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21.02.1992 - 

Auch bei IBM sind Kapazitäten ungenutzt

Bull-Hoffnungen auf sichere Arbeitsplätze bleiben noch vage

MÜNCHEN (CW) - In zwei von fünf Punkten einer Presseerklärung der Kölner Bull AG zur IBM-Beteiligung am französischen Mutterkonzern (siehe CW Nr. 6 vom 7. Februar 1992) wird die Erwartung zum Ausdruck gebracht, IBM werde Entwicklung und Fertigung bei ihrer RISC-Serie RS/6000 zum Teil an die Franzosen abtreten. Big Blue hat jedoch selbst ungenutzte Kapazitäten.

Laut Bull-Mitteilung soll die Übernahme der Fertigung und damit verknüpfter Lizenzen "ein Volumen von mehreren Hundert Millionen Dollar pro Jahr erreichen". Die Hoffnung, beim französischen Staatskonzern Arbeitsplätze sichern oder gar ausbauen zu können, wird auch durch den zweiten Aspekt genährt: Die Bull-Gruppe werde ihr Multiprozessor-Know-how in die gemeinsame Weiterentwicklung der IBM-RISC-Architektur einbringen.

IBM-Fabrik In Austin nur halb ausgelastet

In der Tat hat IBM diesbezüglich ein Defizit. Bisher hatte Big Blue in der RS/6000 die eigene RISC-Architektur "Power" auf sieben Chips verteilen müssen. Im neuen Low-end-System der Erfolgsfamilie, dem Modell 220, wurde erstmals die Single-Chip-Implementierung durchgeführt. Diesem Design aber fehlen die Verbindungen, die ein symmetrisches Multiprocessing erst möglich machen.

Ob jedoch die für zukünftige RS/6000-Systeme anstehende Entwicklung nun aber, wie Bull hofft, in den verschiedenen Labors des Unternehmens in der Umgebung von Paris durchgeführt wird, ist ungewiß. Derzeit herrscht reger Reiseverkehr zwischen Paris und Armonk, um die Details des Kooperationsvertrages mit IBM auszuhandeln. Erst Mitte nächsten Monats ist nach Auskunft von Bull-Sprecher Jörg-Michael Pläsker mit genaueren Mitteilungen zu rechnen.

Größere Hoffnungen, zu den Gewinnern der IBM-Beteiligung zu gehören, dürfen sich nach Ansicht von Analysten noch die Mitarbeiter des Bull-Zentrums in Echirolle in der Nähe von Genf machen. Dort war die Entwicklung von Unix-Systemsoftware konzentriert. Die Spezialisten hatten in der Vergangenheit gern über IBMs Bemühungen mit AIX gespottet. Sie waren immer bestens informiert, denn ein großer Teil der AIX-Entwicklungsarbeiten fand in unmittelbarer Nachbarschaft statt. Jetzt könnten die Bull-Experten ihre Überlegenheit beweisen müssen.

Die von der französischen Regierung als treibender Kraft angestrebte Sicherung von Arbeitsplätzen bei Bull könnte nach Ansicht von Bull-Kennern fehlschlagen. Denn trotz des Erfolges der RS/6000-Familie hat IBM keine Fertigungsvolumen abzutreten, sondern selbst ungenutzte Kapazitäten aufzuweisen.

Die IBM-Fabrik in Austin, Texas, Hauptproduktionsstätte der RS/6000, wird nach Mitteilung des britischen Branchendienstes "Computergram" derzeit nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet.

Während hier vor drei bis vier Jahren in drei Schichten rund um die Uhr und sieben Tage pro Woche gearbeitet wurde, stehen jetzt nur noch zwei Schichten an fünf Wochentagen auf dem Programm. 20 Prozent der Belegschaft wurden entlassen; der Personalstand liegt heute bei 7000 Mitarbeitern.

Der blaue Riese hat nämlich die Produktion erheblich effizienter gestaltet. Beim Start der RS/6000 dauerte die Herstellung eines Boards fünf Wochen, derzeit sind es noch fünf Tage. Bis Ende März 1992 sehen die IBM-Pläne eine Herstellungszeit von maximal 24 Stunden vor. Japanische Produktionsmethoden haben sogar Einfluß im IBM-Wortschatz gefunden. Ergibt sich im Material- und Produktionsfluß ein Stau oder eine Lücke, wird das als "Kanban violation" gerügt.