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15.10.1982 - 

1. Europäischer Kongreß über Office Automation appelliert an potentielle Benutzer

Büro 2000: Mit Pilotstart die Lernkurve kriegen

MÜNCHEN (ha) - Mit Investitionen in neue Kommunikations- und Informationstechniken fürs Büro ließen sich die Unternehmen zu viel Zeit. Zwar hätten die Anbieter ihre Produkte bislang selbst nur unzureichend konzipiert, doch eine abwartende Haltung der Benutzer könne dazu führen, daß sie den Anschluß an die derzeit rasante Entwicklung verpaßten (siehe auch Kolumne, Seite 7). Auf diesen Nenner ließen sich die Kernaussagen des "1 Europäischen Kongreß über Büro-Systeme und Informationsmanagement" bringen, der von CW-CSE, der Seminargruppe von CW-Publikationen, am 7. und 8. Oktober in München vor rund 300 Besuchern abgehalten wurde.

"Die Anbieter von Kommunikations- und Informationstechniken haben eine Bringschuld von benutzergerechten Systemen, die Nutzer dagegen auch eine Holschuld in Form der Bereitschaft, sich Schritt für Schritt die Leistungsfähigkeit dieser Systeme zunutze zu machen", sagte Professor Martin Lindner (Universität Saarbrücken und Forschungsabteilung der Olympia Werke AG) in seinem Vortrag über die "kongruente Implementierungsstrategie für Anbieter und Nutzer von Büroautomation".

In der abwartenden Haltung der User sieht Lindner die Gefahr, daß sie schließlich vom technischen Fortschritt überrollt werden könnten. Die Anwender müßten sich bereits heute orientieren, um später - wenn "Dienstintegration", Sprachverarbeitung, multimediale Terminals oder Breitbandnetze auf sie zukommen - gerüstet zu sein.

Von größter Bedeutung für die Einführung und Nutzung neuer Kommunikationstechniken ist nach Ansicht des - hannoverschen Betriebswirtschaftlers, Professor Arnold Picot, die sorgfältige Vorbereitung der Organisation.

Nicht selten seien Fehlschläge im Bereich von Büro und Verwaltung auf fehlerhafte Implementierungsstrategien zurückzuführen. Das Ausmaß der wahrgenommenen organisatorischen Veränderungen, die bereits von einer scheinbar kleinen Innovation wie etwa Teletex ausgelöst werden könne, werde häufig von Hersteller und Verkäufer unterschätzt. Bei der Durchführung der notwendigen Kommunikations- und Organisationsanalysen, so führte Picot in seinem Vortrag über "Neue Techniken der Bürokommunikation" weiter aus, sei man auf die "informierte, motivierte Mitwirkung" aller Betroffenen angewiesen. Lasse man diese unberücksichtigt, laufe man Gefahr, an der Wirklichkeit vorbeizuplanen.

Daß es heute wichtiger denn je sei, daß im Unternehmen Kenntnisse über neue Technologien und Kommunikationsverfahren vorliegen, sei es durch eigene oder externe Berater, unterstrich auch Dr. Fritz Piepenbring, Abteilungsleiter im Bereich Benutzersysteme bei der IBM Deutschland GmbH. Bei der schnellen Entwicklung auf dem Kommunikationssektor bedeute dies heute eine ständige Bereitschaft, neue Ideen aufzugreifen und auf ihre Anwendung im eigenen Unternehmen zu überprüfen. Für diese Art von Tätigkeit empfiehlt Piepenbring die Einführung eines "Informationsberaters". Es liege nahe, daß solche Berater aus den existierenden DV-Organisationen hervorzugehen hätten. Allerdings befürchtet der Stuttgarter IBM-Manager, daß die DV-Abteilungen die "rasante" Entwicklung zu bremsen versuchten, um nicht durch ständig neue Anwendungsforderungen überrollt zu werden. Nach Ansicht Piepenbrings mache sich heute eine Neuorientierung des schon vielfach existierenden "Benutzerservices" bemerkbar, dessen Aufgabe es nicht sein werde, dem Anwender zu erklären, was ein System könne oder wie man es benutze. Viel mehr sei von den Anwendern zu erfragen, was das System können muß, um deren Aufgaben zu unterstützen.

Leisere Töne bezüglich der Einführung neuer Kommunikationstechniken waren vom Kölner Wirtschaftsprofessor Norbert Szyperski (GMD/Bifoa) zu hören: "Jeder Frühstart in eine der denkbaren Richtungen kann früher oder später in einer informationstechnologischen Sackgasse enden." Szyperski rät indes zu einer "aufgeschlossenen Haltung", die jedoch keinesfalls als eine frühzeitige euphorische Festlegung auf eine technische Entwicklungslinie verstanden werden solle. Während die Implementierung neuer Technologien durchaus von einem "existenten Integrationsstartpunkt" ausgehen könne, müßte der konzeptionelle Einstieg unabhängig von einer speziellen Technik erfolgen. Euphorie hält Szyperski als ebenso wenig angebracht wie Pessimismus. Eigene Pilotprojekte auf der Basis und in Begleitung von strategischen Analysen sowie von Wirkungs- und Implementierungsstudien seien Ausdruck einer aufgeschlossenen Anwendereinstellung. Eine Auswahl von vier gekürzten Kongreßbeiträgen finden Sie auf den Seiten 36 bis 41.