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29.08.1986 - 

Anwender in der Investitionsgüterindustrie unzufrieden:

Btx Technik in der Praxis mangelhaft

BERLIN (CW) - Über ein Drittel der Bildschirmtext-Anwender in der Investitionsgüterindustrie würde sich - mit dem heutigen Informationsstand nochmals vor die Wahl gestellt - nicht wieder für den Einsatz des neuen Mediums entscheiden. Bemängelt werden vor allem fehlende Akzeptanz bei den Kunden und technische Unzulänglichkeiten.

Das geht aus einer Anwenderuntersuchung hervor, deren Auswertung jetzt vorliegt. Angestellt wurde sie vom Institut für Markt- und Verbrauchsforschung an der Freien Universität Berlin im Wintersemester 1984/85 und im Sommersemester 1985. An der Fragebogenaktion beteiligten sich 42 der im Teilnehmerverzeichnis der Bundespost aufgeführten Investitionsgüterproduzenten. Bei einer Gesamtzahl von 79 sind das etwa 53 Prozent. Neben diesen Anwendern wurden 1500 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Nichtanwender befragt, von denen rund 38 Prozent, nämlich 560, Auskunft gaben.

Der Untersuchung zufolge sind die Betriebe, die das neue Medium bereits benutzen, überwiegend entweder sehr große mit mehr als 1000 Beschäftigten (43 Prozent), häufig aber auch besonders kleine mit weniger als 50 Mitarbeitern (27 Prozent).

Letztere haben zu 59 Prozent schon mit dem Gedanken an Btx gespielt, und vier Prozent wollen demnächst definitiv ein Bildschirmtextsystem anschaffen. Die Gruppe der potentiellen Anwender und stark Interessierten besteht vor allem aus größeren Betrieben, die sich neuartiger Produktpolitik und/oder Vertriebstechniken bedienen.

Eine große Zahl von Abnehmern stellt für die Betriebe offensichtlich ein Argument zugunsten des neuen Mediums dar. Auffallend ist die Tatsache, daß Btx weniger anstelle der herkömmlichen Kommunikationsmittel als vielmehr zusätzlich zu ihnen eingesetzt wird. Dafür spricht, daß die Akzeptanz mit der Anzahl der bislang genutzten Medien wächst.

Nur zwei Drittel der Btx verwendenden Unternehmen würden sich erneut dafür entscheiden. Haupteinwand sowohl von Anwender- wie von Nichtanwenderseite ist die unzureichende Anschlußdichte bei den Kommunikationspartnern. 27 Prozent der Benutzer beklagen Probleme bei der Einfügung in das innerbetriebliche System; 18 Prozent kamen mit der Programmentwicklung nicht zurecht.

Während die obengenannten Schwachstellen auch von den Betrieben, die bis dato noch keine Btx-Erfahrung haben, gesehen werden, befürchten von dieser Seite lediglich neun Prozent technische Schwierigkeiten. In der Tat führt jedoch ein Viertel der Anwender die technische Unzulänglichkeit des Systems als mögliche Einsatzbarriere an. Das läßt auf eigene negative Erfahrungen mit der Btx-Technik schließen.

Kaum intern genutzt

Die von jeweils rund einem Fünftel der Nichtanwender befürchteten Mängel bei der Verfügbarkeit von Fachleuten und bei der Verfügbarkeit von Fachleuten und bei der Datensicherheit erweisen sich in der Praxis allem Anschein nach als weniger gravierend. Jedenfalls wurden sie nur von je elf Prozent der Benutzerfirmen genannt. Ebensogut geben die Anwender Probleme mit der Post an; das ist ein Aspekt, der von seiten der Btx-Laien kaum berücksichtigt wurde (siehe Tabelle 1).

Eingesetzt wird das Btx-System vor allem für externe Kommunikation; lediglich zwei Prozent benutzen es auch für die Inhouse-Verständigung. Die Nichtanwender sagen zu mehr als einem Fünftel aus, auch den internen Einsatz ins Auge gefaßt zu haben.

Nicht auszuschließen ist, daß die hohe Erwartung an die internen Kommunikationsmöglichkeiten des Btx damit zusammenhängt, daß die Nichtanwender stärker die Organisations- und DV-Abteilungen mit der Entscheidungsfindung betraut haben, als das bei den Benutzern der Fall gewesen ist. Die definitive Entscheidung fiel in etwa der Hälfte der ausgewerteten Fälle in den Bereichen Marketing, Werbung und Vertrieb; die Unternehmensleitung selber war ungefähr genausohäufig involviert. Unter den Nichtanwenderunternehmen sind sogar fast zwei Drittel, in denen die Managementspitze mit der Btx-Diskussion befaßt ist (siehe Tabelle 2).

Vor allem in der Werbung

Die Entscheidungsträger-Struktur spiegelt die späteren Einsatzgebiete wieder. 48 Prozent der Anwender benutzen ihr Btx-System im Werbebereich, jeweils 36 -Prozent für Öffentlichkeitsarbeit-und Verkaufsförderung. Der von einem Drittel der Nichtanwender genannte Service wird tatsächlich nur von 18 Prozent mit Btx abgewickelt. Eine ähnliche Diskrepanz zwischen Erwartung und Praxis weist der Verkauf auf: 30 Prozent der Benutzerfirmen nannten ihn; 57 Prozent der Machtbenutzer vermuten dort den hauptsächlichen Anwendungsbereich.

Daß die Verwendung im Vertrieb und Service hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist sicher auch auf die fehlende Anschlußdichte der Kundenseite zurückzuführen. Ebenfalls weniger als erwartet wird Btx im Außendienst eingesetzt: Während 56 Prozent der Nichtanwender hier Einsatzchancen sehen, sind es unter den Anwendern nur 18 Prozent.

Innerhalb des von ihnen favorisierten Werbe- und Verkaufsförderungsbereichs geben die Anwender relativ genau die Stelle an, wo der Btx-Einsatz optimal eingreift. Bei der Einleitung von Entscheidungsprozessen sehen lediglich 39 Prozent seine Wirksamkeit. Mehr als die Hälfte ordnen ihm jedoch entscheidende Bedeutung bei der "Eingabe von Informationen in den Entscheidungsprozeß" zu. Nahezu einig sind sie sich darin, daß er bei der eigentlichen Entscheidung keine Rolle mehr spielt. Von den Nichtanwendern wird das verkannt.

Um Streuverluste zu vermeiden, halten 46 Prozent der Nichtanwender es für sinnvoll, sich auf geschlossene Benutzergruppen zu beschränken; in der Praxis wenden sich jedoch zwei Drittel der Btx-Anwender an eine offene Benutzergruppe.

Eingeschränkt wird durch Btx-Anwendung vor allem der Einsatz von Direktwerbemitteln, Anzeigen in Printmedien und Vertreterbesuchen. Das sehen beide Parteien ähnlich. Nur die Ersetzbarkeit von Industriefilmen wird verschieden beurteilt. Allgemeiner Tenor ist, daß die traditionellen Medien durch Btx nicht verdrängt, sondern ergänzt werden (siehe Tabelle 3).

30 Prozent der Betriebe, die Btx zu Werbezwecken einsetzen, lassen die Programme von eigenen Mitarbeitern erstellen. Die anderen beauftragen zu 81 Prozent reine Btx-Agenturen. Anscheinend ist das Vertrauen in deren Know-how stärker als in das der herkömmlichen Werbeagenturen, die zum Teil auch schon für den Btx-Einsatz arbeiten. Mit den Ergebnissen sind die Auftraggeber überwiegend zufrieden.