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US-Zeitung sorgt für Spekulationen über PC-Zukunft


21.06.1991 - 

Bündnis zwischen Apple und IBM würde beiden Seiten nützen

NEW YORK (zek) - Für Unsicherheit in der PC-Branche sorgen Gerüchte über eine Zusammenarbeit von IBM und Apple, was PC- und Workstation-Technologien betrifft. Nach Presseberichten wollen beide Unternehmen sich gegenseitig Software-Elemente und Prozessortechnologie lizenzieren. Im Hinblick auf einen möglichen Standard-PC der Zukunft dürfte damit sowohl den Clonern als auch den Clone-Nutznießern Intel und Microsoft das Leben schwer gemacht werden.

Grund für die Gerüchte war ein Artikel der in der Regel sehr gut informierten US-Zeitung "New York Times". Demzufolge planen Apple und PC-Erzrivale IBM eine weitgehende Zusammenarbeit in den Bereichen Software und Hardware (siehe CW Nr. 24 vom 14. Juni 1991, Seite 1). Während Big Blue daran denke, Apples grafische Benutzeroberfläche für die eigenen Maschinen zu nutzen, würde Apple die Lizenz für IBMs RISC-Prozessorserie Power erwerben, die in den Workstations der Serie RS/6000 eingesetzt werden.

Ein klares Dementi von beiden Seiten fehlt bisher jedenfalls. Man führe ständig Gespräche mit anderen Unternehmen, hieß es vielsagend in Stellungnahmen. Andererseits hatte Apple vor rund drei Jahren ein Kooperationsabkommen mit Digital Equipment geschlossen, das für beide Unternehmen bisher eher zu mageren Ergebnissen geführt hat.

Branchenkenner sehen in dem möglichen Bündnis IBM/ Apple einen strategischen Schachzug gegen Microsoft. Sowohl Apple als auch IBM haben in letzter Zeit Probleme mit dem Bill-Gates-Unternehmen. Grund ist die PC-Benutzeroberfläche Windows 3.0, die von Microsoft als neue Standard-PC-Betriebssystem-Erweiterung vermarktet wird. Bei Apple fürchtet man dadurch, allmählich die Stellung als innovativer Spitzenreiter unter den Computerherstellern zu verlieren, IBM hat es schwer, sein neues Betriebssystem OS/2 an den Mann zu bringen.

Eine OS/2-Version oder eine IBM-eigene DOS-Erweiterung mit Mac-Elementen würde in Sachen Benutzerführung Windows 3.0 in den Schatten stellen, zumal sich Apple in einem Gerichtsverfahren gegen Microsoft wesentliche Elemente der grafischen Benutzerführung sichern konnte.

Mac-Oberfläche für IBM-Workstations?

Außerdem sind die Programmierrichtlinien für den Mac so rigide, daß die Mac Programme ohne größere Probleme auf anderen Maschinen laufen würden. Andere Spekulationen gehen dahin, daß IBM die Mac-Oberfläche bei Workstations einsetzen werde.

Sollte Apple andererseits für den IBM-Prozessor Power eine Lizenz erwerben, hätte das Rätselraten, welche Prozessortechnologie Apple in Zukunft einsetzen werde, ein Ende. Der Synergie-Effekt wäre noch größer, weil beide Unternehmen die wesentlichen Betriebssystem-Routinen für den Power-Prozessor gemeinsam entwickeln und nutzen könnten. Für die Zukunft hätte Big Blue dann darüber hinaus möglichen Clonern das Handwerk gelegt: Sowohl Prozessor als auch Betriebssystem-Software hätte die Monopolistengruppe Apple/IBM in der Hand. Eine Weiterverbreitung der Technologie wie seinerzeit bei Intel und Microsoft wäre nur sehr schwer möglich, Clones könnten nur noch gegen hohe Lizenzgebühren gefertigt werden.

Die mögliche Hinwendung zu Apple seitens IBM mag deshalb ihren Grund auch darin haben, daß Apple den Macintosh-Standard bisher erfolgreich gegen mögliche Nachahmer verteidigen und damit gegen die DOS-PCs sogar bestehen konnte, obwohl die bisherigen Mac-Modelle entschieden teurer als die DOS-Konkurrenten waren.