Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Mit National Semiconductor verläßt das dritte Unternehmen das schwierige Magnetblasen-Geschäft:

Bubble-Träume scheitern an Büro Wirklichkeit

04.09.1981

MÜNCHEN (rs) - Die Zukunft der Bubbles ist rauh. Mit National Semiconductor ist jetzt zwar das dritte Unternehmen aus der Fertigung von Magnetblasenspeichern ausgestiegen, jedoch sind die Blasen damit noch nicht geplatzt. Zuvor hatten bereits Texas Instruments und Rockwell das Handtuch geworfen. Siemens läßt seine eigenen Entwicklungen ruhen und kauft statt dessen Intel-Blasen. Für die normale (Büro-) Umgebung ist diese einst hochgelobte Speichertechnologie nicht mehr in der Diskussion.

Die drei Unternehmen National Semiconductor, Texas Instruments und Rockwell zogen mit ihrer Entscheidung, aus der Fertigung von Magnetblasenspeichern auszusteigen, die Konsequenz aus einer schwierig zu beherrschenden Technologie. Durch die Branche geistert als Ausfallrate immerhin der Wert von 90 Prozent. So konzentrieren die genannten Unternehmen, wie es Hermann J. Pörtner, Direktor Markt-Kommunikation der Texas Instruments, für seinen Bereich formuliert, ihre Ressourcen lieber auf gewinnträchtige Produktbereiche. Große Stückzahlen, die die relativ hohen Herstellungskosten verringern könnten, seien nicht zu erwarten.

Jedoch sieht Siemens durchaus eine Chance auf dem Markt. Die Münchener statten gerade jetzt ihre SMP-Mikrocomputerfamilie mit Magnetblasenspeichern aus, die sie bei Intel einkaufen. Die eigene Forschung läßt Siemens derzeit ruhen, "aber wir bleiben informiert", beschreibt Rolf-Dieter Bieck, Leiter Mikrocomputersysteme, die Lage. Zur Zeit bietet Siemens den Intel-Bubble mit 256 KB für runde 14 000 Mark an. Der SMP-Mikro läßt sich nach Herstellerangaben immerhin auf 1 MB Magnetblasen aufstocken.

Siemens zielt laut Bieck mit den Blasenspeichern dabei auf den professionellen Einsatz im Investitionsgüterbereich. Die Bubbles fänden ihr Einsatzgebiet fast ausschließlich in numerischen Maschinensteuerungen, vor allem bei Industrierobotern. Hier müsse nämlich eine große Menge von Parametern in zum Teil rauher Umgebung über einen längeren Zeitraum nicht flüchtig gespeichert werden. Entscheidend sei ferner, daß die gespeicherten Daten schnell geändert werden könnten.

Das Problem bei Industrierobotern liegt darin, daß sie komplizierte Raumkurven durchfahren müssen, die mathematisch nicht beschreibbar sind. Demzufolge werden die Punkte dieser Raumkurven "gelernt", was nichts anderes bedeutet, als daß der Mensch den Roboter-Arm entlang der Raumkurve von Hand führt. Währenddessen digitalisiert der Rechner die Bewegung und speichert die Punkte ab. Erweist sich eine Raumkurve als nicht optimal, so wird der Speicher mit neuen Werten überschrieben. Hier scheiden EPROMs aus, weil sie erst gelöscht werden müssen.

Der Magnetblasenspeicher zeichnet sich gegenüber seinem ärgsten Konkurrenten, dem CMOS-Speicher, laut Rolf-Dieter Bieck, vor allem durch vier Punkte aus:

- bei großem Volumen wird der CMOS-Speicher zu teuer;

- aufgrund zu vieler Bauteile sinkt die Zuverlässigkeit,

- der Platzbedarf ist größer und

- der CMOS-Speicher ist flüchtig und bedarf somit einer Batteriepu..rung.

"Seit Weihnachten", lobt Bieck die Zuverlässigkeit der Bubbles, "haben wir einen Blasenspeicher im Dauertest. Wir haben noch kein einziges Bit verloren." Möglich sei ein Einsatzbereich von -30 bis +100 Grad Celsius. Bieck betrachtet dies jedoch auch mehr als akademisch-technische Spielerei und hält eine Temperaturspanne von -20 bis +85 Grad Celsius für realistisch.

Siemens betrachtet den Vertrieb von Magnetblasenspeichern als "anrollendes Geschäft".