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10.10.1997 - 

Integrations-Know-how soll Wintel-Kunden locken

Bull hofft mit Partner NEC auf den NT-Server-Markt

Zum ersten Mal seit 1988 konnte die Bull-Gruppe in der laufenden Abrechnungsperiode wieder ein positives Halbjahresergebnis melden. Auch für die deutsche Bull AG mit Sitz in Köln rechnet Vorstand Kaj Green mit einem "kleinen Gewinn" aus dem Geschäftsjahr 1997. Das Wachstum im Produktgeschäft (vor allem Großrechner, Unix- und NT-Systeme), das hierzulande etwa 40 Prozent der Umsätze ausmacht, sei im Vergleich zum Dienstleistungs-Segment bisher nicht zufriedenstellend verlaufen, so der Manager. Mit einem stärkeren Engagement bei NT-Servern soll sich das ändern.

Der Hersteller kündigte eine komplette Serie von Wintel-basierten Servern an, die weltweit unter der Bezeichnung "Express 5800" vermarktet werden soll. In Deutschland tragen die von Zenith Data Systems (ZDS) entwickelten Rechner das ZDS-Bull-Logo. ZDS ist die ehemalige PC-Sparte Bulls. Die Franzosen brachten ZDS 1996 in die Packard Bell-NEC mit Sitz in Sacramento, USA, ein. An diesem Unternehmen ist NEC mit 51,9 und Bull mit 20 Prozent beteiligt.

Das NT-Server-Angebot reicht vom Einstiegssystem mit Pentium-II-Prozessor bis zu Vier-Wege-SMP-Maschinen auf Basis von Pentium-Pro-CPUs (siehe Kasten "Bulls NT-Server-Express 5800"). Ab Anfang 1998 soll darüber hinaus ein Acht-Prozessor-System ausgeliefert werden. Die japanische NEC Corp., die 17,7 Prozent Anteile an der Bull-Gruppe hält, hat dazu einen eigenen Chipsatz ("Aqua"-Chipset) entwickelt. Bezüglich der Skalierbarkeit und Stabilität von Windows NT arbeitet NEC eng mit Microsoft zusammen. In der Zukunft sollen Rechner mit 16 Prozessoren in einem SMP-Verbund und NT-Cluster mit bis zu 64 Knoten die Basis für unternehmensweite Installationen bilden ("Express Server for Enterprise"). Allerdings reicht die Skalierbarkeit von NT derzeit noch nicht aus, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die (noch nicht verfügbare) Version 5.0 des Microsoft-Betriebssystems skaliert den Herstellerangaben zufolge bis maximal acht Prozessoren.

Ähnlich wie IBM mit den kürzlich vorgestellten "Netfinity"-NT-Servern möchte sich auch Bull vor allem mit Integrations-Know-how und umfassenden Lösungen für das System-Management von der Konkurrenz abheben. "Wir wollen unsere Erfahrungen aus dem Unix-Markt in die NT-Umgebung einbringen", rührte Green die Werbetrommel bei der Vorstellung der Rechner. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Management-System "ISM/ Open Master". Bull hat die Softwaresuite, die aus dem Unix-Umfeld stammt, auf Windows NT portiert. Den Angaben zufolge bietet die NT-Variante den gleichen Funktionsumfang wie die Unix-Lösung. Dazu gehören eine Reihe von Verwaltungs- und Sicherheits-Tools sowie Funktionen zur automatischen Softwareverteilung im Netz. Systemadministratoren sollen mit ISM/Open Master eine einheitliche Oberfläche für die Verwaltung heterogener IT-Umgebungen erhalten.

Auch in puncto Interoperabilität sieht sich Bull gegenüber den Mitbewerbern im Vorteil. Zum Angebot der Franzosen gehören Lösungen für die Integration von NT-Systemen in Unix-Umgebungen sowie Optionen für den Zugriff auf die eigenen GCOS- sowie auf MVS-basierte Großrechner. Daneben existieren verschiedene Intranet/Internet-Angebote wie etwa "Safe Web" für die Kombinationen mehrerer Web-Server zur Erhöhung der Verfügbarkeit oder das Firewall-System "Netwall".

Darüber hinaus positioniert sich Bull verstärkt als Dienstleister für komplexe NT-Projekte. Hier hofft man insbesondere auf Enterprise-Resource-Planning- (ERP-)Lösungen in Zusammenarbeit mit Anbietern wie SAP oder Baan. Auch Intranet- und Electronic-Commerce-Anwendungen wollen die Franzosen bei Großkunden organisieren helfen. Nach den Worten von Kaj Green erwirtschaftet die Bull AG in Deutschland 60 Prozent des Umsatzes mit Dienstleistungen.

Die Ziele des Duos Bull/NEC sind ehrgeizig. Bis zum Jahr 2000 wolle man weltweit einen Anteil von zehn Prozent im Markt für NT-Server erreichen, erklärte Hiroshi Hatta, Vice-President der NEC Corp. Unklar bleibt dabei allerdings die Rolle der Unix-basierten "Escala"-Server, die - ausgestattet mit einem oder mehreren Power-PC-Prozessoren - zum Teil die gleichen Marktsegmente adressieren wie die NT-Maschinen. Bull positioniert die Wintel-Server nach eigenen Aussagen vor allem für Internet/Intranet und Datenbank-Applikationen - Einsatzgebiete also, die zum Teil auch von den Escala-Systemen abgedeckt werden. Das Spitzenmodell der NT-Linie, den Vier-Wege-Server "RM4100", bezeichnet der Anbieter ausdrücklich als "Enterprise System" für unternehmenskritische Datenbanken und Applikationen.

Didier Breton, Executive Vice-President bei Bull, bringt für die Abgrenzung der NT-Maschinen zum angestammten Unix-Portfolio ein allzu bekanntes Argument vor: Nicht die Rechnerplattform, sondern die Anwendungen stünden für die Kunden im Vordergrund. Für Unternehmen, die sich einmal für Unix-Applikationen entschieden haben, gebe es keinen Grund, auf NT-Maschinen zu wechseln. Bull fahre deshalb zweigleisig und werde auch die Escala-Linie weiter ausbauen.

Escala-Server erhalten 64-Bit-Technik

Noch Mitte November soll eine Zwölf-Wege-Variante der Escala-Server vorgestellt werden, die mit einer 64-Bit-Implementierung des Power-PC-Chips arbeitet. Über die rechtzeitige Verfügbarkeit dieses Rechners war es in der Branche zu Spekulationen gekommen, nachdem IBMs RS/6000-Division Schwierigkeiten bei der Entwicklung des ursprünglich vorgesehenen Power-PC-Chips "620" eingeräumt hatte. Ebenso wie IBM (siehe Artikel Seite 61) greift Bull nun bei der neuen Server-Generation auf die 64-Bit-Implementierung "Apache" zurück, die in den AS/400-Entwicklungslabors in Rochester entstanden ist und eher für kommerzielle Anwendungen ausgelegt sein soll.

Bulls NT-Server-Express 5800

Einstiegssysteme: Modelle "EL" und "ES 1200". Ein Pentium-II-Prozessor, 233 oder 266 Megahertz, 512 KB Second Level Cache, vier PCI-, zwei ISA-Slots, integrierter Ultra-Wide-SCSI-3-PCI-Controller. Maximal 27,3 GB Massenspeicher. Verfügbar Oktober 1997.

Workgroup-Systeme: Modelle "LE 2000" und "LE 2200". Ein oder zwei Pentium-Pro-Prozessoren mit 180/200 Megahertz (LE 2000) oder Pentium-II-CPUs (LE 2200) mit 233 oder 266 Megahertz. Integrierte Ultra-Wide- und Ultra-Narrow-SCSI-3-Controlller. Maximal 36,4 GB Massenspeicher. PCI Raid optional. Verfügbar Dezember 1997.

Abteilungssysteme: Modelle "MT 2000" und "MT 2200". Ein oder zwei Pentium-Pro-Prozessoren mit 200 Megahertz (MT 2000) oder Pentium-II-CPUs (MT 2200) mit 233 oder 266 Megahertz. Integrierte Ultra-Wide- und Ultra-Narrow-SCSI-3-Controller. Hot-swap-fähige Ultra-Wide-SCSI-3-Festplatten. Maximal 54,6 GB Massenspeicher. PC-Card-Slot. PCI Raid optional. Redundante, Hot-swap-fähige Netzteile. "ESMPRO"-Management-Software. Verfügbar November 1997.

Unternehmenssysteme: Modelle "MH 4000" und "HX 4000". Ein bis vier Pentium-Pro-Prozessoren mit 200 Megahertz. Bis zu 4 GB ECC-Hauptspeicher (ECC = Error Correcting Code). Integrierter SVGA-Controller. Integrierte Ultra-Wide- und Ultra-Narrow-SCSI-3-Controller. Optional PCI-Ultra-Wide-Raid-Controller (MH 4000). Bei Modell HX 4000 PCI-Dual-Channel-Ultra-Wide-SCSI-3-Board für Raid im Lieferumfang. Maximal 54,6 (MH 4000) oder 109,2 GB (HX 4000) Massenspeicher. Redundante Hot-swap-fähige Netzteile und Ventilatoren. "ESMPRO"-Management-Software. Verfügbar November 1997.