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27.06.1986 - 

Mangelnde Koordination erschwert Mikro-Mainframe-Link:

Bürokommunikation erfolgt nur step by step

Die Problematik der Mikro-Host-Kommunikation liegt weniger im technischen Aufwand als in der mangelnden Koordination der Beteiligten. Die Entwicklung einer ganzheitlichen Lösung setzt die Zusammenarbeit von Zentralrechnerentwicklung, Netzspezialisten (LAN oder DFÜ), Mikroentwicklern und Organisationsfachleuten voraus. Der Weg ins gelobte Land der Bürokommunikation vollzieht sich daher noch in kleinen Schritten.

Der erste Rausch ist schon vorbei. Die PC-Nuggets aus den Silicon Valleys haben die Welt verändert. Dennoch klafft eine erhebliche Diskrepanz zwischen den euphorischen Verkaufsprognosen der unzähligen Anbieter einschließlich der in ihrem Windschatten segelnden, ebenso ungezählten Marktpropheten und den tatsächlich in den Unternehmen eingesetzten "Persönlichen Computern".

Wirkt das gegenwärtige Kostenniveau der Schreibtisch-DV noch hemmend? Oder bedient die Hektik des unverminderten Wettlaufs um leistungsfähigere Prozessorchips noch kluge Zurückhaltung der potentiellen Interessenten? Dabei arbeitet der Mikro für viele Problemstellungen heute schon schneller, als dem Bediener oder der ihn vertretenden Arbeitnehmerorganisation lieb ist. Nicht einmal die Dominanz einzelner Anbieter kann für unerfüllte Ziele herhalten: Die Klone der Offerten unterschiedlicher Hersteller gleichen einander wie Eier einer EG-Handelsklasse. Selbst den Marktführern bleiben enttäuschende Illusionen nicht erspart.

Worin liegen denn die Ursachen für die trotz absolut beachtlicher Verkaufszahlen spürbare Ernüchterung auf Nachfrager- und Anbieterseite?

Hinweise für die Beantwortung dieser Frage gibt eine Analyse der Erfolgsfaktoren der ersten Generation oder Generationen der PCs. Drei Aspekte springen dabei ins Auge: die Benutzerfreundlichkeit des Computers für jedermann, die aus der Sicht des Anwenders kurzfristige Verfügbarkeit und die geringe Höhe des Investitionsvolumens bei Einzelentscheidungen.

Die Handhabung des Mikros ist managerleicht, bei Heimcomputern würde man sagen kinderleicht. Werden in späteren Jahren die Antriebskräfte auf dem Weg in die Informationsgesellschaft untersucht, erweist es sich wahrscheinlich, daß der für die breite Akzeptanz des Mediums Computer wesentliche Innovationsschub von der Benutzerfreundlichkeit der Mikrocomputer-Software ausging.

Alles was man heute mit Personalcomputern funktional erreichen kann, ließ sich bereits in den sechziger und siebziger Jahren mit Time-Sharing-Anwendungen, bei genügender Teilnehmerzahl auch zu vergleichbaren Kosten, verwirklichen. Nur mußte ein Timesharing-Anwender vorher eine mehr oder weniger umfangreiche Spezialausbildung erfolgreich absolvieren.

Heute setzt sich ein Analphabit (bei dem "i" handelt es sich nicht um einen Druckfehler) vor seinen PC, tippt mit dem Finger auf den Bildschirm, kurvt mit der Maus über das Tableau, blickt in bunte Fenster, blättert von Menü zu Menü und... ist begeistert. Dabei vergißt er gelegentlich, welches Problem er eigentlich lösen wollte.

Marketing-Konzeption des PC scheint verführerisch

Verführerisch wie die Benutzerfreundlichkeit der Software erweisen sich die Marketing- und die Hardwarekonzeption des PC: buy, plug and play. Über die Ladentheke geliefert, ausgepackt und mit der Steckdose verbunden, eröffnet der Mikro ein faszinierendes Wunderland intellektueller Betätigung. Da liegen nicht mehr zehn Monate Lieferzeit zwischen ohnehin langwieriger Entscheidungsfindung und der Anlieferung der technischen Geräte. Kein Corps von Hardware- und Softwarespezialisten haucht in wochenlanger Kleinarbeit der Elektronik Leben ein. Die Zeitspanne zwischen Kaufentscheid und Inbetriebnahme reduziert sich auf wenige Tage.

Last, but not least fällt die Beschaffung eines eigenen Mikros wegen des vergleichsweise geringen Investitionsvolumens oft durch die Maschen selbst enggeknüpfter administrativer Kontrollnetze. Kaum daß in größeren Unternehmen die Unterschrift eines Direktors für einen Auftrag in der gegebenen Größenordnung benötigt wird.

Häufig eh' man sich versah, waren viele Mikros da. Weitschauende DV-Manager bestanden auf einem einheitlichen Rechnertyp für alle Unternehmensbereiche. Verantwortungsbewußte Einkaufsmanager schlossen für diesen Einheitstyp mengenrabattversprechend Rahmenverträge ab. Ein großer Sprung auf dem Weg in die Informationsgesellschaft war wieder einmal geschafft. Mit einem eigenen Mikro kann sich der Benutzer einen alten Traum der industriellen Zivilisation verwirklichen: die heile Welt am Arbeitsplatz in Visi-Calc-Scope und in High-Tech-Color.

Genau das gaukelt die Westentaschen-DV schon durch die tiefenpsychologisch effektive Namensgebung vor: der persönliche Computer. Dabei hatte ein welterfahrener Schriftsteller schon längst erkannt: Niemand ist eine Insel. Information entfaltet erst ihren Sinn, wenn sie kommuniziert wird. Wer einmal eine endlose Schleife in sein Programm codiert hat, der weiß, daß auch der schnellste Computer noch so unermüdlich arbeiten kann; wenn die Ergebnisse nicht übermittelt werden, bleibt alles nur Selbstzweck.

Den ersten Schritt in die richtige Richtung signalisiert daher die Verfügbarkeit geeigneter Optionen, die den Mikro gegenüber dem zentralen Rechner der DV-Abteilung wie ein reguläres Terminal wirken läßt. Zumindest erspart man sich dabei, die Daten von dem ersten Bildschirm-Datenendgerät oder Personalcomputer ablesen und über den die Tastatur des zweiten Bildschirms wieder eingeben zu müssen.

Mikro muß sich noch zum Organisationsmittel mausern

Hier bereits von Integration zu sprechen, wagen nur technische Spezialisten mit Scheuklappen für die subtilen Wechselwirkungen betrieblicher Organisationsstrukturen. Wenn der Computer am Arbeitsplatz mehr sein soll als die Kombination von Schreibmaschine, Tischrechner und Datenendgerät, dann ist er harmonisch in die informative und kommunikative Landschaft des Unternehmens einzubetten.

Wie die Menschheitsgeschichte zeigt, ist die hierarchische Beziehung zwischen Herr und Knecht, zwischen zentralisierter DV und PC oder Abteilungsrechner die einfachste Form kommunikativer Ordnung. Diesen Entwicklungsstand haben wir gegenwärtig erreicht. Im kommerziellen Umfeld werden Mikros heute eher als besonders intelligente Terminals denn als eingenständige Organisationsmittel eingesetzt. Die letztere Art der Verwendung liegt lediglich in der Kompetenz des Benutzers. Die industrielle Gesellschaft hat aber sublimere Beziehungen zwischen ihren Elementen entwickelt, die der Mikro noch nachvollziehen muß, wenn er sich zum tauglichen Instrument moderner Organisationsentwicklung mausern will.

En vogue ist heute das Mehrplatzsystem. Integration und Kommunikation - behaupten seine Verfechter - ergeben sich dann automatisch auf Arbeitsgruppenniveau. Dabei wird häufig übersehen, daß die Mitglieder einer Sachbearbeitergruppe eher nebeneinander als miteinander arbeiten. Die Informationsprozesse in Wirtschaft und Verwaltung sind filigraner, als uns die Technokraten einreden wollen. Das Konzept des Distributed Processing hilft oft auch nicht weiter. Nicht die Verarbeitung - das Prosessing -, sondern die Kommunikation untereinander und der wechselseitige Zugriff auf Informationen werfen die wesentlichen Fragestellungen der zukünftigen, technisch unterstützten Informationsverarbeitung auf. Wenn ein Sachbearbeiter oder der Angehörig einer zentralen Stabsabteilung spezifische Angaben benötigt, darf er nicht gezwungen werden, einen persönlichen Rechner nach dem anderen, einen Abteilungsrechner nach dem anderen abzufragen, ob er die relevanten Daten liefern kann. Ein unternehmensweiter Kataster aller gespeicherten Daten, Texte und sonstigen Informationen ist notwendig, ein Data Dictionary - nicht in Ringbuchform, sondern als integraler Bestandteil des Nervensystems betrieblicher Information und Kommunikation.

K1 ist kein Ersatz für kompetente Mitarbeiter

Der Arbeitsplatzrechner als persönliches oder Mehrplatzsystem wird gleichrangiger Partner andere Elemente der automatisierten Informationsverarbeitung werden. Neben seiner Verwendung als Datenendgerät, neben der Fähigkeit, Dateien und Schriftstücke zu einem beliebigen Kommunikationspartner zu übertragen oder von diesem zu empfangen, wird er gleichermaßen das Netz als externe Datenbank adressieren können. Das gilt für den gezielten Zugriff auf Daten, auf Texte, das gilt vor allem aber für die Suche nach qualitativen Informationen in Dokumentenarchiven. Unter dem Blickwinkel zukünftiger multifunktionaler Arbeitsplätze zählen dazu auch grafische und phonetische Hintergrundspeicher.

Kein Weg führt allerdings mehr zurück zu Systemen, die aufgrund ihrer Komplexität dem Endanwender im Büro oder in der Werkstatt verschlossen sind und zu ihrer Nutzung eines technischen Dolmetscherexperten bedürfen. Es ist anzunehmen, daß noch manche Visionen der Software und einige Generationen der Hardware den Weg markieren werden.

Über eines aber sollte man sich klar sein trotz aller Hilfen, die die neuen Technologien und zukünftigen Expertensysteme mit dem Anspruch "künstlicher Intelligenz" bieten: These systems will not compensate for people who are less competent.

*Carl D. Hast ist Leiter der Hauptabteilung "Marketing-Systeme" bei der Honeywell Bull AG, Köln.