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05.05.1995

Bundesanstalt fuer Arbeit untersucht Jobsituation von Computerfachleuten Aeltere DV-Profis am ehesten von Arbeitslosigkeit betroffen

Von Werner Dostal*

Arbeitslosigkeit ist in der DV-Industrie kein Fremdwort mehr. So haben Frauen laut juengsten Untersuchungen der Bundesanstalt fuer Arbeit weniger Einstiegsprobleme als Maenner, in den mittleren Altersgruppen haben sie es dagegen schwerer, einen Job zu finden, waehrend in hoeherem Alter DV-Expertinnen und Experten gleichermassen erheblichen Beschaeftigungsproblemen gegenueberstehen.

Arbeitslosigkeit ist immer auch qualifikationsbezogen: Je besser die Fertigkeiten und die Berufserfahrung, um so groesser die Chance auf einen Arbeitsplatz. Die Arbeitslosenquoten der Ungelernten sind immer schon wesentlich hoeher gewesen als die der qualifizierten Fachleute.

Bei den Computerexperten gibt es alle Qualifikationsebenen: Bei den sozialversicherungspflichtig beschaeftigten Computerspezialisten waren Ende Juni 1994 in den alten Bundeslaendern fuenf Qualifikationsebenen zu unterscheiden (siehe Tabelle 1 auf Seite 66):

Die arbeitslosen Computerfachleute verteilten sich auf die Qualifikationsebenen wie in der Tabelle 2 auf Seite 66 aufgezeigt wird (Deutschland gesamt).

Es ist nicht ganz einfach, die frueheren DDR-Ausbildungsebenen mit denen im Westen zu vergleichen. Insbesondere spielte der "Facharbeiter fuer Datenverarbeitung" in der DDR eine grosse Rolle. In den neuen Bundeslaendern ist deshalb der Anteil der Arbeitslosen mit einem beruflichen Ausbildungsabschluss dieses Levels relativ hoch (neue Bundeslaender 68 Prozent der Arbeitslosen), waehrend Jobsuchende mit Fachhochschulabschluss nur im Westen statistisch ausgewiesen werden.

In den neuen Bundeslaendern haben viele arbeitslose Computerfachleute eine Fachschulausbildung (19 Prozent), waehrend es im Westen nur elf Prozent sind. Bei den Hochschulabsolventen liegt die Rate der Arbeitslosigkeit etwa in gleicher Hoehe.

In Westdeutschland ist auf allen Qualifikationsebenen das Risiko, arbeitslos zu werden, etwa gleich gross. Allerdings sind Hochschulabsolventen anteilmaessig weniger arbeitslos, waehrend die Fachschulabsolventen und Personen ohne Ausbildung von Arbeitslosigkeit staerker betroffen sind. Besonders hoch liegt der Beschaeftigtenanteil bei den Fachhochschulabsolventen.

In den neuen Bundeslaendern ist bei den Hochschulabsolventen die Arbeitslosigkeit vergleichsweise gering, demgegenueber bei den Personen mit betrieblicher Ausbildung relativ hoch. Es gilt also fuer West wie Ost: Mit einer formal hoeheren Ausbildung ist das Risiko, in einem Computerberuf arbeitslos zu werden, kleiner.

Allerdings sind diese Unterschiede nicht allzu krass. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft werden offenbar Spezialisten mit allen Ausbildungsniveaus gebraucht.

Es ist zwar aus anderen Analysen ein Trend zu Hochschulabsolventen, insbesondere zu Informatikern, erkennbar, doch eine 100prozentige Sicherheit kann ein Hochschulabschluss auch nicht bieten.

Problematisch ist weiterhin der Umstieg von der Ausbildung in die Berufstaetigkeit, vor allem, wenn in der Branche gespart werden muss und schlanke Strukturen aktuell sind.

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist in Deutschland schon seit vielen Jahren ein erhebliches Problem. Insgesamt waren von allen Erwerbstaetigen 33 Prozent laenger als ein ganzes Jahr und 14 Prozent sogar laenger als zwei Jahre arbeitslos. Ende September 1994 waren etwa die Haelfte aller DV-Arbeitslosen sechs Monate und laenger ohne Beschaeftigung. Dabei gibt es regionale Unterschiede: So ist die kurzfristige Arbeitslosigkeit bis zu einem Monat im Osten mehr verbreitet, waehrend eine Dauer von drei bis sechs Monaten und laenger als zwei Jahre in den neuen Bundeslaendern seltener vorkommt als im Westen.

Je guenstiger das Alters- und Qualifikationsprofil ist, um so kuerzer ist in der Regel die Arbeitslosigkeit. Hochschulabsolventen haben offenbar eine laengere Sucharbeitslosigkeit, waehrend Teilnehmer an Fortbildungs- und Umschulungsmassnahmen recht schnell vermittelt werden.

Etwa die Haelfte der arbeitslosen Computerfachleute waren zuvor erwerbstaetig, haben also ihren Arbeitsplatz verloren. Dies gilt fuer West- wie Ostdeutschland. Nur etwa vier Prozent (West) beziehungsweise sechs Prozent (Ost) der DV-Arbeitslosen kommen direkt aus einer Ausbildung (schulisch oder betrieblich). Der Weg von der Ausbildung in die Erwerbstaetigkeit scheint also nur wenig Probleme zu machen. Wenn in dieser Phase Arbeitslosigkeit entsteht, dann dauert sie kaum laenger als sechs Monate.

Die Teilnehmer an Fortbildungs- und Umschulungsmassnahmen haben dagegen mehr Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden. 17 Prozent der arbeitslosen Computerfachleute im Westen beziehungsweise zwoelf Prozent im Osten haben zuvor eine solche Massnahme absolviert.

Eine relativ grosse Gruppe bilden jene Profis, die zuvor weder erwerbstaetig waren noch aus einer Aus- und Fortbildung beziehungsweise aus einer Umschulungsmassnahme kommen. Sie hatten ihre Erwerbstaetigkeit unterbrochen oder sind neu nach Deutschland zugezogen. Zu diesem Typus gehoeren im Westen 24 Prozent und im Osten 31 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit der Computerfachleute unterscheidet sich in ihrer Dauer kaum von der anderer Berufe, gewisse Unterschiede sind aber dennoch zu erkennen: Bei den Datenverarbeitern hat die Arbeitslosigkeit meist eine mittlere Dauer, waehrend bei anderen Berufen die Extreme (unter einem Monat, ueber zwei Jahre) staerker ausgepraegt sind. Arbeitslose Computerfachleute kommen nur etwa zur Haelfte unmittelbar aus der Erwerbstaetigkeit. Dies ist bei anderen Berufen aehnlich. Der Anteil jener arbeitslosen DV-Fachkraefte, die unmittelbar zuvor an einer Fortbildung oder Umschulung teilgenommen haben, ist weiterhin ueberdurchschnittlich. Dies beruht auf der Tatsache, dass fuer diese Berufsgruppe besonders viele derartige Massnahmen durchgefuehrt worden sind.

Wegen der voellig unterschiedlichen Beschaeftigungsstruktur der Computerfachleute in West und Ost lassen sich in speziellen Analysen die Arbeitsmarktzahlen nicht zusammengefasst beschreiben: In den neuen Bundeslaendern war und ist Computerfachkraft eher ein Frauenberuf, waehrend er im Westen zu einer Maennerdomaene geworden ist. Lediglich 20 Prozent der westdeutschen Computerfachleute sind Frauen.

Wie bei allen Berufen zeigt sich, dass es prinzipiell drei Altersphasen mit unterschiedlicher Arbeitslosigkeitsrate gibt:

1. Einstiegsphase in den Beruf mit meist ueberdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit.

2. Guenstige Beschaeftigungsphase nach der beruflichen Konsolidierung mit unterdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit.

3. Arbeitsmarktprobleme ab einem bestimmten Alter, deutlich ueberdurchschnittliche Arbeitslosigkeit.

Diese Situation ist bei den maennlichen Computerexperten gut erkennbar. Die Einstiegsphase ist im Alter von 26 Jahren abgeschlossen. Danach kommt ein langer Abschnitt mit guenstigen Beschaeftigungsaussichten, der sich bis zu einem Alter von

52 Jahren erstreckt. Dann beginnen die Probleme: Ab 53 Jahren steigt die Arbeitslosigkeit massiv an.

In den Altersgruppen von 55 bis 60 Jahren liegt die Arbeitslosenquote der Maenner bei 23 Prozent. Computerfachleute ueber 60 Jahre haben kaum noch eine Beschaeftigungschance, hier liegt die Arbeitslosigkeit bei weit ueber 50 Prozent. In diesem Alter ist eine Taetigkeit als Angestellter praktisch nicht mehr moeglich. Entweder folgt die Fruehrente, oder es ergibt sich eine freie Mitarbeit beziehungsweise eine Taetigkeit als Selbstaendiger. In diesen Beschaeftigungsformen existieren die genannten Altersgrenzen nicht in so rigider Form.

Bei Frauen sehen die Beschaeftigungsstrukturen anders aus: Es gibt keine besonderen Einstiegsprobleme, die an hoeherer Arbeitslosigkeit erkennbar waeren. Bis zu einem Alter von 30 Jahren ist die Arbeitslosigkeit unterdurchschnittlich. Dann beginnt eine Phase ueberdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit, die bis zu einem Alter von etwa 43 Jahren andauert.

Dies duerfte die Familienphase sein, in der Frauen auf dem Arbeitsmarkt wegen ihrer tatsaechlichen oder vermuteten Familienpflichten schlechtere Beschaeftigungschancen haben. Es folgt bis zum Alter von 50 Jahren eine vergleichsweise guenstige Beschaeftigungssituation, in der die Arbeitslosigkeit durchschnittlich ist.

Danach verschlechtert sich die Situation bis hin zu erheblichen Arbeitslosigkeitsraten. Dennoch ist die Altersarbeitslosigkeit bei Computerfrauen etwas geringer als bei den Maennern. In der Altersgruppe 55 bis 60 Jahre liegt die Arbeitslosenquote der Computerfrauen bei 17 Prozent.

Fuer die neuen Bundeslaender existiert bislang noch keine stabile Beschaeftigtenstatistik, so dass hier nur die Arbeitslosenzahlen, nicht aber die Bestandsdaten diskutiert werden koennen. Den "Altersbauch" mit hoher Arbeitslosigkeit gibt es hier auch, er umfasst das Alter von 47 bis 54 Jahren.

Arbeitslose Computerfachleute ueber 55 Jahre gibt es statistisch kaum, sie sind offensichtlich schon alle fruehverrentet. Bis zum Alter von 54 Jahren ist die Arbeitslosigkeit bei den Maennern weitgehend konstant, bei den Frauen liegt - frueher und kuerzer als im Westen - die Familienphase, wenn sie an der hoeheren Arbeitslosigkeit gemessen wird, im Alter zwischen 26 und 31 Jahren.

* Dr. Werner Dostal ist Direktor am Institut fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt fuer Arbeit in Nuernberg.

Qualifikation der arbeitslosen DV-Experten

Ausbildung: Personen/Anteil*

Ohne Berufsausbildung: 3368/11,16

Mit Berufsausbildung: 20506/67,94

FH-Ausbildung: 1712/5,67

Uni-Ausbildung: 4597/15,23

Insgesamt: 30183/100,00

* Angaben in Prozent

Die Vorbildung der DV-Experten

Ausbildung: Personen/Anteil*

Ohne Berufsausbildung: 18 078/7,34

Mit Berufsausbildung: 137 284/55,76

FH-Ausbildung: 7 972/11,36

Uni-Ausbildung: 50 036/20,32

Ohne Angabe: 12 820/5,21

Insgesamt: 246 190/100,00

* Angaben in Prozent