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15.02.1980

Bumerang

Selten ist ein marktpolitischer Rückzieher IBMs von der Universalrechner-Konkurrenz so zurückhaltend kommentiert worden wie die jüngste Preiserhöhung des Marktführers (siehe Seite 1), die vornehmlich die Kaufpreise und Mieten des Systems 4300 berührt.

Dabei hätten die Mitbewerber allen Grund, den Umfaller zum eigenen Vorteil zu nutzen - als Entschädigung für die Ohrfeige sozusagen, die ihnen IBM vor einem knappen Jahr mit der Ankündigung der Serie 4300 verpaßt hat. Das Außergewöhnliche an dieser Marktpremiere war ja nicht, welche Hardware-Neuerungen IBM aufbot, sondern das exzellente Preis-/Leistungsverhältnis, mit dem die neuen Maschinen angeboten wurden. Entsprechend war die Reaktion der Nicht-IBM-Hersteller, die von "verdutzt" bis "ratlos" reichte. Ja, es erschien zweifelhaft, ob es Burroughs, Honeywell Bull, ICL, NCR Univac und Siemens jemals wieder gelingen könnte, im Preis-/Leistungsverhältnis gleichzuziehen.

Die "Discount" -Aktion erwies sich überdies auch gegen PCM-Hersteller wie Amdahl und Itel als wirkungsvoll - mit den bekannten Folgen für Itel. Jetzt hat IBM den Preisschirm wieder aufgespannt. Gleichwohl reagieren die 4300-Geschädigten gelassen (siehe oben). Niemand denkt offenbar daran, die Besserwisser-Attitüde herauszukehren. Während NCR einen Wettbewerbsvorteil darin sieht, die eigenen Preise zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu ändern, mag Siemens "begrenzte Preisanpassungen" nicht ausschließen. Ähnlich die Position der Amdahl Corporation, die sich die Tür für eine spätere Preiserhöhung "nicht zuschlagen" will. Wie Univac und Honeywell Bull über die IBM-Preiserhöhung denken, ist der COMPUTERWOCHE bekannt, wenngleich sich beide vorerst ausschweigen.

Es wäre verwunderlich, wenn aus Sulzbach oder Köln laute Töne kämen.

Man ist insgeheim froh, wieder etwas Luft für Preiserhöhungen nach oben zu haben, zu gegebener Zeit wohl auch einen Schluck aus der Pulle nehmen zu können, ohne daß dies der Markt krummnimmt: Die IBM läßt - indem sie das Feld vorbereitet - keinen verkommen - bei der DV-Industrie ist die Welt (wieder) in Ordnung.

Etwas davon scheinen auch die Anwender zu spüren. Kommentar eines IBM-Kunden: Die Preiserhöhungen seien nicht gravierend; berücksichtige man den enormen Preisvorteil, den die neuen Maschinen gegenüber den 370ern nach wie vor böten, so bestünde kein Anlaß, IBM die Kurskorrektur in den Rachen zu stoßen.

Es lohnt sich in der Tat nicht, über die Marktresonanz auf die IBM-Preiserhöhung ausgiebig nachzudenken. Es ist nun einmal eine der Merkwürdigkeiten dieser Branche, daß IBM nicht mit normalen Maßstäben gemessen wird - hier sind Irrationalismen wie Liebe, Treue und Anhänglichkeit im Spiel.

Es wäre indessen ein fataler Irrtum, zu glauben, daß IBM mit diesen Unwägbarkeiten - im wahrsten Sinne des Wortes - rechnen würde. Die IBM-Marktanalyten sind Realisten. Daß sie den mit der 4300 eingeschlagenen Weg, nämlich die Konkurrenz mit Billig-Angeboten zu schocken, jetzt aufgeben mußten, zeigt allerdings, daß auch IBM nur mit Wasser kocht. Vor dem Hintergrund steigender Gestehungs- und Personalkosten - IBM spricht von "allgemeinen Kostensteigerungen" - mußten sich die Niedrigpreise der 4300 letztlich als Bumerang erweisen. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Wichtig ist darüber hinaus ein anderer Punkt: IBM muß die Systeme der 80er Jahre finanzieren. Dazu reicht der Jahresgewinn nicht aus. Erklärung: Der gestiegene Mengenabsatz kann den hausgemachten Preisverfall nicht kompensieren. Hinzu kommt, daß die Kunden momentan wenig Neigung verspüren, zu kaufen, wozu Spekulationen über die "H"-Serie zu einem nicht geringen Teil beitragen. Nicht ohne Grund sind die 303X-Maschinen von den Kaufpreiserhöhungen ausgenommen.

Fazit: Die Niedrigpreis-Politik bei der 4300 erweist sich im nachhinein als Überreaktion. Bleibt zu fragen, was IBM nervös gemacht hat?