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25.07.1986 - 

"Elektronischer Schrott" im System dürfte erheblich abnehmen

Btx-Gebühren haben Selbstreinigungseffekt

Die Umstellung des Bildschirmtextsystems auf die Software-Stufe II ist, abgesehen von den üblichen Begleiterscheinungen, problemlos verlaufen. Dies ergab eine Umfrage der COMPUTERWOCHE bei Betreibern von Externen Rechnern und Btx-Anbietern. Einige der neuen Komponenten waren lang ersehnt und wurden allgemein begrüßt. Die Befragten versäumten jedoch nicht die negativen Folgen bestimmter Punkte gleich mit anzuführen.

Die Gebührenerhebung zum 1. Juli hat einen erfreulichen Selbstreinigungseffekt hervorgerufen, über den sich alle angesprochenen Btxler einig sind: Die Rundsendungsflut wurde eingedämmt und der Mitteilungsdienst ist damit endlich praktisch nutzbar, erklärte Peter Bernschneider, Projektleiter Btx bei Gruner + Jahr. Aber zum jetzigen Zeitpunkt, an dem die Teilnehmerzahlen noch nicht den gewünschten Umfang erreicht haben, hätte die Post nach Ansicht von Reinhard Erbe, Leiter BT-Workshop bei der Werbeagentur Young & Rubicam (Y&R), doch etwas toleranter sein können. Die vielen kleinen Pfennigbeträge für Grund-, Speicher-, Verkehrs- und sonstige Gebühren addierten sich zu einer stattlichen Summe für ein Btx-Programm. Allerdings, so räumt der Btx-Fachmann von Y&R gleichzeitig ein, werden dadurch auch die Programme gestrafft und möglicherweise in sich klarer und übersichtlicher. Elektronischer Schrott wandert jetzt in den elektronischen Papierkorb.

Bestimmte Kosten im neuen Gebührenkatalog empfinden sowohl der ADAC als auch die ComMedia Btx-Agentur als unbefriedigend und anbieterfeindlich. So wird beispielsweise jeder Editiervorgang, unabhängig davon, ob die Änderung tatsächlich durchgeführt wird oder nicht, einzeln berechnet. Die Gebühren für den Regionalbereich werden sich nach Einschätzung von Günter Gross, Referent für Kommunikationssysteme bei British Petroleum (BP), negativ auf die künftige Btx-Teilnehmerzahl auswirken.

Vermißt wurde sie schon seit Ende der Btx-Feldversuche: die Möglichkeit, die Abrufhäufigkeit einzelner Seiten feststellen zu können. Mit der neu eingeführten Seitenstatistik ist die Resonanz auf das eigene Angebot exakt meßbar geworden. Allerdings bemängelt nicht nur der Btx-Experte von BP, daß diese Seitenstatistik nicht im System abgerufen werden kann. Über die Gebühr von 50 Pfennig pro Seite und Tag scheiden sich die Geister. Als nicht zu hoch bemessen bewertet einerseits der Anwendungsberater Günther Brügmann von der Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaft (RBG) diesen Kostenfaktor. Schließlich könne jeder Btx-Anbieter selbst bestimmen welche Seiten wie lange statistisch erfaßt bleiben sollen. Dem hält ein Btx-Fachmann vom ADAC entgegen, daß es dem Anbieter praktisch unmöglich gemacht wird, seine Programme richtig zu testen, wenn er beispielsweise über 1500 Seiten verfügt.

Völlig kontroverse Ansichten löste die Aktivierung des Regionalkonzeptes bei den Befragten aus. Unternehmen, die nur in einem Regionalbereich ihre Informationen über Btx anbieten, können sich jetzt die Hände reiben. Viele regionale Anbieter müssen jedoch drei oder mehrere Regionalbereiche belegen, um ihr Verbreitungsgebiet abzudecken, was die Kostendifferenz stark verringert wenn nicht sogar den Bundestarif übersteigt, stellte Bernschneider von Gruner + Jahr fest. Außerdem sei der Wechsel in einen anderen Regionalbereich zu umständlich. Dies sollte möglich sein, ohne den Anbieterbereich zu verlassen, wie das früher der Fall war, fordert auch Günter Gross.

Einen Vorteil der Regionalisierung sieht BP-Mitarbeiter Gross darin, daß man nicht mehr mit einem solchen Wust von Anbietern konfrontiert wird, wenn man in seiner Region eine Information sucht. Diese Ansicht teilt auch Karl Jürgen Hilgers, Leiter des Bereichs Neue Medien bei der AZ Bertelsmann GmbH.

Kein gutes Haar läßt ComMedia-Geschäftsführer Klaus Böhm an der Regionalisierung. Für den Teilnehmer sei sie eine Zumutung. Die von der Post eingeteilten Regierungsbezirke und Bereiche stimmten mit den Kenntnissen der Bevölkerung nicht überein. Wenn jetzt ein Privatteilnehmer nicht wisse, zu welchem Regierungsbezirk die gesuchte Stadt gehöre, finde er sie höchstens durch Zufall. Auch vermißt Böhm die Möglichkeit, nach Firmen zu suchen.

Die fehlenden Suchhilfen führten mehrere Btx-Anbieter als Kritikpunkte an. Von der Bundespost wünscht sich Günther Brügmann beispielsweise eine detaillierte Suchstruktur für das Anbieterverzeichnis sowie ein Schlagwort- und Sachgebietsverzeichnis und eventuell sogar die Eingabemöglichkeit von Suchbegriffen.

Stark bemängelt wird von mehreren Seiten nach wie vor die Leitungsqualität und die Übertragungsgeschwindigkeit. Die Btx-Anbieter setzen sehr darauf, daß hier die Einführung der digitalen Übertragungstechnik und das ISDN Abhilfe schaffen werden. Dringend erwartet wird in der Btx-Abteilung bei Young & Rubicam eine Funktion, mit der man aus dem Index der eingegangenen Mitteilungen einzelne Zusendungen herauslöschen kann, ohne sie vorher ansehen zu müssen. Auch Wolfgang Trapp vom Apotheken-Rechen-Zentrum findet dies mühselig, zeitaufwendig und lästig. Manfred Bleimeier, Leiter Standardsoftware bei BMW, führt darüber hinaus an, daß die Fehlererkennungen noch überarbeitungsbedürftig sind.

Allgemeine Zustimmung findet die Einführung des Mitbenutzerkonzeptes, die als willkommener und nützlicher Komfort gesehen wird. Auch bei der Einrichtung unterschiedlicher Paßwörter für die Teilnehmerfunktion, die Mitbenutzerverwaltung und den Anbieterbereich kam die Post ohne Schelte weg. Positiv aufgenommen haben die Btx-Spezialisten bei der AZ Bertelsmann GmbH und bei RBG auch die Erweiterungen des Dialog-Editors.

Viele Ungereimtheiten gibt es nach Auskunft von ComMedia-Boß Wolfgang Böhm noch bei den Gebühren: Als er zur ersten Gebührenrechnung nach der Umstellung eine Anfrage beim Fernmeldeamt startete, bekam er nur spärliche Auskunft. Die Gebührenverordnung wird nach Auffassung von BMW-Mitarbeiter Bleimeier nicht unbedingt zur Verbreitung des neuen Mediums beitragen. Der Btx-Beauftragte, einer großen Kaufhauskette, der nicht genannt werden möchte, ließ seinem Unmut hierüber freien Lauf: "Die Gebührenerhebung ist restriktiv und unsinnig. Die Post will hier eine Kuh melken, die noch gar nicht auf der Wiese steht. Ich kann noch nicht einmal den Euterzipfel dieser Kuh entdecken. Bildschirmtext ist mousetot, toter geht es gar nicht mehr."

Die zusätzlichen Leistungsmerkmale der Software-Stufe II im Btx-System umfassen:

- Regionalisierung im Btx-Dienst

- Mitbenutzerkonzept

- Save-Funktion im Dialog-Editor

- Getrennte Kennworte für die einzelnen Nutzungsbereiche

- Kennwortsicherung für "Löschen ab Seite"

- Referenzverwaltung von Decoder-Informationen

- Funktion *05 #

- Unterdrückung des Eintrags im Anbieterverzeichnis

- Automatische Sperre des Mitteilungsempfangs bei Neueinrichtung

- Anzeige der Kosten

- Abrufstatistik