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Der neue Dienst beschleunigt die Endgeräteentwicklung:


07.12.1984 - 

Btx - Wegbereiter multifunktionaler Endgeräte

Multifunktionale Terminals sind für viele nur ein Schlagwort der Bürokommunikation. Definitionen, um was es sich genau handelt, gibt es nicht. Natürlich kann man die verschiedenen Bedeutungen der Begriffe, wie sie in den technischen Artikeln erläutert werden, nach verschiedenen Gesichtspunkten auswerten. Bei manchen Verfassern reichen schon Text- und Daten für die Multifunktionalität, andere verlangen noch Grafik und Bild, wieder andere, so auch der Verfasser dieses Artikels, die Sprache. Bewegtbild wird heute noch nicht allgemein gefordert und kommt deshalb seltener vor.

Je nachdem welche Funktionen nun gefordert werden, kommen auch verschiedene Ausgangsgeräte für die Multifunktionalität in Frage, der Textautomat für Text, der Mikrocomputer für Daten. Wenn aber Sprache mit zur Multifunktionalität gefordert wird, dann wird das Terminal, welches an einem öffentlichen Netz hängt, eine Fernmeldeanlage, und damit müssen alle Gesetze und Verordnungen, die diese Anlage betreffen, berücksichtigt werden.

Unterschiedliche Grundgebühren

Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Schwierigkeiten, da die Bundespost aus verschiedenen Gründen multifunktionale Terminals nur bedingt zuläßt: Die Grundgebühren von Sprache und Daten sind völlig verschieden und auch die Leistungsgebühren. Dies wird verständlich, denn der mittlere Abstand zweier Fernsprecher beträgt 2,6 Kilometer, der von zwei Datenendgeräten oder von zwei Terminals, mit denen man Daten und Text übertragen kann, etwa 50 Kilometer und das ist bei verschiedenen Datennetzen noch verschieden. So erklären sich die sehr unterschiedlichen Gebühren. Deshalb ist ein Übergang von Informationen zwischen Daten- und Telefonnetz zunächst untersagt, man würde nämlich damit die Gebühren einer Informationsart auf die andere übertragen können und umgekehrt. Also und als Folge, ist das multifunktionale Terminal nur dann gestattet, wenn Daten über Modem mit den dort festgelegten Bedingungen und Bitraten und den Gebühren über das Fernsprechnetz übertragen werden.

In Frankreich ist das zum Beispiel anders. Dort sagt die Post, wenn der Kunde auf einem Datenweg mehr für die Sprachkommunikation in Form einer digitalisierten Sprache zahlen muß als auf dem normalen Telefonweg, dann ist er selber schuld. Deshalb kümmert sie sich nicht darum auf welchem Weg die Sprache übertragen wird deshalb können auch die vielen multifunktionalen Terminals, die in Frankreich mit Sprache angeboten werden, nicht ohne weiteres bei uns eingesetzt werden. Der Übergang zwischen verschiedenen Netzen ist möglich, wenn die entsprechenden Gebühren des Netzes bezahlt werden.

Bei uns kümmert sich dagegen die Post auch reglementierend um die Multifunktionalität, man will sich die Vorwürfe von ungleichen Gebühren für das gleiche bei verschiedenen Netzen nicht vorwerfen lassen.

Das verhindert viele Realisationsmöglichkeiten der multifunktionalen Terminals. Natürlich kann man sich auf den lokalen Bereich beschränken, dann kann man zum Beispiel bei den LANs auch Sprache neben Daten übertragen. Sobald aber die Übertragung von Informationen nach außen stattfindet, das heißt über die öffentlichen Netze, kommen die Regeln des Fernmeldeanlagengesetzes und der übrigen Verordnungen in Anwendung. Sie werden sich nicht ändern, aber mit Einführung des dienstintegrierten, digitalen Fernmeldenetzes ISDN ergeben sich neue technische Möglichkeiten, die zu berücksichtigen sich bei allen Planungen lohnt.

Da ISDN praktisch einer internationalen Normempfehlung nach CCITT entspricht, werden in den verschiedenen Ländern, die ISDN einführen - dazu gehört auch Frankreich - dann auch gleichartige Regeln gelten, die zu gleichartigen Terminals führen.

Deshalb lohnt es sich heute schon bei Planungeh ISDN zu berücksichtigen, obwohl mit diesem Netz vieles anders wird. Wenn das ISDN zunächst auch nur ein Schmalbandnetz mit einer Bitrate von 64 KBit pro Sekunde sein wird, so ist das im Vergleich zu den Bitraten, die wir beim Fernsprechnetz und bei der Datenübertragung über ein Modem gewohnt sind, doch sehr viel.

Die Grundgebühr für dieses Netz wird der Gebühr eines Doppelanschlusses des heutigen Fernsprechnetzes entsprechen, also 40 Mark pro Monat. Dabei kann man an jedem Schmalbandanschluß bis zu acht Terminals anschließen und auch gleichzeitig neben dem Fernsprechkanal über einen getrennten Datenanschluß verfügen. Diese mögliche Mehrfachausnutzung eines ISDN-Anschlusses wird sich für alle geschäftlichen Verbindungen sehr günstig auswirken.

Darüber hinaus werden die Datenübertragungsgebühren den Fernsprechgebühren angepaßt. Natürlich nur für die Datenübertragungen, die mit ISDN möglich sind. Das sind vorläufig nicht Paketnetzanschlüsse und bei der Datenübertragung andere Bitraten als 2,4 und 64 KBit pro Sekunde. In diesem Rahmen sind dann echte multifunktionale Terminals möglich.

Vorläufersystem für das ISDN

Heißt das, bis 1988 warten und nur neidisch auf die Länder schauen, bei denen das möglich ist? Nein, schließlich haben wir Bildschirmtext. Btx in unserem Rahmen und mit den Möglichkeiten der Datenübertragung neben der Fernsprechübertragung, und das über zwei Fernsprechleitungen, gibt es beispielweise nicht in den USA.

Man möchte fast meinen, daß die Post mit den Möglichkeiten des interaktiven Dialoges und der Btx-Inhouse-Systeme das wieder wettmachen wollte, was sie durch einstweiliges Verhindern von multifunktionalen Terminals mit dem Verbot des Überganges vom Daten- zum Telefonnetz erreicht hat. Viele Firmen haben dies erkannt und bieten multifunktionale Terminals für; das Btx-System an: Zum Beispiel Siemens mit seinem Bitel, die Deutsche Fernsprecher-Gesellschaft (DFG) mit ihrem Displayphone und Mupid mit einem inkorporierten, vollprogrammierbaren Mikrocomputer. Diese Terminals sind echte multifunktionale Terminals, allerdings mit begrenztem Bitratendurchsatz im Sinne der Eingangsdefinition, und können nun auch bei der Bürokommunikation voll eingesetzt werden. Es sind noch nicht viele, die dies klar erkannt haben. Wenn man die Datenbeauftragten mancher Oberpostdirektionen damit sind nicht alle gemeintbefragt, so bekommt man wohl klare Auskünfte über Datendienste der Post, aber über die Büromöglichkeit des Bildschirmtextsystems hört man wenig.

Da fragt man sich manchmal, ob die Stimmen, die bestreiten, daß die Btx-Zentrale eine Fernmeldeanlage ist, nicht doch zum Teil recht haben. Diese fast verfassungsrechtliche Problematik soll hier aber nicht untersucht werden.

Für den Praktiker reicht es aus, daß Bildschirmtext und multifunktionale Terminals in Verbindung mit Inhouse-Systemen bereits heute neben der Sprachkommunikation Aufgaben wie Hauspost, EDV-Terminals, vernetzte Mikrocomputer, Anschlüsse an lokale Netze und Verbundkommunikation über gewisse neuartige Nebenstellenanlagen erledigen können

Deshalb sollten wir auch die Möglichkeiten, die Btx im Bereich der Bürokommunikation bietet, ausnutzen und so bereits vor den ISDN Aufgaben und Funktionen realisieren. Die heutigen Möglichkeiten des Dienstes Btx werden später beim Übergang auf ISDN von den höheren Übergangsgeschwindigkeiten profitieren und damit wird auch das multifunktionale Terminal beim Übergang auf ISDN weiter verwendet werden können.

Schließlich ist über Bildschirmtext mit großer Wahrscheinlichkeit eine Multifunktionalität im Terminal möglich, die auch unordnungsmäßig den Übergang auf ISDN schaffen kann.

*Dr. Carl Friedrich Schuh ist Unternehmensberater in Nürnberg.