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18.10.1985

Btx ist für Banken kein Buch mit sieben Siegeln

Die große Euphorie gegenüber Bildschirmtext ist längst auch bei den für diesen Postdienst prädestinierten Geldinstituten gewichen. Als einen wesentlichen Grund dafür nennt Bernd Sprenger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Deutscher Banken in Köln, die hohen Preise für Btx-Endgeräte, und Folker Pietsch als Btx-Experte für das genossenschaftliche Kreditwesen sucht die Schuld beim "gelben Riesen": "Die Bundespost trifft bei der Diskussion um die Gebühren keine klaren Aussagen." Dennoch forcieren die meisten Banken ihre Bemühungen um die Ausweitung des Bildschirmtext-Dienstes. Außerdem will man auf das Medium an sich nichts kommen lassen, selbst wenn - so die beiden genannten Bankenvertreter - die Kunden nur zögerlich "anbeißen". Ebenfalls nicht in Frage gestellt wird offenbar die Sicherheit. von Btx, weil Unbefugte nicht mehr auf das System zugreifen könnten.sch

Thomas Pfaff

Leiter des Pressebüros der Bayerischen Vereinsbank, München

Auf der letzten Berliner Funkausstellung verbreitete ein Bankenvertreter die Nachricht, daß die Geldinstitute mit dem Bildschirmdienst der Deutschen Bundespost unzufrieden seien und überlegten, ob sie ihre Beteiligung an Btx einstellen sollten. Die Meldung hat verständlicherweise Aufsehen erregt, bedarf jedoch einer Kommentierung, weil die darin enthaltene Meinung von den meisten Banken nicht geteilt wird. Aus unserer Sicht - wie auch aus der Sicht vieler weiterer Kreditinstitute - ergibt sich ein anderes Bild.

Bildschirmtext ist ein Informations- und Kommunikationmedium der Bundespost, das - wie bereits die Testphase in Berlin und Düsseldorf absehen ließ - von privaten Anwendern, nicht zuletzt bedingt durch die heute noch relativ teuren Anschaffungskosten, noch sehr zurückhaltend genutzt wird. Anders die Akzeptanz im gewerblichen Bereich, wo es Btx erlaubt, mit dem Waren- und Dienstleistungs-Angebot rund um die Uhr, sieben Tage die Woche - und dies bundesweit - beim Kunden praktisch zu Hause beziehungsweise im Büro präsent zu sein. Unter den per August 1985 bundesweit realisierten 32 000 Btx-Anschlüssen befanden sich bereits 13 Prozent im Btx-Verbund anbietende Handelsunternehmen, Gewerbetreibende und Banken.

Größere Banken bieten heute bereits über Btx einen Service, der es neben umfangreichen Informationsmöglichkeiten erlaubt, Überweisungen, Kontoabfragen und Finanzdispositionen rationellem kostengünstiger und schneller als auf dem konventionellen Wege abzuwickeln.

So ermöglicht die Bayerische Vereinsbank bereits seit Beginn der Funkausstellung 1983 ihren Kunden den direkten Zugriff auf das Konto über Btx ("Telekonten-Service"). Neu im Rahmen der Nutzungsmöglichkeiten von Telekonten ist ein unter der Bezeichnung. "Cash Management-Inland " eingeführtes Programm für Personal Computer (PC). Das System ermöglicht Firmen und Selbständigen, die an Btx angeschlossen sind und einen Arbeitsplatzrechner einsetzen, eine weitgehend automatische Nutzung der Btx-Dienstleistungen. Daten des täglichen Zahlungsverkehrs werden über PC empfangen, aufbereitet, ausgewertet und zur möglichen Weiterverarbeitung zwischengespeichert. Überweisungen können erstellt und als Einzel- oder Sammelüberweisung (Datenträgeraustausch-Format) an die, Bayerische Vereinsbank weitergeleitet werden. Auch die Einbeziehung von Btx-Konten bei anderen Instituten ist dabei jederzeit möglich.

Folker Pietsch

Leiter der Hauptabteilung "Anwendungsberatung" der Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaften EG (RGB), München-Dornach

Als im Jahr 1980 das "neue" Medium Bildschirmtext (Btx) angekündigt wurde, erzitterte die Bankenwelt. In einer Phase, in der die letzten Stücke des großen Kuchens verteilt werden sollten, konnte und wollte sich keine Institutsgruppe die Chance entgehen lassen, durch entsprechende Selbstdarstellung Marktanteile zu sichern.

Obwohl innerhalb einzelner Organisationen bereits frühzeitig Kritik an den allzu optimistischen Verbreitungsprognosen der Deutschen Bundespost geübt wurde, haben sich aus der Konkurrenzsituation heraus alle, Bankengruppen dem modernen Medium gestellt. Der lautstarke Einstieg des "blauen Marktführers" und die erwähnten Prognosen für den Btx-Einsatz taten ein übriges.

Inzwischen ist die große Euphorie gewichen. Die Deutsche Bundespost und ihre Partner haben sich bei der Verbreitung von Btx mit den Realitäten der DV auseinandersetzen müssen. Die ursprünglichen Einsatztermine und Ausdehnungsziffern konnten nur mit großen Abstrichen gehalten werden. Die Pilotanwendung der Deutschen Bundespost für das genossenschaftliche Kreditgewerbe lief im Jahr 1984 bei der Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaften eG (RBG) an. Die RBG war übrigens das erste Banken-Rechenzentrum, das den Rechnerverbund im Cept-Standard realisiert hat.

Die in dieser Phase von allen RBG-Mitarbeitern getragene positive Einstellung zu Btx wurde umgesetzt und in den Bereich der angeschlossenen 88 Volksbanken und 943 Raiffeisenbanken in Bayern "getragen". Über optimale Beratung und Schulung durch die RBG wurde das Know-how über Btx an die interessierten Banken weitergegeben. Die erhoffte Resonanz spiegelt sich im Zuspruch wider: 50 der RBG angeschlossenen Banken nutzen derzeit den "Bankendialog" über Btx, der eine kostensparende Alternative zur Online-Anwendung über Terminalprogramme ist. Insbesondere kleinere Institute haben den finanziellen Vorteil des Btx beim internen Bearbeiten von Geschäftsvorfällen erkannt. So werden die hierfür notwendigen Dialogdaten über Btx aus den zentralen Beständen der Rechenzentrale abgerufen. Derzeit kommt es pro Monat zu ungefähr 8000 Abfragen über den Btx-Bankendialog.

Dagegen haben sich die Erwartungen im so bezeichneten Home- beziehungsweise Firmenbanking, das heißt die Nutzung von Btx durch Privat- oder Firmenkundschaft, noch nicht erfüllt. In unserem Geschäftsbereich wird dieser Dienst bisher von etwa 250 Kunden bei 20 Banken genutzt. Das Abfragevolumen von ungefähr 600 bis 1000 Transaktionen bleibt hinter den Erwartungen weit zurück. Man muß sich fragen, worauf dies zurückzuführen ist.

Gewiß ist die Angebotspalette der RBG nicht zu gering: Neben der Kontostandsabfrage, Kredit- und Sortenberechnung steht den Bankkunden mit den Umsatzbuchungen, der Einzel- und Sammelüberweisung, mit der Vormerküberweisung sowie den Umbuchungen eine Vielzahl von Möglichkeiten offen, neben den allgemeinen Angeboten der Verbundpartner spezielle Kontentransaktionen im Home- und Firmenbanking zu nutzen.

Aber diesem breiten Nutzungsspektrum, das noch dazu rund um die Uhr an sieben Wochentagen verfügbar ist, stehen derzeit zu hohe Anschaffungskosten für die Endgeräte gegenüber. Die Deutsche Bundespost trifft bei der Diskussion um die Gebühren keine klaren Aussagen. Ebensowenig gelingt es ihr als dem Distributor der Ware "Btx", diesem Produkt ein verkaufsförderndes Image zu verschaffen. Augenscheinlich ist die Marktkonzeption der Deutschen Bundespost für Btx nicht aufgegangen. Jedoch gerade auf diesem Sektor müßten die entscheidenden Impulse gegeben werden.

Im Hinblick auf die Sicherheit von Btx schließlich läßt sich folgendes sagen: Entgegen allen unredlichen Versuchen mancher Medien, die Sicherheit bei Btx in Zweifel zu ziehen, sorgen PIN, TAN und zusätzliche Sicherungsverfahren dafür, daß kein Unberechtigter auf Daten zugreifen kann, die in der Rechenzentrale gespeichert sind. Diese eindeutige und nicht zu bezweifelnde Tatsache künftigen Btx-Nutzern ganz deutlich bewußtzumachen ist nach meiner Auffassung auch Aufgabe der Btx-Anbieter. Sie sollten sich durch entsprechende Informationen Klarheit über das Produkt verschaffen.

Wenn sich auch das Medium Btx nicht mit dem erwarteten Schwung hat verbreiten lassen, so bin ich doch der Meinung, daß Btx in Zukunft einen sehr großen Stellenwert in den Haushalten, im Gewerbe und bei den Kreditinstituten haben wird.

Hartmut Heinicke

Pressesprecher der Vereins- und Westbank, Hamburg

Btx entwickelt sich wesentlich schleppender, als dies von der Post und auch namhaften Unternehmensberatungsgesellschaften zunächst prognostiziert worden ist. Die Ursachen dafür sind bekannt:

- Informationspolitik und Marketing der Post waren offensichtlich nicht zielgruppengerecht.

- Herstell-, Vertriebs- und Preispolitik der Endgerätehersteller wurde dem Markt nicht gerecht.

Demgegenüber sahen viele Anbieter in Btx eine neue Chance, um Märkte aufzubrechen beziehungsweise bestehende Verbindungen für beide Marktpartner komfortabler und eventuell kostengünstiger zu gestalten. Dies dokumentiert sich unter anderem auch im Angebot der Banken. Mit einem breitgefächerten Informationsangebot, bereits bei den Testversuchen dabei, stellte die Vereins- und Westbank als eine der ersten Banken in der Cept-Landschaft die Kontoführung per Btx ihren Kunden bundesweit zur Verfügung.

Dieses Angebot wird im Vergleich zu den Btx-Anschlüssen in, Verbreitungsgebiet von den Bankkunden bereits überproportional genutzt. Sehr bald erkannte man, daß Btx in Verbindung mit einem Mikrocomputer eine interessante Möglichkeit der Datenverarbeitung für die mittelständische Wirtschaft darstellt, Diesem Trend trägt unser Geldinstitut mit der neuen Dienstleistung "Technologie-Service" Rechnung, der Kunden auf diesem Sektor berät. Die Privatkundschaft wird mit örtlich begrenzten Aktionen auf Btx aufmerksam gemacht. Diese Aktivitäten sind Ausdruck des hohen Stellenwertes, den die Vereins- und Westbank, unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten bei der Einführung neuer Techniken, dem elektronischen Vertrieb einräumt.

Bernd Sprenger

Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Deutscher Banken, Köln

Die Kreditwirtschaft ist für die Anwendung und Verbreitung von Btx besonders prädestiniert; sie hat sich deshalb von Anfang an für das neue Medium eingesetzt, Zwar geht die Entwicklung hinsichtlich der Akzeptanz von Btx nur zögernd voran, immerhin gibt es aber mittlerweile rund 600 Kreditinstitute mit einem Btx-Informationsseitenangebot.

Die Zahl der bundesweit geführten Telekonten beträgt etwa 28 000, angesichts von 40 Millionen Privat- und zehn Millionen Geschäftskonten noch eine sehr geringe Zahl.

Angesichts der derzeitigen, in vieler Hinsicht noch unbefriedigenden Lage - vor allem zu hohe Preise für Btx-Endgeräte und eine unzureichende Informationspolitik der Post gibt es einige Kreditinstitute, die über ihr weiteres Vorgehen und über die ursprüngliche Konzeption in Sachen Btx nachdenken. Der überwiegende Teil der deutschen Banken aber - darunter sämtliche Großbanken - forciert seine Bemühungen um eine Ausweitung des Btx-Dienstes.

Die Anwendungsmöglichkeiten zeigen, daß Btx Zukunft hat, derzeit vor allem für Geschäftskunden, auf längere Sicht aber vielleicht auch Privatkunden. Die Banken (...)ben bereits große Summen in Rechnerkapazitäten, Aufbau einer interessanten Btx-Angebotspalette und Entwicklung der notwendigen Software investiert. Dabei ist ihnen klar, daß die angefallenen Kosten sich in den nächsten Jahren noch nicht amortisieren können. Erst wenn möglichst viele Bankkunden ihre Routinegeschäfte über Btx abwickeln, so daß die riesige Papierflut an Belegen abgebaut und die Daten auf elektronischem Wege rationeller verarbeitet werden können, kann Btx lohnend werden.

Die große Innovationsbereitschaft der Kreditwirtschaft war für die gesamte bundesdeutsche Btx-Entwicklung ein wichtiger Impuls. Für Btx-Outsider waren und sind die Begriffe "Homebanking" und "Bildschirmtext" eng miteinander verbunden und reicht mehr zu trennen. Wie rasch und intensiv die Bundesbürger das, neue Medium Btx aber tatsächlich akzeptieren werden, ist heute nicht abzuschätzen. Zur weiteren Förderung notwendig sind auf jeden Fall niedrigere Preise für Btx-Endgeräte und eine verbesserte Informationspolitik der Post.