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21.06.1991 - 

Premierministerin Edith Cresson lenkt ein

Bull SA darf mit NEC weiter über Beteiligung verhandeln

PARIS (CW) - Die Bull SA kann ihre Gespräche mit der japanischen NEC Corp. über einen Austausch der Beteiligungsverhältnisse wieder aufnehmen.

Mitte April begannen die Gespräche zwischen Bull und NEC. Der finanziell schwer angeschlagene Pariser Computermulti bot dem Tokioter Elektronikkonzern eine Beteiligung am Gesamtkonzern in Höhe von rund fünf Prozent an, im Gegenzug sollten die Japaner den Franzosen ihren 15-Prozent-Anteil an der amerikanischen Bull HN Information Systems Inc. abtreten. Hintergrund des Deals - abgesehen von finanziellen Aspekten: Mit der alleinigen Kontrolle über Bull HN könnten die Franzosen auch über die Aktivitäten in Großbritannien und Italien bestimmen. Beide Ländergesellschaften, so Jörg M. Pläsker von der Kölner Bull AG, wurden zwar bereits zum 1. Januar 1991 der Europa-Division von Bull unter der Leitung von Didier Ruffat zugeordnet, juristisch gesehen gehören sie aber noch in den Zuständigkeitsbereich der amerikanischen Gesellschaft.

Obwohl die Japaner dieser Transaktion nicht abgeneigt schienen, kamen die Verhandlungen Mitte Mai zum Erliegen. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Premierministerin Edith Cresson nämlich war es, japanischen Ambitionen auf französische Unternehmen einen Riegel vorzuschieben. Selbst eine Minderheitsbeteiligung, wie sie Bull NEC einräumen wolle, so ihr Standpunkt, könnten die Japaner dazu nutzen, die Kontrolle zu gewinnen. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation, in der sich Frankreichs Industrie derzeit befindet, scheint die Ministerin aber nun von ihrer starren anti-japanischen Haltung abweichen zu müssen. Auch soll, bezieht sich das "Wall Street Journal" auf Industriequellen in Frankreich, der Computerhersteller nachdrücklich bei Edith Cresson vorstellig geworden sein und die Wichtigkeit einer technischen Zusammenarbeit mit NEC - auch darüber wird verhandelt - betont haben. Zudem habe Francis Lorentz mit Rücktritt gedroht.

Tatsache ist, daß die Bull SA laut "Wall Street Journal" nun von der Regierung die offizielle Anweisung erhielt, die Verhandlungen mit NEC ohne jeden Zwang und im geplanten Rhythmus fortzusetzen. Allerdings sei Lorentz aufgefordert worden, keine Entscheidungen zu treffen, die Bulls Unabhängigkeit in der Zukunft gefährden würden.