereits verwendeten eingesetzt werden, die sich erst noch amortisieren müssen. Damit hat der Start-Goliath bereits auf den Btx-David reagiert. Die Entscheidung wird im Herbst fallen. Sieger wird dem Vernehmen nach wohl Siemens beziehungsweise Tandberg mit entsprechenden Multifunktionsterminals sein. Sie sollen sowohl auf Standleitung, Datex-P und auch auf Bildschirmtext jeweils umschaltbar sein. Die Programme dafür seien fertig Offen bleibt die Frage nach dem Preis.