Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.02.2003 - 

IT-Konzern verdoppelt Nettoverlust auf 549 Millionen Euro

Bull sucht händeringend Investoren

MÜNCHEN (CW) - Für die Groupe Bull wird es eng. Mitte des Jahres muss der IT-Konzern eine Staatsanleihe in Höhe von 466 Millionen Euro an die französische Regierung zurückzahlen. Es scheint jedoch fraglich, ob der notorisch defizitäre Konzern noch einmal Geldgeber findet.

Bull wies im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 einen Nettoverlust in Höhe von 549 Millionen Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahr, als ein Defizit von 253 Millionen Euro zu Buche stand, hat sich der Fehlbetrag mehr als verdoppelt. Die Einnahmen beliefen sich 2002 auf 1,51 Milliarden Euro. Auch hier ist, gemessen an 2001, als der Umsatz noch 2,54 Milliarden Euro ausmachte, ein heftiger Einbruch zu verzeichnen.

Trotz dieser Zahlen sieht sich Bull-Chef Pierre Bonelli mit seinen Turnaround-Bemühungen im Plan. Das im März 2002 vom Aufsichtsrat genehmigte Vorhaben sah nach der umfangreichen Restrukturierung im ersten Halbjahr 2002 für die zweite Jahreshälfte eine drastische Senkung der Ausgaben und das Erreichen eines ausgeglichenen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor. Diese Vorgabe habe Bull mit einem positiven Ebit in Höhe von 18 Millionen Euro sogar übertroffen, betont Bonelli.

Staat will sein Geld zurück

Auf Basis dieses Trends hofft der Bull-Chef, auch die dritte Stufe seines Plans zur Rettung des Unternehmens zu meistern: die Rekapitalisierung. Doch dazu benötigt Bull weitere Investitionen, auch um die Mitte des Jahres fällige Rückzahlung von 466 Millionen Euro an die französische Regierung begleichen zu können. Der Staat hatte dem angeschlagenen Unternehmen vor knapp einem Jahr mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen müssen, um eine drohende Pleite abzuwenden. Damit sollten damals kurzfristige Liquiditätsprobleme gelöst werden.

Das gleiche Problem stellt sich nun jedoch wieder. Andere Anteilseigner wie NEC, Motorola oder France Télécom haben bereits vor Jahresfrist jede weitere Unterstützung für Bull abgelehnt und ihre Beteiligungen sogar teilweise bereits abgeschrieben. Damit dürften sie für die jetzt anstehende Finanzierungsrunde ausscheiden. Auch die weiteren Aussichten für das laufende Geschäftsjahr 2003 werden kaum Investoren anlocken. Zwar halten die Verantwortlichen an der Umsatzvorhersage von 660 Millionen Euro und einem positiven Ebit von sieben Millionen Euro im ersten Halbjahr 2003 fest. Der Absatz von Servern und IT-Dienstleistungen werde allerdings weiter zurückgehen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens.

Bonelli gibt sich zwar zuversichtlich, will aber keine Garantien geben, was die nähere Zukunft angeht. Die hätten Marktbeobachter wohl auch in Zweifel gezogen: Seit Jahren rettet sich das einstige IT-Vorzeigeunternehmen Frankreichs von einem Sanierungsplan zum nächsten. Die Belegschaft schrumpfte von 46000 Mitarbeitern im Jahr 1988 auf inzwischen rund 8000. Außerdem war Bull in den vergangenen Jahren gezwungen, sich von zahlreichen Sparten zu trennen, wie zum Beispiel vom Smartcard-Geschäft und großen Teilen seiner IT-Services-Aktivitäten. (ba)