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Buhmänner

04.07.1980

Ein Manager sieht rot: "Die haben keine Ahnung, welche Informationen wir wirklich brauchen." Ein Bildschirm-Sachbearbeiter fühlt sich falsch behandelt: "Nur in achtzig Spalten denken können, aber anderen Vorschriften machen wollen. " Ein Controller rührt sich zur Unzeit: "Jetzt werden wir denen aber mal zeigen, was eine Leasing-Harke ist." Und ein Koordinator reitet Peter-Prinzipien: "Da werden Dünnbrettbohrer herangezüchtet, die in ein paar Jahren arbeitslos sind." - Die Rede ist von den "Fachidioten in Blanc": von den Computerleuten.

Der Einstieg in eine Glosse über Datenverarbeiter könnte so aussehen - oder der Vorspann einer Kolumne über den "Horror digitalis und seine Auswirkungen auf die Psyche des homo office-iensis".

Machen wir uns nichts vor: Die alten Sprüche vom "Elfenbeinturm-Ghetto" ziehen nicht mehr. "Geknickt sein" ist "in" unter Computeuren. Man teilt die Skepsis der "Noch-nicht-Betroffenen" und trägt Bescheidenheit.

Beliebtester Vorsatz: Ab sofort werden Management-Kenntnisse getankt. Die Gründe für diesen Sinneswandel sind historischer Art. Für den DV-Chef alten Schlages, der sich noch heute so gern als Halbgott aufspielt, war der "Closed Shop" der Mittelpunkt eines Maschinen-Reiches, das sich gegen die betriebliche Umwelt hermetisch abschottete.

Bekanntlich haben sich die "Umweltbedingungen" in den letzten Jahren drastisch verändert. Von zaghaften "Distributed Processing" -Ansätzen bis zu eigenen Insellösungen vollzog sich die Emanzipation der Fachabteilungen. Weitaus strenger als früher sind heute die Maßstäbe, welche die DV-Nutzer an den Service-Betrieb "Rechenzentrum" anlegen. Infolgedessen laufen die Computer-Spezialisten Gefahr, zu den "Buhmännern der Benutzergemeinde" zu werden.

In den Computern der amerikanischen Luftverteidigung "ist der Wurm drin" - so jedenfalls der Tenor der Berichterstattung nach dem "April-April" -Alarm im vergangenen Monat, der einen vermeintlichen sowjetischen Atomangriff auf die Vereinigten Staaten signalisierte. Auf die Idee, die Computer-Spezialisten der U.S. Air-Force zu befragen, kam offenbar keiner der Tageszeitungsjournalisten. Wer läßt sich schon gern Meinung durch Information versauen.

Dabei wäre in dem besagten Fall durchaus angebracht, von menschlichem Versagen zu sprechen. Will sagen: Für Hardwarefehler und Softwarepannen sind letztlich die "Operatoren" verantwortlich - das heißt: Systemdesigner, Programmierer und Wartungstechniker. Ergo fehlt es dem "Strategic Air Command" (SAC) der Vereinigten Staaten an hochqualifizierten Computerspezialisten .

Das Pentagon als unattraktiver Arbeitgeber: Dies wäre freilich keine Frontpage-Meldung wert gewesen.