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07.02.1992

Bull: Rien ne va plus

Was von dem Bull-IBM-Deal unter Produkt- und DV-Lösungsaspekten, kurz: aus Anwendersicht, zu halten ist, haben wir bereits dargelegt: nichts. Bei allem Verständnis für eine Überzeugung, die dem Pakt mit dem Hinweis auf eine "sichere" IBM auch etwas Positives abgewinnen will: Anwender, die sich für offene Systeme entscheiden und deshalb zunehmend für Nicht-IBM-Angebote, führen das Schutzschild-Dogma unbeschadet ad absurdum - abgesehen davon, daß Big Blue, wie die jüngste Entwicklung zeigt, eben keine "Bank" mehr ist. Was nun die technologische Seite betrifft, so hätte sich Bull RISC auch woanders kaufen können, unter anderem bei Hewlett-Packard, dem Marktführer, faßt man die einschlägigen Rechnerklassen zusammen (Seite 1).

Nein, es hieße, die für den französischen DV-Regiebetrieb zuständigen Politiker zu überschätzen, würde man Markt- und Technologie-Überlegungen in der Beteiligungsfrage allzu große Bedeutung beimessen; Madame Cresson verkauft eben an den Meistbietenden (siehe auch Seite 10). Daß leidvolle Erfahrung noch zählt - immerhin waren Bull und IBM über Jahrzehnte hinweg Todfeinde, mit den bekannten Folgen für Bull -, davon kann man nicht ausgehen. Bull kriegt Geld, nur darauf kommt es Cresson an - das wäre andererseits so eminent wichtig nicht, wenn sich Bull nicht in einer Rien-ne-va-plus-Situation befände. Stolz ist also bei den Franzosen nicht angesagt. So wertet die Pariser Presse den Deal denn auch einhellig als ein Zeichen von Schwäche.

Daraus folge, so der Umkehrschluß, daß die IBM einen Reibach bei dem Geschäft machen kann. Worin läge der Vorteil für den angeschlagenen Mainframe-Marktführer? Hat die IBM ein Interesse, einen Mitbewerber aufzupäppeln? So naiv, daran zu glauben, werden selbst die treuesten Bull-Anhänger nicht sein. Zugeben kann Bull-Chef Francis Lorentz freilich nicht, daß er sich vor den Karren einer IBM spannen läßt, die bei RISC und offenen Systemen in der Warteschleife hängt. Der amerikanische DV-Riese hat jetzt zumindest einen Fuß in der Tür, kann die Bull-Schwachstellen ausnutzen, um en passant seine angreifbare Position als "Franzose", als "Europäer" zu untermauern.

Viel Wunschdenken ist dabei. Der Markt wird deshalb ja nicht größer. Das bedeutet: Wenn Bull IBMs RS/6000-Systeme produziert, kostet das zunächst IBM-Arbeitsplätze. Akers weiß das natürlich. Das mag immerhin relativieren, was das Bull-IBM-Papier wert ist. Viel bezahlt hat die IBM ohnehin nicht. Auf wessen Erfolg soll man anstoßen?

P.S.: In der jetzt veröffentlichten Fortune-Rangliste der "Most-admired"-Corporations, der meistgeschätzten US-Unternehmen, ist die IBM von Platz 32 auf Platz 118 abgerutscht, weit hinter Hewlett-Packard.