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07.04.2000 - 

Breakeven für Ende 2001 angekündigt

Buecher.de: Mittel aus dem IPO lassen das Ergebnis schwarz schimmern

MÜNCHEN (CW) - Die Vergrößerung des Warensortiments um so genannte Content-nahe Produkte, ein vermeintlich kostengünstiger Vertriebsweg und die weitere Expansion in Europa sind das Erfolgsrezept, das Buecher.de in die schwarzen Zahlen bringen soll. Bisher macht der Internet-Buchladen allerdings nur Gewinne mit der hochverzinslichen Anlage seiner Einnahmen aus dem Börsengang.

Von den roten Zahlen des Geschäftsjahres 1999 können auch die getätigten Akquisitionen, neue Kooperationen und das erweiterte Produktportfolio der seit Juli vergangenen Jahres am Neuen Markt gelisteten Buecher.de AG nicht ablenken. Der Münchner Online-Buchhändler konnte seinen Umsatz im Vorjahresvergleich zwar um 466 Prozent von 2,9 auf 16,4 Millionen Mark steigern. Gleichzeitig erhöhte sich jedoch das negative Ergebnis vor Steuern von 1,5 auf knapp 12,5 Millionen Mark. In den konsolidierten Umsatz fließen auch die Einnahmen der akquirierten Unternehmen mit ein. Für insgesamt rund zehn Millionen Mark übernahm Buecher.de innerhalb von nur sechs Monaten nach dem Börsengang den Berliner Internet-Buchhändler ZVAB ( = Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher), den Schweizer Online-Buchhändler Buch.ch und den Online-Music-Shop Alphamusic aus Lübeck.

Von den Zukäufen verspricht sich Vorstandsvorsitzender Richard von Rheinbaben neben der Basis für eine europaweite Expansion auch die Erweiterung des derzeitigen Produktportfolios. Noch im letzten Jahr machte Buecher.de rund 90 Prozent seines Umsatzes - nomen est omen - mit Büchern. Das soll sich jetzt ändern. "Wir sind keine Experten für Hundefutter", distanzierte sich von Rheinbaben zwar von der Diversifizierungsstrategie des deutschen Marktführers Amazon.de, aber zu einer Art "Kulturkaufhaus im Internet" wolle man mit dem angebotenen Spektrum schon werden. Bereits im letzten Jahr begann der Lesestoff-Lieferant, auch CD-ROMs und Spiele sowie Videos, Zeitschriften und Musik in sein Sortiment aufzunehmen. Künftig sollen zwei weitere Bereiche in der Angebotspalette zu finden sein. Weine und Genussmittel zum einen und Auktionen, zum Beispiel für antiquarische Bücher - als eine Art Freizeitgestaltung - zum anderen.

Auch in Sachen Logistik geht von Rheinbaben eigene Wege. Buecher.de leitet die Bestellungen elektronisch an Grossisten weiter, die den Versand und die Fakturierung mit Hilfe der Deutschen Post AG übernehmen. Das Unternehmen nimmt somit die Bücher und CDs erst ab, nachdem sie online verkauft wurden. Kosten für eine Lagerhaltung und Kapitalbindung durch Waren werden so vermieden.

Trotz roter Zahlen glaubt sich der Buecher.de-Chef deutschlandweit in puncto Verkaufszahlen an zweiter Stelle, nach Amazon.de und noch vor dem Bertelsmann-Buch-Shop BOL.de. An diesem Ranking soll sich mittelfristig auch nichts ändern. Man werde den sich abzeichnenden Konsolidierungsprozess im Markt "aktiv mitgestalten", deutete von Rheinbaben vielsagend an. Bekanntlich waren im vergangenen Jahr Fusionsgespräche mit Wettbewerber Buch.de gescheitert. Jetzt müsse man abwarten, hieß es. Vor allem den Publicity-trächtigen Börsengang der Bertelsmann-Tochter BOL.de. "Was man dort mit dem Kapitalzufluss aus dem Börsengang machen wird, wissen wir nicht - zumindest muss Bol.de im Vorfeld des IPOs seine Zahlen offen legen", so von Rheinbaben - der nicht ausschließen wollte, dass sein Unternehmen auch ein Übernahmekandidat werden könnte. Buecher.de selbst wolle jedenfalls im europäischen Ausland durch Zukäufe wachsen. Konkrete Gespräche gebe es mit Online-Buchhändlern in Italien und Frankreich.

Gute Nachrichten für seine Aktionäre konnte das Unternehmen mit den vorläufigen Zahlen des ersten Quartals 2000 melden. Der Umsatz beläuft sich auf rund sieben Millionen Mark und liegt damit fast fünfmal höher als im entsprechenden Quartal des Vorjahres. Von Rheinbaben zufolge zeichnen sich auch Gewinne im "finanztechnischen Bereich" ab. Ursache dafür sei die neu ausgerichtete Anlagestrategie des Online-Buchhändlers, die liquiden Finanzmittel aus dem Börsengang zunächst in einen Kapitalfonds zu investieren, was entsprechend hohe Zinserträge abwirft. Allerdings geht der Buecher.de-Chef unverändert von einem negativen Ergebnis vor Steuern von zirka 15 Millionen Mark in diesem Jahr aus, möchte das Unternehmen aber spätestens im vierten Quartal 2001 in die schwarzen Zahlen bringen.