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16.01.1981

Budget 1981: "Die DV-Euphorie ist abgeklungen"

"Das Unbehagen der Manager bei der Festlegung des DV-Budgets ist einer kritischen Grundeinstellung gegenüber der Datenverarbeitung gewichen", konstatiert der Frankfurter DV-Chef Hans Jürgen Goebert. In den Vorstandsetagen habe ein Umdenkprozeß stattgefunden, indem man sich bewußt geworden sei, daß Personalzuwachs nur durch verstärkten DV-Einsatz vermieden werden kann. Von "schweren Fights", die er mit seiner Geschäftsleitung in Sachen Jahresbudget austragen müsse, spricht indessen DV-Leiter Dieter Mahnke (Alfa-Laval GmbH in Glinde). Da jedoch das Management inzwischen zu der Auffassung gekommen sei, daß es "ohne Computer nicht mehr geht", gebe es auch in seinem Unternehmen die Tendenz, verstärkt in die Datenverarbeitung zu investieren. "Trotz Investitionslust in der DV", resümiert Hartmut Lederer von der Elster AG, "hat der Computer als Statussymbol des Unternehmens ausgedient."

Dieter Mahnke

DV Leiter, Alfa-Laval Industrietechnik GmbH, Glinde bei Hamburg

(Univac 90/30, OS3)

Bei der Alfa-Laval GmbH wurde bis 1978 die Datenverarbeitung in einem externen

Rechenzentrum abgewickelt. Im Hause befand sich bis dahin lediglich die Arbeitsvorbereitung, die Datenerfassung und die Programmierung. Somit waren die internen DV-Kosten noch nicht in dem Maße vorhanden, wie es heute der Fall ist. Mit der Installierung eines Univac 90/30-Systems im Jahre 1979 haben wir unsere eigene DV-Abteilung aufgebaut. Dies war mit einer Steigerung der DV-Kosten um rund fünfzig Prozent

verbunden Die Erhöhung des DV-Budgets von 1979 zu 1980 belief sich auf etwa drei Prozent. Bei der diesjährigen Budget-Festlegung haben wir nunmehr eine Steigerung von 13 Prozent zu verzeichnen.

Unser DV-Budget teilt sich auf in vierzig Prozent Hardware- und sechzig Prozent Personalkosten. Eine Konzern-interne Studie ergab, daß diese Zahlen auch mit den anderen Konzern-Töchtern konform gehen.

Bezogen auf unseren Gesamtumsatz ergab sich für Neuentwicklungen innerhalb der DV ein Prozentsatz von 0,2 bis 0,5 in unserem diesjährigen Budget. Da seit 1978 unser Personalstand konstant geblieben ist, beschränken sich die Personalkosten lediglich auf die Tariferhöhungen. Auch die Hardware-Kosten sind nahezu gleich geblieben. Die Differenz zu 1980 beträgt durch geringfügige Heraufsetzung der Maschinenmiete lediglich 0,5 Prozent. Kaum ins Gewicht fielen die Software-Kosten: Durch die Installierung unserer 90/30 erhielten wir fertige Software zu einem relativ niedrigen Einführungspreis. Hierauf können wir heute mit der vorhandenen Programmierkapazität aufbauen.

In unserem Hause bestand grundsätzlich immer ein sehr kritisches Verhältnis zur Datenverarbeitung. Es werden zwar noch heute bei der Festlegung des DV-Budgets schwere Fights mit unserer Geschäftsleitung ausgetragen, aber das einst kritische Verhältnis hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Hierzu beigetragen hat sicherlich auch, daß wir jetzt im Gegensatz zu früher, kaum noch Terminprobleme haben. Das Management ist inzwischen verstärkt der Auffassung, daß es ohne Datenverarbeitung nicht mehr geht. Insofern gibt es bei uns verstärkt die Tendenz, weiterhin in die DV zu investieren und die Entwicklungen voranzutreiben.

Günter Stelling

DV-Leiter, Hamburger Messe- und Kongreß GmbH,

Hamburg

(IBM /34)

In puncto Datenverarbeitung ist unser Unternehmen ein echter Newcomer. Erst im letzten Jahr begannen wir mit einem IBM-System /34. Mitte dieses Jahres werden wir jedoch bereits auf ein System /38 umsteigen. Ursprünglich war es unsere Absicht, bereits 1980 mit einer /38 zu beginnen, aber leider war IBM nicht in der Lage, diese Maschine zu liefern.

Aus dieser Entwicklung heraus haben sich in unserem DV-Budget gewaltige Aufstockungen ergeben und wir erhielten in Sachen Datenverarbeitung absolut grünes Licht. Hierbei ist nicht nur die reine Hardware-Erweiterung zu sehen, sondern vor allem auch der Zuwachs von vier auf dreizehn Bildschirmgeräte oder die zusätzlich erforderlichen Arbeitsgeräte wie Mobilar etc.

Seitens unseres Managements hat ein Umdenkungsprozeß pro EDV stattgefunden. Man kann diese Tendenz jedoch keinesfalls als "Anfänger-Euphorie" bezeichnen, denn all unseren Entscheidungen ging eine langjährige und konsequente Planung voraus.

Da wir bereits jetzt verstärkt Dialog-Anwendungen realisieren liegt der Kostenschwerpunkt innerhalb unseres Budgets nicht wie in den meisten DV-Abteilungen Im Personal-, sondern im Software-Bereich: Wir lassen unsere Programme derzeit von einem Beratungsunternehmen schreiben. Da sich diese Extern-Hilfe auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren konzentriert, fallen zwangsläufig in dieser Periode höhere Software- als Hardware-Kosten an. Diese Budget-Situation wird sich in dieser Form bis 1983 hinziehen, bis die von uns als Basis-Software bezeichneten Programme erstellt worden sind.

Die Unternehmensleitungen bringen inzwischen der Budget-Problematik in der DV ein größeres Verständnis entgegen. Die Manager haben die Möglichkeiten der Datenverarbeitung erkannt und sind bereit, noch mehr zu investieren. Durch die DV- "Mündigkeit" der Geschäftsleitungen, ergibt sich auch eine größere Bereitschaft, den Budgetvorschlägen der DV-Verantwortlichen zuzustimmen. Da jedoch mit dieser Mündigkeit gleichzeitig das DV-Know-how der Manager gewachsen ist, müssen die DV-Leiter erstmalig hart argumentieren und Neuanschaffungen logisch und wirtschaftlich begründen. Für den DV-Chef, der bisher gewohnt war, daß ihm als Herrscher über Bits und Bytes alles zu Füßen gebettet wurde, was immer er benötigte, um seine Macht noch weiter auszubauen, ist das Leben dadurch sicherlich nicht einfacher geworden.

Hartmut Lederer

Org./DV-Leiter, Elster AG,

Mainz-Kastell

(mehrere IBM /3 und HP 3000)

Unser EDV-Budget gliedert sich in die Bereiche Personal- und Hardware-Kosten (zum Beispiel Maschinennieten), Software-, DFÜ- und sonstige Materialkosten. Diese Budget-Hauptteile lassen sich weiter untergliedern in Datenerfassungs- und Verarbeitungskosten, wie zum Beispiel RZ-Betrieb, Analyse, Programmierung und Abteilungsleitung.

Im Vergleich zwischen den einzelnen Budgethauptteilen spielen

DFÜ-Kosten nur eine untergeordnete Rolle. Eine Verschiebung innerhalb unseres diesjährigen Budgets ließ sich vor allem zwischen Hardware-, Software- und Personalkosten feststellen: Die Hardware-Kosten sind rapide gesunken, während sich Software- und Personalkosten entsprechend erhöhten. Dabei wurden insbesondere die Kosten für Basis-Software und Programmierhilfen erheblich angezogen. Die sonstigen Materialkosten bleiben indessen konstant.

Bei der Betrachtung der Personalkosten fällt eine Umschichtung von Datenerfassungs-, Verarbeitungs- und Programmierkosten zu den Analysekosten, die überproportional steigen, auf. Das Gesamtbudget veränderte sich dadurch jedoch nicht.

Wir sind derzeit bestrebt, eine Verringerung der Datenerfassungskapazität zu erreichen. Die großen Locherinnen-Säle sollen durch Verlagerung der Erfassung an den Datenentstehungsort sowie durch den Einsatz leicht zu bedienender Hardware, die im Extremfall sogar im Fachbereich installiert wird, abgeschafft werden. Die Zeit der großen Rechenzentren mit einer Operator-Hierarchie (Konsoloperator, Druckeroperator etc.) ist bei uns vorbei. Im Kommen ist indessen der Einsatz von Programmierhilfen, Programmgeneratoren, Abfrage- und Makrosprachen, zum Beispiel im Datenbank-Bereich.

Unsere Devise ist, Kostenpositionen zu senken, um mehr Mittel für die Durchführung neuer Organisationsprojekte im Fachbereich zu bekommen. Hierin liegt der Grund, daß bei uns in größerem Maße die Analysekosten gestiegen sind.

Von unserer Geschäftsleitung werden DV-mäßig verstärkt Prioritäten gesetzt und der Computer als Statussymbol des Unternehmens hat ausgedient. Die EDV-Euphorie ist abgeklungen und zum obersten Ziel des Managements - und dies macht sich auch im Budget bemerkbar - wurde die Durchführung von Organisationsprojekten in den Fachbereichen erhoben. Inzwischen hat man auch eingesehen, daß Aufgaben, die bisher von der DV gelöst wurden, durch eine gute organisatorische Lösung mit konventionellen Mitteln besser und wirtschaftlicher sein kann als der Computereinsatz.

Hans-Jürgen Goebert

DV-Leiter, Helvetia Schweizerische Feuerversicherungsgesellschaft, Frankfurt

(IBM 370/138, DOS/VS)

Das Budget für 1981 wurde in unserem Hause um etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht. Umwälzungen haben dabei nur in sehr geringem Maße stattgefunden. Zwar wollen wir demnächst von DOS/VS auf DOS/ VSE umsteigen, was einer etwas größeren Investition bedarf, aber eine echte Verlagerung wird sich erst 1982 durch eine geplante Hardware-Veränderung ergeben. Mittlerweile überwiegen in unserem EDV-Budget die Personalkosten. Wir gehen davon aus, daß in diesem Jahr die Gehalter wieder starker steigen werden, weil bei uns noch ein Überhang (Tariferhöhungen) aus dem letzten Jahre besteht.

Seitens der Geschäftsleitung hat in der letzten Zeit ein Umdenkungsprozeß stattgefunden. Man ist sich heute bewußter, daß durch verstärkten DV-Einsatz Personalzuwachs vermieden werden kann. Obwohl es für die Datenverarbeiter noch nie schwierig war, einen Budget-Vorschlag durchzubekommen, ist das Management dennoch kritischer geworden. Hard-Diskussionen, die sicherlich von manchen Fachabteilungen geführt werden müssen, werden jedoch der EDV auch in Zukunft fremd sein. Das größte Rationalisierungspotential wird nach wie vor bei den Datenverarbeitern liegen. Seit die Geschäftsleitungen diesen Faktor erkannt haben, stehen sie auch der Problematik, die hinter der DV steht, offener gegenüber. Das allgemeine Unbehagen gegenüber der DV, das auch bei der Budget-Festlegung zum Ausdruck kam, ist inzwischen weitgehend beseitigt.

Weil in vielen Unternehmen den Managern häufig der DV-Durchblick fehlte und die tatsächlichen Bedürfnisse der DV-Abteilungen nicht selten falsch eingeschätzt wurden, hatten die DV-Leiter in Sachen Budget-Planung meist einen Freifahrtschein, Heute ist hier jedoch die Tendenz zu erkennen, daß sich die Geschäftsleitungen intensiver mit der DV befassen und häufiger rückfragen als noch vor ein paar Jahren. Budgets werden nicht mehr zwischen Tür und Angel entschieden, sondern langfristig. und präzis geplant. Somit ist auch in Unternehmen, die schon länger mit Datenverarbeitung arbeiten, die DV-Euphorie weitgehend abgeflacht

Das sogenannte Mercedes-Syndrom, bei dem der DV-Leiter seinen Beruf als persönliches Hobby auffaßte und aus diesen Gründen immer des Neueste und Beste haben wollte, kommt bei DV-Verantwortlichen, die von der reinen Technik kommen, heute noch immer vor. DV-Leute mit einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung haben indessen schon immer ein größeres Kostenbewußtsein entwickelt.

In unserem Hause besteht seit jeher eine konkrete Planung in Budget-Fragen. Innerhalb von Projektgruppen werden gemeinsam Nutzwertanalysen erstellt und unter Einfließung gemeinsamen Know-hows entschieden.