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26.07.1991

Bulls Vergangenheit spricht für NEC

Einmal mehr hat die Compagnie des Machines Bull einem ausländischen Unternehmen Zutritt gewährt. Dennoch schlägt der französische Computermulti mit der japanischen NEC ein ganz neues Kapitel in seiner langen Firmengeschichte auf. In der Vergangenheit waren es nämlich immer amerikanische Companies gewesen, die sich beim Unternehmen aus Paris engagierten. Als der Konzern Anfang der 60er Jahre angesichts der enormen Forschungs- und Entwicklungskosten und wachsender Konkurrenz im europäischen Computergeschäft am Rande des Konkurses stand, stieg General Electric als Retter in letzter Not und mit Zustimmung des damaligen französischen Staatspräsidenten Valery Giscard d'Estaing ein. Nur sechs Jahre später hatte der Elektronikkonzern den Spaß an den DV-Aktivitäten und damit auch an Bull verloren. Man überließ die Beteiligung dem amerikanischen Regeltechnik-Riesen Honeywell - wiederum mit Einverständnis der französischen Regierung. Nach weiteren sechs Jahren schließlich besann sich der Staat eines besseren und führte Bull Stück für Stück wieder "heim".

Viel Freude hatten die Franzosen an ihrem DV-Heiligtum seitdem indes nicht. Nach einigen Jahren des Profites - der Staat half kräftig mit - sind bei Bull längst wieder tiefrote Zahlen angesagt. Eine günstige Gelegenheit also für die Europa-hungrigen, gleichwohl finanzkräftigen Japaner, nun auch in Frankreich ein - wenn auch mit 4,7 Prozent zugegebenermaßen kleines - Anteilsstück von Bull zu ergattern. Immerhin haben sie etwas zu bieten, wonach der französische Computermulti spätestens seit November letzten Jahres trachtet: die vollständige Kontrolle über die US-Division Bull HN Information Systems, an der NEC bislang 15 Prozent hält, um die eingeleitete Restrukturierung in allen Bereichen über die Bühne zu bringen. Nur: Japan-Kenner sagen den Söhnen Nippons nach, viele Aktionen schon lange Zeit im vor aus zu planen. Wer würde seine Hand dafür ins Feuer legen, daß NEC mit der US-Beteiligung nicht schon 1987 den direkten Einstieg bei Frankreichs liebstem DV-Kind im Auge hatte? Auch würde wohl heute niemand Brief und Siegel dafür geben, daß die Tokioter - nun einen Fuß in Bulls Tür - diese in einigen Jahren nicht ganz aufstoßen werden. Der Staatskonzern unterliegt zwar den französischen Bestimmungen, wonach eine externe Beteiligung zehn Prozent nicht übersteigen darf. Doch wie die Zukunft von Bull aussieht, wird wohl davon abhängen, ob Konzernchef Francis Lorentz seine eigene Zielvorgabe, bis Ende 1992 der Verlustzone zu entkommen, erreicht. Schafft er es nicht, könnte Bull für die Japaner sehr schnell offen wie ein Scheunentor sein. Bulls Vergangenheit und die Zeit sprechen für NEC - und Geduld ist bekanntlich eine der leichtesten japanischen Übungen.